Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

21.02.13; Pfarrerin Johanna Krumbach

Sprachkurs

Guten Morgen, lieber Hörer, liebe Hörerin! Manchmal muss man die Dinge selbst in die Hand nehmen.

Ein Beispiel: Seit Jahren wird bei uns in Augustdorf darüber geklagt, dass es hier für Menschen mit Migrationshintergrund keine Gelegenheit gibt, die deutsche Sprache zu erlernen. Die Einwände von Seiten der verschieden Institutionen sind vielfältig: Es gäbe nicht genug Anmeldungen, es stünden keine öffentlichen Gelder zur Verfügung, und so weiter. Und dann haben wir die Dinge selbst in die Hand genommen. Aus einer außergewöhnlichen Kooperation zwischen Kirchengemeinde, Geschäftsleuten, dem örtlichen Verein Bürger für Bürger, der Volkshochschule und dem Kreis Lippe ist ein kostenloser Deutschkurs entstanden. Jeden Dienstagmorgen treffen sich nun insgesamt 30 erwachsene Schüler und Schülerinnen im Gemeindehaus unserer Kirchengemeinde, um Deutsch zu lernen. Nicht nur im Unterrichtsraum, sondern ganz praktisch auch im Dorf: Sie gehen mit ihrer Lehrerin einkaufen, besuchen das Wohngeldamt, lernen den Kindergarten kennen und vieles mehr. Durch ein breites Engagement konnte nun auch der Folgekurs finanziert werden. Und so haben wir alle zusammen etwas getan für die Integration – denn wenn Menschen mit Migrationshintergrund unsere Landessprache verstehen und sprechen können, fällt der Kontakt in vieler Hinsicht leichter. Liebe Hörerin, lieber Hörer! Manchmal muss man die Dinge in die Hand nehmen.

„Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Timotheus 1,7) So schreibt es schon der Apostel Paulus an seinen Freund Timotheus.

Ich habe diesen ermutigenden Satz schon immer sehr gemocht. Es gibt immer Gründe sich zu fürchten oder Vorbehalte zu haben. Deswegen werden viele gute Ideen nicht umgesetzt. Anderes wird nicht in Angriff genommen, weil man sich vor den eventuellen Folgen fürchtet. Aber Paulus macht uns Mut. Wir brauchen auch in schwierigen Situationen den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Gott schenkt uns Kraft, Liebe und Besonnenheit, damit wir uns den vielen Aufgaben stellen können, die uns das Leben aufgibt.

Kraft brauche ich, um die Dinge gezielt anzugehen, zu planen und umzusetzen. Liebe brauche ich, um den Menschen, die mit mir auf dem Weg sind, respektvoll und wohlwollend zu begegnen. Und Besonnenheit heißt für mich, nicht sofort los stürmen zu müssen, sondern sich vorher Zeit zum Nachdenken nehmen zu können. Das ist wichtig. Natürlich nimmt uns niemand unsere Aufgaben ab. Aber mir ist es eine Hilfe darauf zu vertrauen, dass ich nicht alles allein bewältigen muss, sondern dass Gott mir auch die Kraft dazu gibt.

Ich freue mich schon auf nächsten Dienstag, wenn ich wieder unseren Sprachkurs im Gemeindehaus besuche und mich schon besser mit den Schülern und Schülerinnen unterhalten kann.

Lieber Hörer, liebe Hörerin, mögen uns Gottes Kraft, seine Liebe und Besonnenheit in dieser Woche begleiten und uns den Mut schenken, uns den Herausforderungen des Lebens zu stellen und die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Das wünscht sich Ihre Johanna Krumbach, Pfarrerin aus Augustdorf.

 

Audiobeitrag Sprachkurs


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