Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

05.02.13; Pfarrer Titus Reinmuth

Soviel du brauchst

O-Ton: „Soviel du brauchst“ ist ja erst mal so die Idee, zu sagen: Wir haben eigentlich genug.

Autor: Sagt Ellen Ueberschär, die Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentags.Vom 1. bis 5. Mai werden in Hamburg wieder über 100.000 Menschen dabei sein, noch bis Mitte Februar kann man sich anmelden. Der Kirchentag ist Glaubensfest und politisches Forum, Ideenbörse und persönliche Begegnung, Zeitansage und geistliche Stärkung. Das Motto des 34. Evangelischen Kirchentages in Hamburg lautet: Soviel du brauchst.

O-Ton: Da geht es darum, dass Gott uns das, was wir wirklich brauchen, überreichlich gibt. Und dann kann jede und jeder für sich überlegen: Was ist das eigentlich? Das ist mehr als wir essen und trinken, ... Es ist Glück, es ist Liebe, es ist Gemeinschaft. Von all dem leben wir und deshalb brauchen wir es auch.

Autor: Fast ein Viertel der Beschäftigten in Deutschland sind im Niedriglohnsektor tätig. Acht Millionen Menschen haben längst nicht, was sie zum Leben brauchen. Kritiker sagen, die Kirchentage seien heute weniger politisch als früher.

O-Ton: Ja, die Sehnsucht nach Spiritualität, nach den eigenen Quellen des Glaubens, das ist stärker geworden. Ich finde, das macht den Kirchentag nicht unpolitisch, sondern es ist eine wichtige Säule neben der Frage. Ja, und wie lebe ich diesen Glauben denn, was folgt denn aus meiner Spiritualität für Gerechtigkeit und für Wirtschaftsordnung, usw.

Autor: Wie leben wir in unserer Gesellschaft? Was brauchen wir, damit wirklich alle leben können? Diese Fragen wird der Kirchentag aufgreifen und mit prominenten Gesprächspartnern aus Politik und Gesellschaft diskutieren.

O-Ton: Wir haben uns in Hamburg für die Schwerpunktthemen Wirtschaft, Demokratie und Vielfalt der Religionen und Kulturen . entschieden, weil wir glauben, dass das Bereiche sind, in denen wir im Moment eine Zeitansage zu machen haben.

Autor: Und woran merkt Ellen Überschär, ob die Botschaft auch ankommt, ob Kirche heute überhaupt noch eine gesellschaftliche Bedeutung hat?

O-Ton: Ich erlebe es immer da, wo ich das Gefühl habe. Also, Menschen, die in der Kirche arbeiten, haben Resonanz bei den Menschen, für die sie da sind.

Autor: Und dazu fällt der Generalsekretärin des Kirchentages ganz viel ein:

O-Ton: Ob das jetzt die Seemannsmission ist, die sehen, unsere Arbeit ist absolut wichtig für die Seeleute,wir kriegen so viel Resonanz. oder ob das eine City-Kirchengemeinde ist, wo sich auf einmal Leute sammeln, die schon jahrelang keinen Kontakt mehr zu irgendeiner Gemeinde hatten und jetzt plötzlich sagen: Ja, hier können wir Kunst leben, hier können wir Soziales leben, hier können wir beides miteinander verbinden.

Autor: Ellen Ueberschär könnte noch viele solcher Beispiele erzählen von Orten, wo die Kirche präsent ist oder sich einmischt. Wenn sie auf ihre bunte, engagierte Kirche schaut, dann hat sie einen Lieblingstext aus der Bibel, der sie immer wieder nachdenklich macht. Der Apostel Paulus vergleicht eine gute Gemeinschaft mit einem Körper und all seinen Teilen. Die Glieder des Leibes brauchen einander.

O-Ton: Das finde ich immer noch ein sehr schönes Bild von Kirche, dass wir ohne einander eigentlich nicht können. Wir sind alle aufeinander angewiesen. Ohne die angeblich Schwächeren sind wir keine ganze Kirche und sind wir auch eigentlich keine ganze Gemeinschaft.

Autor: sagt die Generalsekretärin des deutschen evangelischen Kirchentages, der Anfang Mai in Hamburg stattfindet.

 

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