Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

07.03.13; Pfarrerin Dr. Barbara Schwahn

Emma und Lea

Einen wunderschönen guten Morgen lieber Hörer, liebe Hörerin, man soll die Hoffnung ja bekanntlich nicht aufgeben.

Daran erinnert mich ein Foto von Emma und Lea auf meinem Schreibtisch. Ohne die unerschütterliche Hoffnung ihrer Eltern wären sie vielleicht gar nicht auf der Welt. Ich habe ihre Eltern kennengelernt, als sie ihre Hochzeit planten. Alles war frühzeitig in Angriff genommen worden, wieder umgeworfen und neu überdacht und dann stand der Termin fest. Bis, ja bis sich völlig unerwartet und unverhofft Emma und Lea ankündigten und alle Pläne aufs Neue umwarfen.

Eine große Hochzeit wäre für die zukünftige Zwillingsmama nun zu aufregend gewesen. Sie brauchte jetzt Ruhe. Also wieder alles retour. Es gab eine kleine aber feine standesamtliche Trauung. Großes Glück auf allen Seiten. Getrübt wurde es allerdings bald durch die Nachricht: Lea hat einen schweren Herzfehler, so schwer, dass sie vielleicht nicht überleben wird. Die Ärzte rieten dazu, die Schwangerschaft abzubrechen. Das kam aber für die Eltern nicht in Frage. Sie gaben ihren beiden Mädels die Chance, weiterzuleben. Wohl wissend, welche Sorgen auf sie zukommen könnten.

Beide Mädchen kamen zur Welt. Emma ging es gut. Lea musste gleich danach zum ersten Mal operiert werden. Ihr ging es schlecht. Bei jeder Anstrengung lief sie blau an. Sie schwächelte und es war klar, sie würde noch mal unter großen Risiken operiert werden müssen. Aber sie war ein fröhliches Kind und beide Kinder machten trotz der Strapazen ihren Eltern viel Freude.

Bevor die zweite OP anstand, sollten die Zwillinge getauft werden. Es war eine ganz normale Taufe, aber es war klar, dass die Eltern und besonders die kleine Lea in besonderer Weise den Schutz und die Kraft Gottes brauchten. Ich erinnere mich gerne an die Tauffeier zurück. Sie fand in der kleinen Wohnung der Eltern statt. Die ganze Familie war zu Besuch. Emmas und Leas Eltern ließen sich trotzdem nicht aus der Ruhe bringen. Sie widmeten sich liebevoll ihren Mädchen. Trotz der Anspannung und den Anstrengungen der vergangenen Monate strahlten sie Freude, Ruhe und Gelassenheit aus. Alles war sorgsam vorbereitet und jeder bekam sogar ein gerahmtes Foto der Täuflinge.

Leas Taufspruch hieß: Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen. (Psalm 91, Vers 11) Das würde sie gebrauchen können, bei dem, was auf sie zukam. Und Emma bekam den Vers: Alle Dinge sind möglich, dem, der da glaubt. (Markus 9, Vers 23)

Beide kleinen Mädchen hatten entgegen der ärztlichen Prognosen die Schwangerschaft und die OP nach der Geburt überlebt. Lea hatte sich ins Leben gekämpft und würde es auch weiterhin schaffen. Da waren die Eltern ganz gewiss. Das glaubten und hofften sie für Lea und die Ärzte mit. Während der Zeit, in der Lea wieder im Krankenhaus war, bezogen die Großeltern von Emma und Lea eine Ferienwohnung in der Nähe der Klinik und kümmerten sich dort um Emma.

Mittlerweile sind die Zwillinge schon zweieinhalb Jahre alt und beiden geht es gut. Was Hoffnung und was Glaube bewirken können, das habe ich von diesen jungen Eltern gelernt. Sie machen Leben möglich allen Widrigkeiten, aller Gefahr und allen Härten zum Trotz. Das geht nicht ohne Angst und Sorge, nicht ohne Erschöpfung und Zweifel. Aber: alle Dinge sind möglich, dem, der da glaubt, haben die Eltern Emma als Taufspruch mitgegeben.

Ganz gleich, was Ihnen, liebe Hörerin, lieber Hörer, gerade Kummer macht oder unüberwindbar erscheint. Denken Sie immer mal wieder an Emma und Lea und ihre Eltern. Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt. Gehen Sie damit mutig in diesen Tag, Ihre Barbara Schwahn, Pfarrerin in Düsseldorf

 

Audiobeitrag Emma und Lea


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