Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

09.03.13; Pfarrerin Dr. Barbara Schwahn

Hundekekse

Guten Morgen, lieber Hörer, liebe Hörerin, manchmal liest man ja merkwürdige Dinge in der Zeitung!

Neulich titelte die Rheinische Post auf der Seite „Stadtgespräch“: „In Düsseldorf jetzt Schmuck für Hunde.“1

Eine Schmuckdesignerin hat eine Kollektion für Hunde entworfen. Die lässt sich auch im Partnerlook mit dem jeweiligen Herrchen oder Frauchen tragen. Für 99 Euro gibt es ein Pfotenherz, für knapp 2000 Euro ein goldenes Kettchen mit Brillis, das kostbarste Collier ist für 12.000 Euro zu haben und ist aus Weißgold und Brillanten gemacht. Charme und Witz soll der Schmuck haben, damit er nicht dekadent wirkt, ist zu lesen. Und 5 % von jedem verkauften Schmuckstück werden für die Düsseldorfer Tiertafel abgezweigt. Sie versorgt Hunde von Obdachlosen. Immerhin.

Aber ist es nicht schon ein Zeichen von Dekadenz, dass Menschen überhaupt so viel Geld für Hundeschmuck ausgeben? Man könnte jetzt sagen: Wer es sich leisten kann, der soll halt stylish durch´s Leben gehen und neben sich selbst und seinen Kindern, seiner Wohnung und seinen Autos auch seinen Hund so ausstaffieren, dass alles zusammenpasst.

Die meisten dieser Hundebesitzer werden auch dann noch Geld übrig haben, um es für soziale Zwecke zu spenden. Auch daran sieht man, wie weit die Schere zwischen Reichen und Normalbürgern bei uns mittlerweile auseinandergeht. Das ist das eine. Aber was geschieht da eigentlich mit den Hunden? Tut man ihnen einen Gefallen damit, sie so zu vermenschlichen? Müssten wir nicht viel eher wieder das Augenmerk darauf legen, dass Hunde genügend Auslauf haben, nicht überfüttert werden und tagsüber in Gesellschaft sind? Anstatt sie in der Wohnung zu halten, mit ihnen drei Mal am Tag für ein paar Minuten Gassi zu gehen und tagsüber, wenn alle außer Haus sind, allein zu lassen?

Zum Thema füttern gibt es in Düsseldorf auch etwas Außergewöhnliches: einen Laden in bester Lage, der nur Hundekekse verkauft. Wenn man vorbeiläuft, duftet es nach Weihnachtsplätzchen. So verführerisch, dass ich auch schon mal beinahe zugegriffen hätte, um den Hund von Freunden damit zu beglücken. Wenn die Menschen schon alles haben, kann man auf die Idee kommen, den Hund zu beschenken. Ich konnte mich aber schon noch bremsen. So einen übertriebenen Kult mit Tieren zu betreiben ist einmal ein Schlag ins Gesicht all der Menschen, die nicht genug zum Leben haben. Und es hat nichts mehr mit Tierliebe zu tun oder mit artgerechter Tierhaltung. Es geht auch anders.

Da kann ich Ihnen zum Beispiel von Asta erzählen. Eine schwarze Hündin auf einem Bauernhof im Bayerischen Wald. Sie schläft in ihrer selbstgebauten Hütte vor der Haustür und darf auch tagsüber nicht ins Haus. Sie frisst fast alles. Und ihre Lieblingsbeschäftigung ist es, mit den Kindern der Feriengäste draußen zu spielen und zu toben. Sie hat eigentlich alles für ein glückliches Hundeleben. Und sie macht großen und kleinen Feriengästen Freude. Nebenher bewacht sie noch den Hof. Menschen und Tiere leben hier so zusammen, wie es jedem gerecht wird. So ist es meines Erachtens gemeint, wenn in der Bibel davon die Rede ist, dass der Mensch für die Tiere verantwortlich sein soll. (1. Mose 1, 26) Anfangs wurden zwar die Tiere geschaffen, um dem Menschen Gesellschaft zu leisten. Aber letztlich passten sie nicht ganz zu ihm. Dafür musste auch noch ein menschliches Gegenüber her. (1. Mose 2, 18-24)

Es liegt ein Segen darauf, Menschen und Tieren jeweils den Platz einzuräumen, der ihnen in der Schöpfung Gottes zukommt, findet Barbara Schwahn, Pfarrerin aus Düsseldorf

Rheinische Post von Montag, 19.11.12, S. D8.

 

Audiobeitrag Hundekekse


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