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Der Glaube
Guten Morgen, lieber Hörer, liebe Hörerin! Glauben zum Anfassen das gibts bei uns in Lippe. Auf dem Credoweg. Credo ist lateinisch und heißt ich glaube.
Dieser Weg besteht aus mehreren Stationen und kann in verschiedenen Räumen aufgebaut werden. Er ist eine mobile Erlebnisausstellung. Auf meinem Weg von Station zu Station kann ich Glauben erfahren, begreifen, aber auch hinterfragen. Zurzeit ist diese Ausstellung in einer Kirche aufgebaut. Eine Station hat mich sehr nachdenklich gemacht. Dort ist eine Schale mit Wasser aufgebaut, daneben ein Klumpen Knete. An dieser Station soll man sich mit zwei Fragen auseinander setzen. Zum einen ganz praktisch: Kann diese Knete schwimmen? Zum anderen mit der geistlichen Frage: Trägt mein Glaube? Ich nehme den Klumpen Knete und gebe ihn in die Schale mit Wasser. Sie geht unter. Ich denke: So ist es, wenn ich mit meinem Glauben baden gehe. Wenn ich untergehe, weil meine Zweifel mich quälen. Ich habe sofort die Szene des sinkenden Petrus vor Augen. Auf den Befehl Jesu hin war er aus dem Boot mitten auf dem See gestiegen und ging Jesus auf dem Wasser entgegen. Als er genauer darüber nachdachte, was er da eigentlich tat, kamen ihm Zweifel. Und fast wäre er untergegangen, wenn Jesus ihn nicht herausgezogen hätte. So kann man mit seinem Glauben baden gehen, denke ich. Da bitte ich Gott im Gebet inständig um etwas, was mir auf dem Herzen liegt. Mehrfach, ganz intensiv aber es geschieht nicht. Ich fühle mich betrogen und zweifle an diesem Gott. Oder es geschieht etwas in meinem Leben, das mich völlig aus der Bahn wirft, und natürlich denke ich: Warum muss das mir passieren? Habe ich das verdient? Gibt es überhaupt einen Gott, der es gut meint mit mir oder ist das nur ein Wunschdenken?
Und da ist dann der Untergang des Glaubens schnell besiegelt. Es sei denn ich erinnere mich daran, dass es ja auch schon mal anders war. Bei Petrus kam vor Zweifel und Untergang ja eine andere Erfahrung. Er hatte seinem Herrn vertraut und ist aus dem Boot ausgestiegen. Sein Glaube hat ihn über das Wasser getragen. Es gibt die Zeiten, in denen ich mich gehalten weiß von Gottes Liebe und Fürsorge. Wenn ich nicht mehr weiter weiß, vertraue ich darauf, dass er mich hält und mich tröstet. Ich bin ihm dankbar für das Gute, das er mir schon in meinem Leben geschenkt hat. So ging es Petrus, bis die Zweifel kamen. Und die lassen sich ja kaum verhindern. Denn nicht immer geht alles nach meinem Willen.
Bei diesem Nachdenken über Petrus habe ich eine Idee. Ich nehme einen Klumpen Knete, drücke ihn ganz flach wie einen Teller und biege die Ränder nach oben. Nun sieht der ehemals unförmige Klumpen aus wie ein kleines Boot. Dieses setze ich in die Schale und siehe da: die Knete schwimmt auf dem Wasser!
So wie dieses Stück Knete, das ich formen und verändern kann, ist auch mein Glaube nicht starr und unbeweglich. Glaube verändert sich immer wieder. Es gibt Zeiten, in denen er wächst und allen Zweifeln standhält. Und es gibt Zeiten, in denen er klein ist und manchmal sogar zu verschwinden droht. Aber das ist normal, das geht Menschen so, die schon seit Kindertagen in den Glauben hineingewachsen sind ebenso wie denen, die am Anfang ihres Glaubensweges stehen.
Wo immer Sie sich auf Ihrem Glaubensweg befinden, liebe Hörerin, lieber Hörer, ich wünsche Ihnen, dass Ihr Glaube lebendig bleibt und es neben den Zweifeln immer wieder auch die Zeiten der Gewissheit geben möge. Gott befohlen! Ihre Johanna Krumbach, Pfarrerin aus Augustdorf.
Der Glaube
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