Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

23.02.13; Pfarrerin Johanna Krumbach

Abendmahl

Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer! „Haben Sie auch schon mal einen Fehler gemacht, den sie bereut haben?“

Vermutlich stellen Sie mir die Gegenfrage: „Natürlich, wer denn nicht?“ Fehler begehen, um Verzeihung bitten, Schuld und Vergebung – das sind wichtige Themen innerhalb des christlichen Glaubens. Doch oft ist das schwer vermittelbar. So standen unsere Sozialarbeiterin und ich vor dem Problem: Wie bringen wir das Thema Abendmahl und die damit verbundenen Themen von Schuld und Vergebung unseren Konfirmanden und Konfirmandinnen näher? Wir begannen die Unterrichtsstunde im Gemeindehaus damit, dass wir Zettel an die Jugendlichen verteilten. Darauf stand: Welchen Fehler hast du einmal gemacht, den du heute bereust? Gibt es etwas, das du falsch gemacht hast und es bedrückt dich heute noch? Wir haben den Konfirmandinnen und Konfirmanden versichert, dass niemand das Geschriebene lesen würde. Zu unserem Erstaunen wurde es ganz still. Die Jugendlichen waren intensiv und konzentriert mit dem Aufschreiben beschäftigt. Denn: Schuld auf sich laden und Fehler machen – damit müssen sich Menschen jeden Alters auseinandersetzen, nicht nur die Älteren.

Als alle ihre Zettel beschrieben hatten, sind wir gemeinsam in die Kirche gegangen und haben das Abendmahl gefeiert. Richtig wie im Gottesdienst. Mit den biblischen Worten, mit Traubensaft und Brot. Zuvor haben wir den Jugendlichen erklärt, dass das Abendmahl uns an Jesus Christus erinnert; dass er für unsere Schuld und unsere Fehler gestorben und danach auferstanden ist. Und dass das für uns als Christen bedeutet: Du bist frei von deinen Fehlern und der Schuld, die dich belasten. Jesus hat dich von dieser Last befreit. Während wir das Abendmahl gefeiert haben, stand auf dem Abendmahlstisch ein Gefäß mit den Zetteln der Konfirmanden.

Als wir fertig waren, sind wir nach draußen vor die Kirche gegangen und haben die beschriebenen Zettel in dem Gefäß angezündet. Die Fehler, die wir aufgeschrieben hatten, sind verbrannt - so wie Gott Schuld vergibt. Nichts bleibt zurück – außer etwas Asche. Danach haben wir im Kreis vor der Kirche gestanden und gemeinsam das Vater unser gebetet. Es war eine ganz besondere Stimmung und ich glaube, die Jugendlichen haben etwas davon verstanden, was es heißt, wenn Schuld vergeben und einem die Last von den Schultern und vom Herzen genommen wird. Eine Konfirmandin murmelte vor sich hin: „Schade eigentlich, dass es in unserer Kirche keine Beichte gibt.“ Ich habe ihr erklärt, dass es bei uns auch die Möglichkeit der Beichte gibt. Auch in der evangelischen Kirche kann man eine Pfarrerin, einen Pfarrer aufsuchen und um ein Beichtgespräch bitten. In jedem Gottesdienst bekennen wir als Einzelne offen oder still vor Gott unsere Fehler und unsere Schuld und sprechen aus, was uns leid tut. Und Vergebung wird uns zugesprochen. Ich fand es beeindruckend, wie groß schon in Jugendlichen das Verlangen ist, jemandem sein Herz auszuschütten, seine Fehler zu benennen. Lieber Hörer, liebe Hörerin, haben Sie schon einmal einen Fehler gemacht, den Sie tief bereut haben? Ich habe schon viele Fehler gemacht, bin schuldig geworden. Mir hilft es zu glauben, dass ich diese Schuld nicht mein ganzes Leben mit mir herumtragen muss, sondern dass sie mir abgenommen worden ist. Das lässt mich wieder frei atmen und mich offen auf meine Mitmenschen zugehen.

Ich freue mich schon auf das nächste Abendmahl in unserm Gottesdienst, das mich daran erinnert.

Vielleicht geht es Ihnen ja auch so…

Gott befohlen. Ihre Johanna Krumbach, Pfarrerin aus Augustdorf.

 

Audiobeitrag Abendmahl


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