Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

22.01.13; Nicole Richter

Diakonisches Jahr

Autorin: Mal raus kommen! Freiwillig, aber nicht beliebig! Neue Wege gehen - aber nicht alleine!

Mit diesen Slogans wirbt das Amt für Jugendarbeit in der Evangelischen Kirche von Westfalen für ein Diakonisches Jahr. Und viele junge Menschen fühlen sich angesprochen. Jedes Jahr starten 280 Freiwillige. Sie arbeiten dann in Kindergärten, in der Jugendarbeit, in Krankenhäusern oder Altenheimen. Die 19jährige Lisa Pankalla ist so eine Freiwillige. Nach dem Abitur stand für sie fest: Ich will ins Altenheim! Zu ihren Aufgaben als Diakonische gehört vor allem die Gestaltung des Freizeitprogramms mit den Bewohnerinnen.

O-Ton: „Wir machen zum Beispiel Sitztanz oder Gymnastik oder wir singen zusammen, da muss ich dann helfen die Bewohner alle runter in den Gruppenraum zu fahren. Einen Nachmittag hatten wir auch einen Gesprächskreis und da haben sie dann von sich erzählt, und von früher wie es so war. Das ist schon echt interessant.“

Autorin: Jetzt am Ende ihres Diakonischen Jahres blickt Lisa Pankalla aber auch auf herausfordernde Situationen zurück. Zum Beispiel, als ihr Chef ihr vorschlug sich um eine Bewohnerin zu kümmern, die bettlägerig ist, und sie auf ihrem Zimmer zu besuchen.

O-Ton: Am Anfang war mit das ganze immer noch so ein bisschen suspekt. Ich kannte die Frau nicht. Ich wusste nicht, über was unterhält man sich denn überhaupt mit so einem Menschen? Was kann ich überhaupt sagen? Wie reagiert sie auf mich?
Aber dann, nach und nach habe ich sie immer wieder besucht und es ergaben sich Gespräche und es wurde immer netter.

Autorin: Zwischen der jungen Frau und der 80jährigen entwickelte sich im Laufe der Zeit eine intensive Freundschaft. Sie erzählten sich aus ihrem Leben, konnten miteinander lachen und später sogar zusammen schweigen.

O-Ton: „Es gab auch Tage, da haben wir gar nicht gesprochen, da habe ich mich einfach an ihr Bett gesetzt und wir haben aus dem Fenster geguckt und die Vögel beobachtet. Da musste auch gar nichts gesagt werden, es hat einfach nur gereicht, dass ich da war.“

Autorin: Dann kam der Jahreswechsel. Lisa Pankalla hatte sich ein paar Tage Urlaub genommen, als ihre Kollegin anrief und ihr mitteilte: Frau Schneider ist plötzlich verstorben. Seitdem hat Lisa Pankalla viel mit ihren Eltern, ihren Anleiterinnen und Freunden über das Älter werden und den Tod gesprochen.

O-Ton: Wenn man so sieht, dass man alt wird und nichts mehr kann und eigentlich nichts mehr hat, als jemand, der mal vorbeikommt und der mal ein nettes Gespräch mit einem führt, dann würde ich mir schon wünschen, dass es in meinem Leben so läuft, dass ich im Alter auch noch jemanden habe, der mich besuchen kommt, der für mich da ist. Das wäre mir schon echt wichtig.

Autorin: Das Diakonische Jahr war für Lisa Pankalla auch eine Zeit, in der sie sich zum ersten Mal intensiver Gedanken über ihren Glauben gemacht hat. Durch die Gespräche mit den Bewohnerinnen, aber auch durch die Andachten, die sie regelmäßig mitgestaltet hat. Eine Geschichte ist ihr besonders wichtig geworden. Sie heißt Spuren im Sand und war die Lieblingsgeschichte von Frau Schneider.

O-Ton: Die handelt davon, dass ein Mann einen Traum hat. Und in diesem Traum geht er sein Leben noch einmal durch und geht mit Gott am Strand spazieren. Dann sieht er immer die beiden Spuren von sich und von Gott und in der Zeit in der es ihm richtig schlecht geht und er Probleme mit Krankheiten hat, da sieht er im Sand immer nur eine Spur. Und dann fragt er Gott, warum er in schwersten Zeiten nicht zu ihm gehalten hätte, und Gott sagt: „Ich liebe dich und ich würde dich nie alleine lassen und in deinen schwersten Zeiten siehst du nur eine Spur, weil ich dich getragen habe!“

Autorin: Mal raus kommen! Freiwillig, aber nicht beliebig! Neue Wege gehen- aber nicht alleine. Das alles hat Lisa Pankalla in ihrem Diakonischen Jahr erlebt. Und sie hat die Erfahrung gemacht, dass es anstrengend ist, neue Wege zu gehen. Aber auch, dass es sich lohnt. Die Losung für den heutigen Tag steht in Psalm 77 und sie lautet: Gott, dein Weg ist heilig!“

 

Audiobeitrag Diakonisches Jahr


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