Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

12.01.13; Pfarrer Reinhard Ellsel

Es lohnt sich

Guten Morgen, liebe Hörerin, liebe Hörer! Jede und jeder kann etwas. Keiner kann nichts. Und zusammen können wir viel erreichen.

Wie die Bediensteten, die auf einer Hochzeit arbeiteten. Dort ist dummer Weise der Wein ausgegangen. Jetzt haben sie alle Hände voll zu tun. Sie schleppen Wasser.

Sprecherin: Nun gab es im Haus sechs steinerne Wasserkrüge ... Jeder von ihnen fasste achtzig bis hundertzwanzig Liter. Da forderte Jesus die Diener auf: "Füllt die Krüge mit Wasser!" Und sie füllten die Gefäße bis zum Rand. Dann sagte er: "Jetzt bringt dem Küchenchef eine Probe davon!" Und sie brachten sie ihm. Der Küchenchef probierte den Wein, der vorher Wasser gewesen war. Er wusste allerdings nicht, woher der Wein kam. Nur die Diener wussten Bescheid. (Johannes 2,6-9)

Etwa 600 Liter Wasser hatten die Bediensteten zu schleppen. Wenn man da einmal hätte "Mäuschen spielen" können und zuhören, was sie so gedacht und getan haben.
Vielleicht ging der erste Diener, als er von dem Auftrag hörte, erst einmal "eine rauchen": Er hatte überhaupt keine Lust. Der zweite Diener dachte: "Ich mach`s sofort, dann hab ich`s hinter mir" und schleppte schon mal die ersten zweihundert Liter herbei. Der dritte war beeindruckt von der Entschiedenheit, mit der Jesus seinen Auftrag gab, und schleppte zuerst auch eifrig Wasser herbei. Doch dann wurde er zu einer anderen Aufgabe gerufen und vergaß seinen Auftrag,
Wasser zu holen.

Da kam der erste wieder rein, sah, dass die Krüge noch nicht ganz gefüllt waren und dachte sich: "Was sieht das unordentlich aus." So füllte er die Krüge alle gleichmäßig bis zum Rand. Was hätten sich die Diener geärgert, wenn sie das nicht getan hätten; wenn sie vielleicht nur 50 Liter Wasser geholt hätten - quasi zur Probe, was bei diesem seltsamen Auftrag von Jesus wohl herauskommen würde. Aber nun haben sie eben doch getan, was in ihren Kräften stand. Und daraus sind 600 Liter köstlicher Wein geworden. Der Küchenchef übrigens hat von alledem nicht viel mitbekommen. Aber die Diener haben das Wunder aus erster Hand erlebt.

Liebe Hörerin, lieber Hörer, es lohnt sich, nach Kräften mit anzupacken, damit das Leben wieder in Schwung kommt und ein Fest wird. Jesus gebraucht uns dabei.
Für mich wird das im Gemeindeleben deutlich. Da kommen vielfältig begabte Menschen zusammen. Die eine kann gut singen, der andere spielt Posaune, eine andere erzählt im Kindergottesdienst. Alle dürfen mittun. Alle können dabei sein!

"Was soll ich denn noch alles tun?", fragt sich nun vielleicht mancher: "Meine Kraft reicht ja kaum für mich selber." Klar, das denke ich auch manchmal. Aber dann erinnere ich mich an eine Bewohnerin eines Altenheimes. Sie erzählte mir von ihrem Rezept gegen die Kraftlosigkeit. Sie stellt sich genau vor, was sie kann. Manchmal schreibt sie es sich sogar auf, damit sie es schwarz auf weiß hat und nachlesen kann, wenn ihr Zweifel kommen, ob sie überhaupt noch für etwas gut ist.
Ich habe Zeit!
Ich kann beten!
Ich kann beten für meine Familie!
Ich kann beten für die Menschen um mich herum!
Ich kann beten für unsere Welt!
Dass es gerechter zugeht auf dieser Erde;
dass Neid und Hass ein Ende nehmen!
Ich kann er Pflegerin heute sagen, dass ich ihr dankbar bin für ihre Hilfe.
Ich kann das Essen loben.

Auch mit einer noch so kleinen Kraft können wir alle etwas dazu beitragen, dass das Leben gelingt. Aus unserem Mittun schafft er Freude. Aus unserem Wasser macht er Wein!

Ein gesegnetes Wochenende wünscht Ihnen Pastor Reinhard Ellsel aus Lübbecke.

 

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