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Riskier was, Mensch
Guten Morgen, lieber Hörer, liebe Hörerin, zum ersten Mal in meinem Leben stand ich in diesem Winter auf Langlaufskiern.
Normalerweise habe ich ja lieber festen Boden unter den Füßen. Und eigentlich habe ich vor allem, was schnell werden kann, ziemlichen Respekt. Doch kurz nach Weihnachten ging´s mit der Familie in den Schnee. Und es kam, wie zu erwarten war: Die Kinder schnallten die Skier an und weg waren sie. Ich dagegen musste mir erst mal erklären lassen, wie man mit Skiern unter den Füßen vorwärts kommt. Aber siehe da, es klappte. Die erste leichte Steigung war gut zu nehmen. Dann ging es erst mal eben weiter. Hui, dann kam ein Abhang. Ich sah mich schon die Skier über dem Kopf auf dem Allerwertesten den Hang runterrutschen. Nein, das war zu viel des Guten. Das war mir zu riskant. Nicht gleich beim ersten Mal. Und so zog ich es vor, auf der ebenen Strecke hin- und herzufahren. Immerhin, ein Anfang war gemacht! Ich hatte es riskiert. Vielleicht wage ich beim nächsten Mal mehr.
Riskier was, Mensch, heißt eine Aktion der evangelischen Kirche in diesen Wochen. Sieben Wochen ohne Vorsicht. Dazu lädt sie alle ein, die in dieser Zeit im Jahr, der Passions- oder Fastenzeit, mal etwas in ihrem Leben verändern möchten. Neues riskieren, ohne Blick zurück ist das Motto in dieser Woche. Verrückt, werden Sie sagen. Total unvernünftig. Natürlich muss man vorsichtig sein, es gibt doch tausend Möglichkeiten, sich weh zu tun, betrogen zu werden oder sich den Mund zu verbrennen.
Vorsichtig zu sein, ist doch das oberste Gebot im Leben. Pass auf, dass du nicht runterfällst. Vorsicht, die Schuhe werden nass. Solche Sätze hören wir von klein auf. Und wir geben sie an die eigenen Kinder weiter. Und etwas Neues zu wagen, ohne zu wissen, ob es gelingt? Lieber beim Altbewährten bleiben. Da weiß man, woran man ist.
Ist ja richtig. Einerseits. Aber wer nichts riskiert, der macht auch keine neuen Erfahrungen. Der lernt nichts dazu. Der kann nicht über sich hinauswachsen. Nur wer etwas wagt, gewinnt. Also, vielleicht lassen Sie sich anstecken und probieren Sie auch mal einen neuen Sport aus. Oder lernen ein Instrument oder fangen an zu gärtnern. Ganz gleich, was man Ihnen von klein auf vermittelt hat: Du bist unsportlich, ein musikalischer Analphabet oder du hast zwei linke Hände.
Tun Sie, was Sie schon immer mal ausprobieren wollten. Auch auf die Gefahr hin, dass nichts daraus wird und Sie es nicht zu wirklicher Meisterschaft bringen. Das sind die kleinen Übungsschritte aus der Komfortzone in die Wagniszone. Übrigens hat auch Christsein viel mit Risiko zu tun. Die ersten Anhänger Jesu haben alles stehen und liegen lassen, was sie hatten, ihre Familien verlassen und sind mit ihm gezogen. Mit einem Wanderprediger, der staatliche und religiöse Autoritäten gegen sich hatte. Und dessen ganzes Leben im Grunde ein einziges Risiko war, was ihn dann schließlich auch das Leben gekostet hat. Von vielen mutigen Menschen ist in der Bibel die Rede, die etwas gewagt haben, ein Risiko eingegangen sind. Dabei hat ihnen ihr Gottvertrauen geholfen. Abraham ist mit seiner ganzen Familie aufgebrochen, ohne zu wissen, wohin. Mose wurde zum Anführer eines ganzen Volkes, obwohl er stotterte und alles andere als ein Alphatier war. Wenn alle die, von denen da die Rede ist, lieber auf der sicheren Seite geblieben wären, dann hätten sich all die großartigen Geschichten nicht ereignet. Geschichten, in denen Menschen Gewohntes hinter sich gelassen haben und neue Türen öffneten sich.
Um irgendwann so große Schritte zu wagen, kann man sich schon mal in den kleinen üben. Ich bin jedenfalls froh, dass ich mich jetzt mal auf Skier gewagt habe. Wer weiß, was noch daraus wird.
Riskieren Sie etwas. Was, das wissen Sie schon selbst. Am besten gleich heute. Ihre Barbara Schwahn, Pfarrerin in Düsseldorf.
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Riskier was, Mensch
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