Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

24.02.13; Pastor Christof Lenzen

Wie Gerechtigkeit und Gnade zusammen kommen

Wer heute in New York mit dem Flugzeug landet, berührt mit seinen Füßen zuerst den Boden eines Flughafens mit ungewöhnlichem Namen: LaGuardia.

Kaum einer denkt über diesen klangvollen und für die amerikanische Sprache ungewöhnlich klingenden Namen nach. Wer war das? Wohl kaum ein Mafia-Boss… Nein. Fiorello LaGuardia war in der Tat der Sohn italienischer Eltern, wurde 1882 in der Bronx geboren und war für satte drei Amtszeiten legendärer Bürgermeister der Stadt New York. Er kämpfte für die Gleichberechtigung der Frauen, soziale Wohnungsbauprojekte und gegen Kinderarbeit.

Fiorello LaGuardia brach die mafiose Macht des Glücksspiels und brachte den in Schieflage geratenen Haushalt der Riesenstadt wieder ins Gleichgewicht... und er hatte ungewöhnliche Methoden, die aufhorchen ließen…

Eines kalten Winterabends im Jahr 1935 tauchte LaGuardia bei einer Gerichtsverhandlung im ärmsten Bezirk der Stadt auf. Er schickte den Richter für den Abend schnurstracks nach Hause und übernahm selbst seinen Platz. Da führte man eine zerlumpte, alte Frau vor, die angeklagt war, ein Brot gestohlen zu haben. LaGuardia ließ sie vortreten und befragte sie zu ihrem Delikt. Sie verteidigte sich: "Meine Tochter wurde von ihrem Mann verlassen. Sie ist krank und ihre Kinder hungern."

LaGuardia schaute den bestohlenen Ladenbesitzer fragend an… doch dieser weigerte sich, die Anklage fallen zu lassen und rief empört: "Es ist ein schlechtes Viertel, Euer Ehren, und sie muss bestraft werden, damit ihr Beispiel nicht Schule macht." Es entstand eine unangenehme Pause. LaGuardia seufzte. Er wandte sich an die alte Frau und sagte: "Ich muss Sie bestrafen; das Gesetz duldet keine Ausnahme. Zehn Dollar oder zehn Tage Gefängnis."

Doch während er das Urteil verkündete, langte LaGuardia in die Tasche, holte eine Zehndollarnote heraus und warf sie mit diesen berühmten Worten in seinen Hut: "Hier sind die zehn Dollar Strafe, welche ich hiermit abgelte; darüber hinaus belege ich jeden im Gerichtssaal Anwesenden mit einer Strafe von fünfzig Cent für das Wohnen in einer Stadt, in der jemand Brot stehlen muss, um seinen Enkeln zu essen zu geben. Herr Gerichtsdiener, sammeln Sie die Strafgelder ein und geben Sie sie der Angeklagten."

Am folgenden Tag berichtete eine New Yorker Zeitung: "Siebenundvierzig Dollar und fünfzig Cent wurden einer fassungslosen alten Großmutter überreicht, die ein Brot gestohlen hatte, um ihren hungernden Enkeln zu essen zu geben. Gezwungenermaßen zu Spendern wurden: ein Ladenbesitzer mit hochrotem Kopf, siebzig Kleinkriminelle und einige New Yorker Polizisten."

Auch wenn nicht alle Parallelen zu ziehen sind… eines lässt sich von Gott genauso wie von LaGuardia sagen: Er ist gerecht. „Schwamm drüber“ gibt’s bei ihm nicht. Doch Gott ist auch ein gnädiger Richter, der ins Herz sieht, der vergibt und selbst für die Menschen in die Bresche springt. Das können Sie nachlesen in der Bibel. In den vielen Geschichten von Jesus, der sich gegen geltende menschliche Gesetze für Menschen in Not einsetzt, damit sie das Recht bekommen, das ihnen nach Gottes Maßstäben zusteht. Aber gerade auch im Zentrum des christlichen Glaubens, dem Kreuz, wird diese Liebe Gottes sichtbar. Jesus sagt: „Niemand liebt mehr als einer, der sein Leben für die Freunde hingibt.“ (Johannes 15,13). So sehr liebt der gerechte Gott.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und die Entdeckung, dass Gott Sie gerecht und gnädig anschaut - Ihr Pastor Christof Lenzen aus Eschweiler.
(Geschichte gefunden: http://www.gekreuzsiegt.de/2012/11/21/gerecht-aber-gnadig/)

 

Audiobeitrag Wie Gerechtigkeit und Gnade zusammen kommen


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