Riskier was
Es gibt Sätze, die sind einfach da. In meinem Kopf. Tausend Worte vergesse ich. Rauschen durch. Tauchen auf, sind wieder weg. Manche bleiben.
Manche bleiben. Es ist nicht so, als hätte ich sie mir ausgesucht. Oder mir vorgenommen, mir ausgerechnet diesen Satz zu merken. Als Christ habe ich ja den Rücken frei. Ist so ein Satz. Gesagt hat ihn der Theologe Helmut Gollwitzer in einem Interview.
Er hatte nein gesagt zum Hitlergruß und Widerstand geleistet gegen die Nazis. War in russischer Kriegsgefangenschaft und kämpfte nach 45 vehement gegen Wiederaufrüstung und für soziale Gerechtigkeit..
Als Christ habe ich ja den Rücken frei.
Ein steiler Satz. Wenn ich mal so überlege, was mir so alles im Nacken sitzt. Mal angenommen, dass würde stimmen. Dass ich als Christ den Rücken frei habe, - weil Jesus mir den Rücken frei hält. Wobei den Rücken freihalten, für mich bedeutet: Da ist keine Gefahr und keine Last, ich bin frei. Ich brauche keinen Protektor, kein Panzer, kein Schutzschild, ich bin geschützt und frei.
Nur mal angenommen, das würde stimmen: Was wäre dann anders? Ich würde weniger nachdenken und schneller handeln.Ich würde weniger abwägen, was eventuell wenn und überhaupt, und direkter reden.
Ich würde mutiger sein. Also es ist jetzt nicht so, als wäre ich nicht mutig, oder nicht direkt oder bräuchte besonders lang, um ins Handeln zu kommen. Da bewegt sich mein Verhalten eher auf einem allgemein verträglichen Level. Eben. Allgemein verträglich: .Ja. Ich weiß. Das ist auch nicht schlecht.
Nur manchmal eben dann doch zu wenig: Genau dann, wenn etwas mehr Mut, etwas weniger abwägen, etwas mehr Spontanität gefragt ist, um z.B. etwas Neues zu erleben oder meine Stimme zu erheben.
Riskiere was, Mensch! Sieben Wochen ohne Vorsicht! So das Motto der Fastenaktion der Evangelischen Kirche in Deutschland. Das ist doch mal was. Nur: Es hat ja Gründe, warum ich vorsichtig bin mit dem Risiko. Und jetzt 7 Wochen ohne? Klar: Solange die guten Gründe, gute Gründe sind, kann man von diesem Motto nur abraten. Die Gründe vorsichtig zu sein und risikoarm zu leben, sind allerdings nicht immer gut. Passieren kann ja immer was. Anteilhaben an der Fülle Gottes ist kein allinclusive Sicherheitspaket.
Nur: Nicht jedes Risiko ist tödlich. Jedes Risiko zu vermeiden schon. Weil es mich abhält vom risikoreichen Wahrnehmungswachstum in der Fülle Gottes. Ok. Und wie bekomme ich jetzt einen freien Rücken?
Wie finde ich den Mut, mutig zu sein, oder etwas zu riskieren, auf Vorsicht zu verzichten, wie die Fastenaktion der EKD sagt? Mir hilft: einen Entschluss zu fassen. Das ist doch wohl gemeint mit Fasten. Mir hilft einen Entschluss zu fassen, der nicht unbedingt mit der Unendlichkeit rechnet, also mir zu sagen: Das gilt für heute. Mir hilft so zutun als ob.
Und manchmal hilft mir auf den ersten Blick gar nichts. Und gerade dann gilt: Der, der mir den Rücken frei hält, sagt: Fürchte Dich nicht! Und riskier was!
Riskier was
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