| |
Sehnsucht nach Freiheit
Autorin: Ich stehe an der Balkontür unseres Wohnzimmers in der 3. Etage, heute, wie fast an jedem Morgen vor dem Beginn eines Arbeitstages.
Ich sehe zuerst unseren kleinen Nordbalkon mit seinen schönen Blumenkästen, blicke dann über Gärten und Dächer der Nachbarhäuser und in die unendliche Weite des Himmels. Und ich weiß, dass dort hinten am Horizont gleich Hamburg liegt. Na gut, nicht gleich. 400 Kilometer sind es schon noch bis dorthin. Aber das stört mich im Moment wenig. Denn dieser Blick in die Weite und das Wissen: Dahinten liegt Hamburg, meine Lieblingsstadt! das bedeutet für mich Freiheit.
Sprecher: Meinungsfreiheit Wahlfreiheit Religionsfreiheit freiwillig Der freie Wille Entscheidungsfreiheit freie Liebe Steuerfreiheit frank und frei Freiheit von und Freiheit zu...
Autorin: Das Wort Freiheit wird gern und oft gebraucht. Aber habe ich mich eigentlich jemals schon gänzlich frei gefühlt, frage ich mich. Meist fühle ich mich doch eher bedrängt von allen Seiten, von Sachzwängen, von meinen eigenen Wünschen oder den Wünschen anderer. Gibt es ihn eigentlich den Zustand wirklicher Freiheit? Manchmal habe ich Angst, mir einfach nur etwas einzubilden.
Sprecher: Sklaven und Freie frei und unvoreingenommen Angstfreiheit Rechtsfreier Raum Freie Marktwirtschaft Große Freiheit Nr. 7 personale Freiheit und politische Freiheit Meine Freiheit nehm ich mir...
Autorin: Will ich wirklich frei sein und das mit allen Konsequenzen? Die Angst vor Haltlosigkeit und Einsamkeit beschleicht mich.
Sprecher: Der Geschmack von Freiheit und Abenteuer Liberalismus Freiheit, die ich meine Befreiung Handlungsfreiheit Die Gedanken sind frei Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein...
Autorin: Was bin ich bereit zu tun für meine Freiheit, wie viel bin ich bereit einzusetzen dafür? Ich kenne da auch meine Grenzen, und in manchen Abhängigkeiten lebe ich eigentlich ganz gerne. Der griechische Philosoph Epiktet hat einmal in Anlehnung an Aristoteles formuliert:
Sprecher: Ein Freier ist der, der lebt wie er will, der weder genötigt, noch gehindert, noch gezwungen wird, dessen Triebe unbehindert sind, dessen Bestrebungen erfolgreich sind und der dem, was er vermeiden will, nicht verfällt.1
Autorin: Zur Freiheit hat uns Christus uns befreit. Bleibt daher standhaft und lasst euch nicht wieder unter das Joch der Sklaverei zwingen! Das rät der Apostel Paulus in der Bibel. Frau, sei frei von Deiner Krankheit, ruft Jesus im Lukasevangelium einer Frau zu, die 18 Jahre verkrümmt war, und von nun an wieder aufrecht gehen kann. Bist du der Christus, so sage es frei heraus, wird Jesus im Johannesevangelium aufgefordert. Und der Apostel Jakobus schreibt in seinem Brief an die in der Welt verstreut lebenden Christinnen und Christen von einem Gesetz der Freiheit.
Mit dem Begriff Freiheit ist es genauso wie mit allen abstrakten Begriffen. Bei all diesen Begriffen, die mit vielen Inhalten ausfüllbar sind, fragt man sich schnell: Gibt es das denn überhaupt? Das absolut Gute, das Böse, Gott, die echte Freiheit?
In unserem Wohnzimmer steht ein Kalender mit Bildern und Weisheiten aus Afrika. Mein Lieblingsblatt zeigt zwei Giraffen in der Savanne, eng beieinanderstehend und vom Betrachter weg in zwei unterschiedliche Richtungen blickend. Darunter der Spruch: Um Gutes zu erlangen, musst du danach Ausschau halten Im Blick auf das Thema Freiheit würde ich formulieren: Um Freiheit zu erlangen, musst du danach Ausschau halten.
Dass Sie heute kurz einmal die Aussicht auf die Freiheit genießen können oder ein paar Gedanken der Freiheit denken, das wünscht Ihnen Ihre Gerlinde Anders, Pfarrerin in Leverkusen.
1 Bartsch, Hans-Werner, Freiheit, Theologische Realenzyklopädie, Band 11, Berlin, New York, De Gruyter, S. 505.
Sehnsucht nach Freiheit
|