| |
Zuhören
Als sie mich fragte, wie es war, freute ich mich. Über das Interesse und weil er wirklich schön war der Urlaub. Zu kurz klar, aber schön.
Gerade wollte ich erzählen, vom Schnee und blauen Himmel. Da sagt die Bekannte schon: Ich habe auch etwas Tolles erlebt. Moment, denk ich noch. Ich wollte doch gerade erzählen und immerhin hatte sie mich doch gefragt. Und dann erzählt sie und erzählt und erzählt. Mittelmäßig irritiert verabschiede ich mich. So etwas passiert mir hin und wieder. In beide Richtungen. Also auch in der, in der ich die Pause im Satz des Anderen suche, um endlich zu sagen: ich aber...
Sicher: Man kann das kontrollieren. Ich auch. Dann tut man länger so, als ob man zuhört, ist aber schon weg. Innerlich. Mit den Gedanken. Und dem Herzen sowieso.
Wie geht es dir? oder Geht es gut? klingen zunächst wie eine Einladung zuzuhören, sind aber doch oft nicht mehr als ein freundlicher Gruß.
Ich bin evangelischer Pfarrer in einem Gefängnis und treffe dort Jugendliche, die mir - bei allen anderen Schwierigkeiten - davon erzählen, dass sie einen Traum haben:
Dass mal einer wirklich zuhört. Was für ein Traum. Dass einer einfach mal zuhört. Man muß nicht inhaftiert sein, um diesen Wunsch tief zu empfinden. Allerdings: Wer sich danach sehnt, dass man ihm zuhört, muß bereit sein zu erzählen. Und dann wird es unter Umständen schon wieder schwierig. Wie nicht selten, wenn Träume wahr werden.
Bin ich bereit, etwas zu erzählen? Wirklich zu erzählen? Ich meine über Wetterfragen und Geschmacksfragen hinaus? Was wäre also, wenn jemand wirklich zuhört? Mich hören will?
Ich glaube, dass Gott zuhört. Gebete hört. Wie auch immer sie gesagt werden. Ich glaube, dass Gott mir - wie die Jugendlichen im Gefängnis sagen: einfach mal zuhört. Das heißt: ich könnte erzählen. Und ich finde, das ist nicht immer so leicht. Mir geht es mit mir selbst, dann oft so, wie es Viele kennen: Man braucht eigentlich gar nicht richtig zuhören, weil man weiß schon, was kommt. Das erleben die Jugendlichen, denen nicht zugehört wird. Das erleben alte Menschen, denen keiner mehr zuhört. Das kennen ziemlich Viele.
Die Bilder vom Anderen sind fest, die Urteile gefällt, die Zeit ist zu kostbar, um auf etwas Überraschendes zu warten, und überhaupt: was interessierst du mich? Gott sei Dank, erlebe ich auch das andere: das Menschen hören, wirklich zuhören. Allerdings: Auch sie werden nur hören können, was ich bereit bin zu sagen, oder zu zeigen. Gott hört. Und Gott hört anders. Gott hört das was ich nicht, noch nicht sagen, zeigen kann. Auch nicht mir selbst. Gott weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ein Wort dafür findet (Matth. 6,8), sagt Jesus einmal. Gott hört zu.
Zuhören
|