Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

09.01.13; Pfarrer Reinhard Ellsel

In der Krise

Autor: Ein Vater fragt seinen Sohn: Was wünschst du dir zum Geburtstag?". Spontan antwortet der Junge: "Ein Pferd - ein richtiges Pferd!"

Erschrocken fragt der Vater zurück: "Willst du ein Pferd aus Holz?" - "Nein!" - "Ja, möchtest du lieber ein Pferd aus Pappe?" - "Nein!" "Soll es ein Pferd aus Metall sein?" - "Nein!" - "Aus Plastik?" - "Nein!". "Ja, woraus denn dann?" Der Junge energisch: "Aus Pferd!" Das ist wahr: Ein echtes Pferd kann nur "aus Pferd" selber sein. Alles andere ist billiger Ersatz.

Und so verhält es sich auch mit dem Leben. Leben, ganzes, erfülltes, echtes Leben möchten wir haben. Aber was für ein Leben ist das? Wie sieht das aus? Ist es aus Arbeit? Nein! Ist es aus Erfolg? Nein! Ist es aus Geld und allem, was man sich dafür kaufen kann? Nein! Ist das Leben aus Computer, Handy und Fernsehen? Nein! Ja, woraus ist es denn dann? Antwort: Aus Leben! Leben muss man erleben. Das klingt einfach. Leben. Ist für viele aber schwer. Jesus hat das gewusst. Und er hat seinen Leuten und allen, die ihm durch die Jahrhunderte nachgefolgt sind gesagt:

Sprecherin: "Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten".

Autor: Im Johannesevangelium stehen diese Worte von Jesus. Und im Johannesevangelium steht auch, wie Jesus einmal Wasser zu Wein gemacht hat. Bei einer Hochzeit. Da war der Wein ausgegangen. Jesus hilft, dass das Fest weiter geht. Dass die Freude, mit der die Brautleute den neuen Lebensabschnitt begonnen haben, nicht schon gleich wieder vorbei ist.

Und bei mir? In meinem Leben kommen auch Strecken vor, die könnte ich überschreiben mit: "Es ist kein Wein mehr da." Das heißt zum Beispiel: Plötzlich geht mir die Puste aus. Vor einigen Jahren hatte ich einen Burnout. Da wusste ich, wie sich das anfühlt, was der Trainer Trappatoni mal gesagt hat: "Flasche leer". Viele erleben das: Da hat man alles so schön geplant, aber auf einmal kommt es ganz anders; ja, alles läuft schief und aus dem Ruder. Plötzlich ist man in seinem eigenen Leben wie "in einem falschen Film". Da verliert einer die Arbeit. Da wird eine krank. Dort scheitert eine Beziehung. Das Leben sollte doch eigentlich wie ein schönes Fest sein. Voller Freude. Mit guten Freunden. Voller Lachen und Tanz! Und auf einmal: Ofen aus. Einsamkeit. Angst. Resignation.

Und jetzt? Und Jesus? Und Gott? Und der Glaube? Im Krankenhaus sagte mir mal jemand, den ich besuchte: "Herr Pastor, ich kann das nicht glauben, dass Gott nur in den schönen Stunden bei einem sein soll - wenn alles glatt läuft. Manche sehen das ja so und sagen: Es geht mir gut, also hat Gott mich wohl lieb. Aber mit so einem Gott kann ich nichts anfangen. Wenn der nichts zu sagen hat, wenn es mir schlecht geht. Wenn der nur bei mir sein soll, wenn ich obenauf bin." Ich gab ihm Recht. "Gott ist jetzt bei Ihnen", sagte ich ihm: "Gerade hier im Krankenhaus."

Gott sei mit Ihnen, liebe Hörerin, lieber Hörer, wo auch immer Sie jetzt sind - Ihr Pastor Reinhard Ellsel aus Lübbecke.

 

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