Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

07.01.13; Pfarrer Reinhard Ellsel

Aufbruchstimmung

Autor: Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer! "Augenblick, verweile doch, du bist so schön!" Dieser Seufzer ist ein Klassiker geworden. Goethe hat ihn formuliert.

Hier geht es um Augenblicke des Glücks. Hochgefühle. Solche Augenblicke sind kostbar. Und meistens sehr kurz. Dann geht das Leben weiter und der Alltag stellt sich wieder ein. Mancher ist deswegen enttäuscht und zieht sich sozusagen in ein "Schneckenhaus" zurück. Dort sucht er Schutz. Hier kann mir, so hofft er, die böse Welt nichts anhaben. Eine Frau, die sich aus Enttäuschung immer wieder zurückgezogen hat und eine Depression entwickelte, schreibt:

Sprecherin: "Es ist wichtig, das Schneckenhaus wieder zu verlassen. Das Leben ist bunt und vielfältig. Das zu erleben, ist für mich das beste Mittel gegen die Depression." (Quellenangabe: Internet)

Autor: Eine gewisse Aufbruchsstimmung tut gut - gerade auch am Beginn der neuen Woche. Aufbruchsstimmung atmet auch die Jahreslosung für 2013. Die Jahreslosung ist ein biblisches Leitwort, das sich die Kirchen in Deutschland für jedes Jahr aussuchen. Die Jahreslosung für dieses Jahr lautet (Hebräer 13,14):

Sprecherin: Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Autor: Die Jahreslosung erinnert mich an ein altes Wanderlied:
"Aus grauer Städte Mauern,
Ziehn wir durch Wald und Feld.
Wer bleibt, der mag versauern,
Wir fahren in die Welt."
Die Erde dreht sich weiter und mit ihr sind auch wir Menschen unterwegs. Ängstlicher Stillstand ist Rückschritt. Gott hat in diesem Neuen Jahr viel mit uns vor. Mit offenen Sinnen gibt es viel zu erleben. Ich bin gespannt.

Gleichzeitig weist die Jahreslosung auf das Ziel unserer Lebenswanderschaft hin. Gott wartet auf uns in einer neuen Stadt, im "himmlischen Jerusalem". Das ist für mich ein großer Trost: Das Leben geht nicht endlos und ziellos weiter. Unser Suchen und Streben, unsere Glücksmomente und auch unser Scheitern, sind nicht das Letzte. Sondern eines Tages wird uns Gott wie ein guter Vater in Empfang nehmen und alle Tränen von unseren Augen abwischen. So heißt es an anderer Stelle in der Bibel.
Das macht mir Mut für die nächsten Schritte, die ich zu gehen habe. Ich brauche mich nicht zu verkriechen, sondern kann jeden Tag einzeln leben im Vertrauen auf Gott. Natürlich wird wohl auch das eine oder andere nicht so ganz in meinem Sinne verlaufen. Aber dies verliert für mich seinen Schrecken, weil ich weiß, dass Gott eines Tages alles gut machen wird. Beides gehört zum Leben mit dazu: die Sonnenseiten und die Schattenseiten.

Der Dichter Friedrich de la Motte-Fouqué hat in einem tiefsinnigen Gedicht beschrieben, dass uns sogar noch die Schattenseiten des Lebens auf die ewige Heimat bei Gott vorbereiten müssen:

Sprecherin: "Wenn alles eben käme,
Wie du gewollt es hast,
Und Gott dir gar nichts nähme
Und gäb` dir keine Last.
Wie wär`s da um dein Sterben,
Du Menschenkind, bestellt?
Du müsstest fast verderben,
So lieb wär` dir die Welt.

Nun fällt - eins nach dem andern -
Manch süßes Band dir ab,
Und heiter kannst du wandern
Gen Himmel durch das Grab;
Dein Zagen ist gebrochen,
Und deine Seele hofft -
Dies ward schon oft gesprochen,
Doch spricht man`s nie zu oft."
(Quellenangabe: Axel Kühner, Hoffen wir das Beste, Aussaat Verlag 1997, Neukirchen-Vluyn, Seiten 304f. )

Autor: Eine gute neue Woche wünscht Ihnen Pfarrer Reinhard Ellsel aus Lübbecke.

 

Audiobeitrag Aufbruchstimmung


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