Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

21.02.13; Pastor Stephan Kiepe-Fahrenholz

Im Interesse der Gemeinschaft

„Schickt diese jugendlichen Kriminellen endlich dahin zurück, wo sie hingehören.“ – „An unsere Lebensleistung kommt das Pack von heute noch lange nicht heran.“

Diese Sätze sind keine Erfindungen. Sondern sind gepostete Lesermeinungen von ver-gangener Woche aus einem Zeitungsportal im Internet: www.derwesten.de.

Musik: Hass kostet zu viel Nerven. Hass kostet Energie. Vor uns liegen Scherben. Vor uns liegt so viel.

Autor: „Wenn diese Faulenzer nicht zur Schule wollen, ist das kein Fall für Pädagogen, sondern für die Polizei.“ – „Wir laden die Leute ja förmlich ein, sich auf Kosten der Gemeinschaft einen flotten Lenz zu machen.“ – Wie gesagt: Keine Erfindungen. Sondern gepostete Lesermeinungen auf www.derwesten.de.

Musik: Hass kostet zu viel Nerven. Hass kostet Energie. Vor uns liegen Schmerzen…

Autor: Jeder macht aus jedem, der ihm oder ihr nicht passt, als erstes einen Gegner, der abqualifiziert und mindestens verbal mit Hass bedacht wird. Die Folge ist: Unsere gemeinsame Zukunft wird mit Scherben und Schmerzen gepflastert. Das will sie einschärfen, die deutsche Band „Söhne Mannheims“. Und sie fragt, ob wir es uns angesichts einer Fülle ungelöster Herausforderungen eigentlich leisten können, ganze Bevölkerungsgruppen immer wieder neu auszugrenzen.

Musik: Liegt es im Interesse unserer Gemeinschaft, dass unser Bestes am Boden liegt? Liegt es im Interesse unseres Staates, dass auf die Fresse jeder kriegt?

Autor: Keine Frage: Es ist nur allzu oft eine Frechheit, welches Benehmen Ronnie Müller in der Straßenbahn, Cengiz Arslan im Ausbildungsbetrieb und Alexej Wolkow in der Disko an den Tag legen. Und ganz ernsthaft: Die vollgepiercte Jennifer, die drei Väter, eine Förderschule und viermal Sozialstunden absolviert hat, zum Schulbesuch zu bewegen, ist ein fast hoffnungsloses Unterfangen. Trotzdem: Können wir es uns denn wirklich leisten, von denen, die heranwachsen und nach uns kommen, auch nur einen einzigen abzuschreiben und aufzugeben?

Musik: In diesen Köpfen liegen Schätze, die man nur schwer, schwer, schwer zu fassen kriegt. Doch wenn ihre Herzen niemand öffnet, dann ist es die Zukunft, die man verspielt.

Autor: Der christliche Glaube behauptet, dass Gott niemanden aufgibt. Weil nämlich auch der Letzte irgendeine Gabe hat, die nützlich für ihn selbst und andere ist. Den Schatz zu heben, den jede und jeder vom Schöpfer mitbekommen hat, ist keine moralische Aufgabe. Son-dern eine gesellschaftspolitische. Wer das nicht wahrhaben will, verspielt die Zukunft der Gemeinschaft.

Musik: Liegt es im Interesse unserer Gemeinschaft …

Musikinformationen:

CD-Name: Noiz
Track-Name/-Nr.: Im Interesse unserer Gemeinschaft / 8
Interpret: Söhne Mannheims
Komponist: Martin Herberger und Xavier Naidoo
Textdichter: Xavier Naidoo
Verlag: Xavier Naidoo GmbH Söhne Mannheims © 2004
LC-Nr. 10957
Label: Söhne Mannheims


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