Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

11.01.13; Pfarrer Reinhard Ellsel

Mit anpacken!

Sprecherin: Auf dem Fest des Lebens weht plötzlich ein eisiger Wind: Der Ofen ist aus.

Könnte nicht Jesus
das Feuer der Liebe
neu entfachen?

Doch keiner
ist bereit,
Holz zu sammeln
und Papier herbei zu tragen.

Autor: Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer! Ein Leben wie ein Fest: Das wäre schön. Doch was ist, wenn der Ofen aus ist und alles schief läuft? Und auch Gott sich gar nicht um unser Unglück zu kümmern scheint?

Viele werden mutlos und geben auf. Geben sich auf. Dabei könnten Sie in sich selbst eine Stimme hören. Eine Stimme, wie aus einer anderen Welt. Eine Stimme, die ihnen einen besonderen Auftrag gibt. Eine Stimme, wie die Stimme von Jesus auf einer Hochzeit, bei der plötzlich der Wein ausgegangen war. Peinlich. Da gibt Jesus den Bediensteten einen sonderbaren Auftrag:

Sprecherin: Nun gab es im Haus sechs steinerne Wasserkrüge. Man benutzte sie für die vom jüdischen Gesetz geforderten Waschungen. Jeder von ihnen fasste achtzig bis hundertzwanzig Liter. Jesus forderte die Diener auf: "Füllt die Krüge mit Wasser!" Und sie füllten die Gefäße bis zum Rand. Dann sagte er: "Jetzt bringt dem Küchenchef eine Probe davon!" Und sie brachten sie ihm. Der Küchenchef probierte den Wein, der vorher Wasser gewesen war. Er wusste allerdings nicht, woher der Wein kam. Nur die Diener wussten Bescheid. Da rief er den Bräutigam zu sich und sagte vorwurfsvoll: "Jeder bietet doch zuerst den besten Wein an! Und erst später, wenn alle schon angetrunken sind, kommt der billigere Wein auf den Tisch. Aber du hast den besten Wein bis jetzt zurückgehalten!" (Johannes 2,6-10)

Autor: Die Jünger von Jesus haben dieses Wunder mitbekommen. Und sie haben es immer wieder erzählt. Damit wir die Botschaft verstehen: Wenn wir wollen, dass unser Leben eine Hoch-Zeit ist und bleibt, dann müssen wir nach Kräften mitarbeiten - so wie die Diener. Gott hat mit jedem Menschen etwas vor und für jeden Menschen hat er einen Auftrag - egal wie alt oder wie stark er ist. Uns fliegen nicht die gebratenen Tauben wie im Schlaraffenland in den Mund. Damit Gott etwas mit unserem Leben anfangen kann, dürfen wir uns nicht zu schade sein, sozusagen als geduldige "Wasserträger" zu arbeiten.

Wasser herbeischleppen - mehr können wir nicht tun. Aber auch nicht weniger. Von uns aus können wir keine Wunder wirken - aber wir können hier und da mitwirken. Da spürt zum Beispiel ein Ehemann den Auftrag in sich: "Entschuldige dich bei deiner Frau, damit deine Ehe wieder ins Lot kommt." Und dann ist es eben wichtig, dass der Mann diesen ersten Schritt geht; dass er über seinen Schatten springt und das klärende Gespräch sucht. Allerdings: Dass nach solch einem ersten Schritt tatsächlich auch die Versöhnung gelingt - das liegt in Gottes Hand, wir können es von uns aus nicht zwingen.

Wasserträger sein: Das kann manchmal demütigend, manchmal mühsam sein. Etwa 600 Liter Wasser hatten die Diener damals bei der Hochzeit zu schleppen. Aber dadurch konnte ein Wunder geschehen. Aus dieser riesigen Wassermenge ist köstlicher Wein geworden. Der Küchenchef, der von der ganzen Arbeit nichts mitbekommen hat, kann nur noch irritiert die hervorragende Qualität des Weins feststellen. Das Fest geht weiter.

Liebe Hörerin, lieber Hörer, ich wünsche Ihnen, dass Gott Ihre Bemühungen segnet, und dass auch Sie dabei hin und wieder das Wunder erleben, dass aus Wasser Wein wird; dass das Leben schön wird. Ihr Pastor Reinhard Ellsel aus Lübbecke.

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