Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

08.03.13; Pfarrerin Dr. Barbara Schwahn

Pure Freude (Internationaler Frauentag)

Bonjour Madame, s´il vous plait? Guten Morgen, gnädige Frau, was darf´s sein? So werden in dem kleinen Lädchen in der Nähe meines Büros alle Frauen begrüßt.

Sehen Sie es mir bitte nach, sehr geehrte Hörer, dass ich mich heute Morgen mal besonders an die Damen wende. Heute ist nämlich der Internationale Frauentag.

Bonjour Madame. Schon diese Begrüßung versüßt mir den Tag. Ganz zu schweigen von den petits fours, den leckeren Törtchen, die es in dem Lädchen gibt. Kleine Köstlichkeiten aus schokoladeumhülltem Biskuit, garniert mit Kaffeebohnen und Schokotäfelchen oder gebrannten Mandeln. Zarte Träume aus feinem Mürbeteig belegt mit Himbeeren oder Aprikosen. „Pure Freude“ heißt der kleine Laden mit dem entzückenden Café.

Und pure Freude ist es, im Vorbeigehen die immer wieder neuen verführerischen Kreationen im Schaufenster anzuschauen oder zu kaufen und zu verspeisen. So höflich und galant mit dem französischen Akzent angesprochen zu werden, schon dafür lohnt es sich, dort reinzuschauen. So hofiert und wertgeschätzt zu werden als Kundin tut gut bis in den kleinen Zeh. Pure Freude. Der richtige Ausdruck für das, was ich in dem Lädchen erlebe. Natürlich kann man sich auch über ganz etwas anderes freuen, als über eine freundliche Atmosphäre und über kulinarische Köstlichkeiten. Aber sie setzen Glücksgefühle frei. Wenn ich mir die Zeit nehme, dort eine Pause zu machen, dann bin ich mitten im Trubel der Düsseldorfer Innenstadt auf einer Insel, die in mir Freude weckt.

Jetzt ist Zeit mich zu freuen: Über eine Arbeit, die ich fertigbekommen habe, darüber, dass eines der Kinder Geburtstag hat, -die Gelegenheit, solche leckeren Törtchen mitzubringen- oder dass die ersten Sonnenstrahlen den Frühling einläuten. Natürlich ist das nicht nur pure Freude sondern auch purer Luxus und man leistet sich solche Extras nicht jeden Tag. Aber manchmal sind solche kleinen Freuden wichtig als Stimmungsaufheller. Die Bibel lädt uns ein, uns nochmal ganz anders zu freuen. Noch viel tiefer. „Freuet euch in dem Herrn und abermals sage ich, freuet euch.“ Das klingt nun erstmal etwas sperrig und nicht so gewinnend wie ein hübsches Café. Ich übersetze mal. Gott sagt damit zu Ihnen und mir: „Bonjour Madame, freuen Sie sich heute darüber, dass ich Sie liebe.

Lassen Sie doch mal diese zärtliche Anrede in ihr Herz! Ich weiß, was Ihnen geschehen ist. Ich bin entsetzt und tief betrübt darüber. Ich kann Sie nur einladen: Steigen Sie aus aus dem Sorgenkarussell und verlassen Sie einen Moment Ihren Schmerz. Ich lade Sie ein, Madame. Sich zu freuen. Sie hören richtig, ja, mitten in dem, was Ihnen die Freude raubt, ja sogar mitten im Leiden. Schauen Sie mal hin: Sehen Sie, wie sich das erste Grün am Baum zeigt? Und das Bild, das Ihnen ihr Patenkind gemalt hat, tolle Farben! Und wie Sie heute eine schwierige Situation gemeistert haben: Freuen Sie sich darüber. Das geht sonst im Alltag wieder unter.“ Ich bin dankbar dafür, wieviel Grund zur Freude ich habe. Umso mehr, wenn ich mir heute überlege, wie gut es mir geht im Vergleich zu Frauen anderswo auf der Welt. Sie werden ausgenutzt und ihre Rechte mit Füßen getreten. Es ist gut, heute auch daran zu denken.. Ob auch diese Frauen in ihrer oft so hoffnungslosen Lage ab und an so etwas wie Freude erleben können? Freude an den kleinen Dingen des Lebens inmitten ihrer Misere?

Freude ist oft nicht pur zu haben, sie ist verschüttet unter allem, was uns belastet und womit wir beschäftigt sind. Wir brauchen kleine Gesten im Alltag, die sie zum Vorschein bringen.

Liebe Hörerin, lieber Hörer, dass Sie solche Gesten heute erleben oder jemand anderem durch eine kleine Aufmerksamkeit helfen, die Freude am Leben wieder zu entdecken, dass wünscht Ihnen Ihre Barbara Schwahn, Pfarrerin aus Düsseldorf

 

Audiobeitrag Pure Freude (Internationaler Frauentag)


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