Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

21.01.13; Nicole Richter

We are family - Familien heute!"

Musik: Sister Sledge: We are family, CD: We are family, Warner 1996, Track 5.

O-Ton: „Ich bin verheiratet, habe einen Sohn, der dreieinhalb Jahre alt ist und bin gerade schwanger. Familie hat für mich zwei Sinne, einmal ist unsere kleine Familie bald zu viert und im weitesten Sinn mit allen anderen Mitgliedern wie Großeltern, Onkel, Tante, Cousinen und Cousins.“

Autorin: sagt Jescika Schunk, 37. So wie sie leben die meisten Deutschen, aber längst nicht mehr alle.

Sprecher: „Die traditionelle Familie im Sinne von Vater und Mutter, die miteinander verheiratet sind und zusammen mit ihren leiblichen Kindern wohnen und wirtschaften, trifft nur noch für einen Teil der Familien und nur noch für immer kürzere Phasen der gesamten Lebensspanne zu.“

Autorin: Heißt es im achten Familienbericht der Bundesregierung. Wie Familie zu sein hat ist, schreibt niemand mehr vor. Die Menschen entscheiden selbst, wie sie miteinander Familie leben. Man spricht daher auch von „Doing Family“. Marlis Bredehorst, Staatssekretärin im Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes NRW lebt mit ihrer Frau, einer evangelischen Pfarrerin und ihrem gemeinsamen Sohn zusammen.

O-Ton: „Es gibt ja so vielfältige Familienformen, wo ich auch finde, dass wir die Ein-Eltern-Familie nicht vergessen dürfen, die Alleinerziehenden. Wir haben viele Patchworkmodelle und Regenbogenfamilienmodelle, die auch wiederum sehr vielfältig sind.

Autorin: Sie plädiert für einen ganz anderen Familienbegriff. Entscheidens sei, dass Menschen füreinander Verantwortung übernehmen. Zum Beispiel bei der Erziehung von Kindern, der Pflege von Angehörigen oder der Fürsorge von Mitbewohnern in der Alten-WG. Auch wenn die Vielfalt des Zusammenlebens vielleicht der einen oder dem anderen willkürlich erscheinen mag, so zeigt der Familienbericht deutlich, dass Werte wie Solidarität, Wahlverwandtschaft, Elternschaft und Zeit für Menschen heute von großer Bedeutung sind.

Musik: “We are family …I got all my sisters with me!”

Autorin: In den Gemeinden der Evangelischen Kirche von Westfalen und der Lippischen Landeskirche wird in diesem Jahr viel über Familie diskutiert. Ziel ist es u.a. auf die gesellschaftliche Veränderung zu reagieren und die verschiedenen Familienformen in der Kirche zu stärken. Präses Annette Kurschus hat auf der Synode in Westfalen die Diskussion angestoßen.

O- Ton: „Hast du Familie?“, fragen wir und in der Regel meinen wir damit: „Bist du verheiratet und hast du Kinder?“ Aber das Leben ist vielgestaltiger. Auch wer als Single lebt, lebt in einem Familienverbund. Er hat Vorfahren. Jeder Mensch ist zunächst Kind. Jeder Mensch verdankt sich.“

Autorin: Vielleicht sollte es in der Diskussion um Familie weniger um die äußere Form gehen. Die Frage, wie in einer Familie Gemeinschaft und auch Glaube gelebt wird, fände ich interessanter. Ein Blick in die Bibel zeigt, dass sie das idealisierte Bild der traditionellen Kleinfamilie nicht kennt. Sie erzählt u.a. von der Familie Jesu. Es ist die Geschichte einer unverheirateten schwangeren Frau und ihres Verlobten, der nicht der Vater des ungeborenen Kindes ist und dennoch Verantwortung übernimmt.
Als Jesus einmal gefragt wird: Wer ist deine Familie? Antwortet er:

Sprecher: Wer den Willen meines Vaters im Himmel tut, der ist mein Bruder, Schwester und Mutter. (Römer 8.29)

Autorin: Mir gefällt die Antwort von Jesus und die Vorstellung, dass Familie größer ist als das klassische Bild von Mutter, Vater und Kind. Wenn nicht die Gene das Entscheidende sind, sondern die gemeinsame Suche nach Gott Menschen zu einer Familie macht, dann wird der Familienbegriff doch plötzlich sehr weit.

Musik: “We are family …I got all my sisters with me!”

 


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