Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

06.01.13; Pfarrer Rainer Withöft

Dreikönigstag

Autor: Haben Sie eigentlich heute Nacht in den Schornstein geschaut, ob da nicht irgendwelche bösen Geister warten…

Und, wenn da keine waren und Sie freie Sicht hatten, haben Sie dann wenigstens die Sterne gezählt, ob es eine Unglücks- oder Glückszahl für Sie ist. Nein? Sie haben nicht in den Schornstein geschaut obwohl doch gestern der Vorabend des Dreikönigstages war…

Musik: Track 6 Adeste fideles, CD Hörmal. Denkmale zum Klingen bringen, Wiener Sängerknaben, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, ohne LC.

Autor: Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer, ich bin Rainer Withöft, evangelischer Gemeindepfarrer in Remscheid-Lüttringhausen. Noch vor 500 Jahren haben die Menschen einen solchen Kult gelebt, um sich vor Hexen und Dämonen zu schützen. Manchmal haben sie sogar gutes Essen auf die Fensterbank oder den Küchentisch gestellt, um die finsteren Gestalten milde zu stimmen. Ja, man hoffte eben auf den Schutz der Engel, die einen im neuen Jahr behüten sollten auf allen Wegen…

Musik: Track 5 Denn er hat seinen Engeln befohlen von CD Hörmal. Denkmale zum Klingen bringen, Wiener Sängerknaben, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, ohne LC.

Autor: Was ist geblieben von diesem Gedanken, dass wir zum Dreikönigstag, den wir heute begehen, Schutz suchen durch Engel und uns vor dunklen Mächten in Acht nehmen müssen? Und was hat es mit diesem Tag auf sich, der heute den eigentlichen Abschluss des Weihnachtsfestes darstellt? Manch einer findet es einfach wunderbar, dreimal innerhalb von 14 Tagen zu feiern, Weihnachten, Silvester und Dreikönigstag oder auch Epiphaniasfest genannt. Das stammt von dem griechischen Wort Épipháneia und heißt so viel wie: Erscheinen und Offenbarwerden Gottes.

Musik: Track 1 ´S Wonderful von CD Diana Krall: The Look of Love, prod. Tommy LiPuma, Orchestra arranged by Claus Ogermann, Mixed by Al Schmitt, Dari Cyan, Los Angeles orchestra 2001, Verve Music Group 549 840-2.

Autor: In unserem Konfirmandenunterricht in der Gemeinde haben wir gerade über den Drei-Königstag gesprochen. Natürlich kam die Frage auf, warum wir diesen Tag überhaupt noch feiern, wo wir doch nun Heilig Abend und die Weihnachtstage haben. Ist nun alles doppelt? Brauchen wir den 6. Januar als Abschluss des Weihnachtsfestes? Oder ist das doch lieber was für die Ostkirchen - die feiern ja von jeher am 6. Januar die Geburt des Heilandes und nicht am 25. Dezember. Warum feiern wir überhaupt diesen Dreikönigs-Tag, an dem viele doch nur noch den Weihnachtsbaum abschmücken? Einer der Erklärungsversuche lautet so:

Zitat: „Seinen Ursprung hat das Erscheinungsfest im ägyptischen Alexandria, wo die christliche Splittergruppe der Basilidianer mit der Einsetzung dieses Festes einen älteren heidnischen Kult christianisieren wollte, mit dem in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar die Geburt des Aion, Gott des Lebens in Zeit und Ewigkeit, auch Horus genannt, gefeiert wurde. Die Kirche übernahm das Fest der Basilidianer am Anfang des 4. Jahrhunderts, rückte jedoch die Geburt von Christus als Mensch in den Vordergrund, obwohl sich noch im 3. Jahrhundert der Kirchenlehrer Origines scharf gegen das Feiern persönlicher Lebensdaten gewandt und dies als heidnische Sitte verurteilt hatte. Als ab etwa 336 auf einer Regionalsynode Christi Geburt auf den 25. Dezember festgelegt wurde, begann man an diesem neuen Termin die Menschwerdung Christi zu feiern, am 6. Januar dagegen die Offenbarung seiner Göttlichkeit. … Daraus entwickelt sich im Lauf der Zeit die Verehrung der Heiligen Drei Könige.“

Musik: Track 9 Stern über Bethlehem, CD Codera goes Christmas, Melodie: Alfred Hans Zoller, Bearbeitungen: Dirk B. Benner, Interpret: Wolf Codera, 2002 Creative Kirche im Lutherverlag, Vertriebspartner Gerth Medien, LC 11724.

Autor: Wer waren diese drei, die in dem kleinen Säugling Jesus, den Messias, den heiß ersehnten Retter der Welt erkannten? Manche sagen, es waren Sterndeuter. Andere sagen, es waren Weise und wieder welche: Es waren Könige. Die Konfirmanden horchen an dieser Stelle auf und fragen sich, was es mit diesen Heiligen auf sich hat, was genau sie mit der Weihnachtsgeschichte zu tun haben. Und die Frage bleibt, woher wir überhaupt wissen, dass es drei waren, denn das steht so nicht in der Bibel. Der Kirchenlehrer Origines hatte gemutmaßt, dass es sich aufgrund der exklusiven Geschenke, Gold, Weihrauch und Myrrhe wohl um Könige und nicht um Weise oder Sterndeuter gehandelt haben muss und aufgrund der Anzahl der Geschenke wohl um drei Personen! Und…woher wissen wir von ihren Namen? Die stehen ja auch nicht in der Bibel. Die Psalmenauslegung des 6. Jahrhunderts hat aus den Weisen endgültig Könige gemacht und ihnen die Namen Thaddadia, Melchior und Balytora gegeben. Erst später sind die Namen in ihrer heute gebräuchlichen Form überliefert worden. Und im 9. Jahrhundert wurden sie in dem berühmten Malerbuch vom Berge Athos in ihrer Reihenfolge festgelegt: Caspar, Melchior und Balthasar.

Musik: Track 16 Nyne Otpushchayeshi von CD Weihnacht, Quadro Nuevo (alle Arrangements und Bearbeitungen, Interpreten: Hansi Hinterseher, Dietmar Lowka, Mulo Francel, Robert Wolf), 2008 Fine Music, GLM Musik GmbH , LC 11188.

Autor: Es sind die Erzählungen und Mythen, vor allem aber die Bräuche, die uns bis zum heutigen Tag mit diesen Männern verbinden. Angeblich sind sie, nachdem sie dem Jesuskind gehuldigt hatten, vom heiligen Thomas getauft worden und im Jahr 54 nach einem gemeinsamen Weihnachtsessen gestorben. Das kann heute keiner so recht glauben. Aber weitaus sicherer ist die Erzählung, wie die Gebeine der Heiligen Drei Könige in den Kölner Dom gelangt sind.

Zitat: „Der Legende zufolge wurden ihre Gebeine von Helena, der Mutter des christenfreundlichen Kaisers von Mailand geschenkt. Nach der Eroberung Mailands durch Friedrich Barbarossa raubte sein Reichskanzler Reinald von Dassel, zugleich Erzbischof von Köln, die Reliquien und ließ sie 1164 nach Köln überführen.“

Autor: Noch heute denken wir in Würde und Ehre an diese Drei, die mittlerweile zu Patronen der Reisenden und Gasthäuser geworden sind. Nicht selten treffen wir daher auf Pensionen und Gaststuben mit Namen, die uns an die Heiligen Drei Könige erinnern: „Zum goldenen Stern“, „Zum Mohren“ oder „Gasthaus Krone“. Und durch den Karmelitermönch Johannes von Hildesheim wurden die drei schließlich zu Verkörperungen der damals bekannten Erdteile: Asien, Europa und Afrika. Und jeder bekam eines der drei Lebensalter zugeschrieben: Jüngling, Mann und Greis. Das fanden die Konfirmanden besonders gut und machte ihnen die Könige sympathisch. Könige, die nicht ihre Macht vor sich hertragen, sondern dem eigentlichen König der Herzen huldigen.

Musik: Track 2 Ein Junge weint nicht von CD Gerhard Schöne, Ost-West-Musik, 1985, LC 0104C

Autor: Der bekannteste bis heute erhaltene Brauch, der an die Begegnung der Könige mit dem neugeborenen Kind in der Krippe erinnert, sind die Sternsinger. Fast alle meine Konfirmanden kennen das: Das Umherwandern der Kinder als Könige verkleidet mit einem großen Stern auf einem Stab, die Sternsinger eben. Und dann der Aufkleber über der Tür oder das Kreidezeichen macht deutlich: Hier ist das Haus gesegnet, 20+C+M+B+13.

C + M + B, also Caspar, Melchior und Balthasar. Diese Buchstaben drücken aber auch einen Wunsch aus, der Schutz und Segen schenken soll: Christus Mansionem Benedicat = Christus segne dieses Haus. Die Sternsinger sammeln für wohltätige Zwecke, meistens für Kinder in Not in anderen Ländern der Erde. – Vor einigen hundert Jahren mischten sich jedoch manchmal auch Landstreicher unter die Sternsinger, sodass man von „Königsscharen“ sprach, die da durch die Straßen zogen. So schreibt die Deutsche Zeitung am 11. März 1791:

Zitat: „Die Zeit vom Tage des Heiligen Stephanus bis zum Feste der Erscheinung Christi ist die Zeit einer allgemeinen Brandschatzung. Kaum wird es Nacht, so beginnt vor allen Häusern ein fürchterliches Geschrei, bei welchem man nur erraten muss, dass es Gesang sein soll. Oft ist eine Bierfiedel oder eine Posaune die Begleiterin der Stimmen, die aus allen möglichen Tönen gehen. Eigentlich will man auf diese sonderbare Weise ein glückliches Neujahr wünschen; indessen – ist ein erpresstes Geschenk der Hauptzweck. Die Heiligen Drei Könige mit ihrem Stern treiben ihren Unfug mit ihrem bekannten Gesang. Sollte diese Arten von Bettelei nicht auch einigermaßen die Aufmerksamkeit der Polizei verdienen?“

Autor: Noch weitere Eigenarten mischten sich unter diesen Dreikönigsbrauch: Am 6. Januarwurden die an Silvester gegossenen Bleifiguren vielerorts noch einmal umgegossen, um das Schicksal zu korrigieren. Wünschelrutengänger, die an diesem Tag ihre Ruten schnitten, tauften die Ruten auf einen Namen der drei Könige: Caspar für die Rute, die Gold aufspüren sollte, Balthasar für Silber und Melchior für Wasser. - Aber auch das Brauchtum des so genannten „Bohnenkönigs“ wurde in diesem Zusammenhang eingeführt. Man buk in einen so genannten (Königs)kuchen eine Bohne oder eine Münze hinein. Wem das Stück mit der Bohne zufiel, der war Bohnenkönig und musste ein Kreuz gegen alles möglicherweise drohende Unglück an die Zimmerdecke schreiben. Die Sitten um die Wahl dieses Bohnenkönigs waren vielfältig und wurden häufig von ausgelassenen Festen begleitet.

Musik: Track 10 Variations on an Original Theme, Op.36 "Enigma" - 9. Nimrod (Adagio) von CD Elgar Enigma Variations, Komponist: Sir Edward Elgar, 1997 HNH, George Hurst, Bournemouth Symphony Orchestra, DDR 8.553564.

Autor: Doch dann wurde der Brauch verwässert, man gesellte eine Bohnenkönigin dazu und feierte in Wirtshäusern den Bohnenball. Der markierte dann den den Beginn der Karnevalszeit. Auch heute noch feiert man den Dreikönigsball.

Autor: Eine weitere Gestalt fand Eingang in die Bräuche rund um den Dreikönigstag. In Bayern und den benachbarten Alpenländern geht Frau Bercht um, weshalb der Dreikönigstag auch immer noch „Berchttag“ genannt wird.

Zitat: „Die Bercht ist eine ambivalente Gestalt mit einer schönen, freundlichen und einer hässlichen, bösen Seite. Denjenigen, denen sie wohlgesonnen ist, bringt sie Reichtum und üppige Ernten, wer ihr Missfallen erregt, muss mit Bestrafung rechnen. Unartige Kinder nimmt sie mit, und oft ist sie mit einem Rückenkorb dargestellt, aus dem Kinderbeine ragen.“

Autor: Den Konfirmanden, mit denen ich diese Bräuche besprochen habe, stellte sich jedoch immer mehr die Frage: warum wir nun jedes Jahr den Epiphanias-Tag, den Tag der Heiligen Drei Könige auf so verschiedene Weise begehen. Ich selbst musste noch einmal darüber nachdenken. Und wenn ich mir all diese Bräuche anschaue, dann kommt mir in den Sinn: Es geht doch in jeder der vielen Legenden schon von alters her immer darum, dass da drei Männer waren, die dem Kind Jesus mit großer Wertschätzung begegnet sind. Die Gott in diesem Kind erkannten. Und damit trat eine Wende in ihrem Leben ein. Sie kehrten anders von der Krippe zurück, als sie losgezogen waren. Wenn wir uns in diesen Bräuchen und Legenden daran erinnern, können wir uns selbst auch mit Neugier auf alle Neuerungen in diesem Jahr einlassen. Das Leben ist schön, solange wir es mit Gott leben. Er gibt sich zu erkennen, wenn wir uns beherzt auf den Weg machen. Es wünschen Ihnen einen gesegneten Dreikönigstag 2013, Ihr Rainer Withöft und die kritischen Lütterkuser Konfis von der Evangelischen Kirche.

Musik: Track 1 ´S Wonderful von CD Diana Krall: The Look of Love, prod. Tommy LiPuma, Orchestra arranged by Claus Ogermann, Mixed by Al Schmitt, Dari Cyan, Los Angeles orchestra 2001, Verve Music Group 549 840-2.

Quellen:
·Feilhauer, Angelika, Feste feiern in Deutschland: Ein Führer zu alten und neuen Volksfesten und Bräuchen, Sanssouci Verlag, 2000

·Wienand, Adam (Hg.), ...und sie folgten dem Stern, Verlag: Wienand, Köln 1964

 


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