Bitte nicht nur aufregen!
Manchmal sind öffentliche Aufreger wie Silvesterkracher. Erst gibts lautes Getöse, dann leuchten sie in den Abendnachrichten auf und alle sagen Aaah oder Oooh.
Aber gleich danach ist die Aufregung verpufft und es kommt irgend ein anderer Knaller. Textilfabrik in Bangladesch ausgebrannt. 100 Menschen starben 200 wurden verletzt. Das war vor wenigen Wochen . Ein lautes Ooooh war zu vernehmen. Aber das war`s dann auch schon. Dabei ist es nicht das erste Unglück dieser Art. Katstrophen in Textilfabriken die für den europäischen Markt produzieren - gibt es immer wieder.
Schließlich lassen die meisten westlichen Hersteller ihre Ware in Südostasien produzieren. Denn dort sind die Herstellungskosten so günstig wie nirgendwo sonst. Die Arbeiterinnen verdienen 30 bis 50 Euro im Monat, Sicherheitsstandards gibt es kaum und Druck von Gewerkschaften ist in der Regel auch nicht zu erwarten. Also prima Bedingungen für billige Herstellung. Das ist gut für die Firmen. Und gut für uns als Verbraucher.
Denn natürlich haben wir es gern, wenn das coole T-Shirt, die schicke Bluse oder der warme Pulli schön billig sind. Wahrscheinlich sind deshalb die brennenden Textilfabriken auch so schnell wieder aus den Schlagzeilen verschwunden. Ob in Bangladesch ein Sack Reis umfällt oder ob Fabriken brennen, das scheint uns inzwischen wieder völlig gleichgültig zu sein. Die Produktionsstätten sind schließlich weit weg, die betroffenen Menschen ebenfalls.
Dabei können wir tatsächlich einiges tun. Zum Beispiel beim Einkaufen nicht nur auf das Preisschild achten. Sondern auch auf das Land, in dem die Kleidung hergestellt wurde. Meistens steht das ja auf einem kleinen Schildchen neben der Waschanleitung. Sonst kann man auch mal einen netten Verkäufer fragen. Und je mehr Menschen fragen und je mehr Menschen aufmerksam sind, desto eher ändern sich die Verhältnisse. Beispiele dafür gibt es genug. So haben sich die Bedingungen in China wenigstens etwas verbessert, weil Made in China zunehmend ein schlechtes Image hatte. Und nicht mehr so häufig gekauft wurde. Da haben wir Verbraucher also eine Macht, die wir nutzen können. Und auch nutzen sollten.
Wer noch etwas mehr tun will, der kann die Kampagne für Saubere Kleidung unterstützen. 20 Organisationen haben sich unter diesem Namen zusammengeschlossen - darunter neben der Gewerkschaft ver.di auch viele kirchliche Initiativen. Die Kampagne für Saubere Kleidung informiert über die Bedingungen, unter denen die Sachen hergestellt werden, die wir am Leib tragen. Darüber hinaus werden Gespräche mit Discountern und Herstellern geführt, um Mindest-Standards zu erreichen. Nicht nur bei Sicherheitsfragen und Arbeitsbedingungen. Sondern auch bei Mindestlöhnen. Da lässt sich durchaus was bewegen. Wenn es Menschen gibt, die sich dafür einsetzen. Und wenn wir dem Thema weiterhin ein bisschen Aufmerksamkeit widmen. Ich denke: Das sollten wir hinkriegen!
Bitte nicht nur aufregen!
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