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Dankeschön
Wenn ein Jahr zu Ende geht, lasse ich die abgelaufenen zwölf Monate noch einmal an mir vorbeiziehen.
Ich erinnere mich an wunderschöne Urlaubstage und denke mit Wehmut an schwierige Momente zurück. Vor allem aber denke ich an Menschen. Dabei habe ich gemerkt: Am aufregendsten und spannendsten sind die Leute für mein Leben gewesen, die Ungewöhnliches von mir erwartet haben.
Denn: Allein, also von mir aus, hätte ich mir manche Herausforderung, eine zusätzliche Aufgabe oder die Erfüllung einer außergewöhnlichen Bitte nicht unbedingt ausgesucht. Aber dann war sie nun mal da. Ich war verunsichert, ließ mich trotzdem auf sie ein. Ich traute mich, meinen gewohnten Lebensrahmen zu verlassen, durchbrach mein übliches Zeitkorsett und gewann. Wurde reich beschenkt. Da kam mein Freund mit der verrückten Idee, mich am Kletterfelsen einmal abseilen zu lassen. Ich hatte Angst. Ich habs dennoch probiert. War bereichert, beglückt und verzaubert zugleich. Oder meine Mitarbeiterin, die mir eine völlig ungewöhnliche Kopfbedeckung schenkte: Und, unglaublich, als ich sie nach mancherlei Zögern doch noch aufsetzte, stand sie mir tatsächlich.
Deshalb bedanke ich mich zum Beispiel am Jahresende bei allen Kindern, die mit ihren verrückten Ideen zauberhafte Urlaubstage oder stimmige Christfesttage geschaffen haben. Der Flug mit dem Heißluftballon über ein italienisches Tal. Das Wintergrillen im schneebedeckten Tannenwald. Bestimmt fallen Ihnen, liebe Hörerin, lieber Hörer, auch Menschen ein, bei denen Sie sich bedanken können. Zum Beispiel bei Ihrem Chef. Dafür, dass er Ihnen im Laufe eines neuen Jahresprojektes etwas ganz Ungewöhnliches zugemutet, zugetraut, zugeschoben hat. Da war vielleicht zunächst ein ziemliches Sträuben in Ihnen, vielleicht sogar Ärger darüber, überfordert oder gar ausgenutzt zu werden. Aber wie ging es dann eigentlich weiter, nach Ihren ersten Schritt- und Gehversuchen? Wuchs nicht gerade im Unterwegssein auf ein neues Ziel dieses Gefühl in Ihnen: Was für eine tolle Möglichkeit, dass ich mich auf unbekanntem Gebiet einmal völlig neu ausprobieren darf. Ich entdecke neue Seiten an mir, die ich vorher nie für möglich gehalten habe. Wenn man mich nicht gefragt und manchmal sogar ein bisschen gedrängt hätte, wären sie wahrscheinlich mein Leben lang verschüttet geblieben.
Dank gebührt vielleicht auch Ihrer Lebenspartnerin, die Sie im vergangenen Jahr um eine kleine Auszeit bat. Da regte sich als erstes Enttäuschung in Ihnen: Wie undankbar. Wir haben doch so viele Jahre alles zusammengemacht. Und was kam dann? Eine heilsame Unterbrechung. Sie merkten: Manche unserer Gewohnheiten, die sich eingespielt hatten, tat uns gar nicht mehr gut. Aus der Distanz betrachtet, blitzten plötzlich ganz andere Seiten an der Partnerin auf, die etwas ganz neu aufscheinen ließen von der ja immer noch lebens- und liebenswerten Beziehung. Dankeschön, es war gut, dass wir uns eine Zeit der Ruhe geschenkt, uns in Ruhe gelassen haben. Ich habe zwischenzeitlich vieles neu gesehen. Jetzt habe ich wieder Lust auf uns.
Wie wäre es also, das Jahresende einmal zu einem offiziellen Dankeschönfest zu gestalten? Ein Dank an all diejenigen Menschen, die in den abgelaufenen Monaten des Jahres 2012 viel von uns erwartet haben. Warum? Weil sie ein ganz besonderes Interesse an uns hatten. Diese Menschen haben mit dazu beigetragen, dass wir am Sylvesterabend noch ein wenig reifer, klüger, schöner und identischer geworden sind als vor einem Jahr. Und hier und da sind wir vielleicht selbst solch ein anregender Lebens-Unterbrecher für andere gewesen. Denn Gott hat vielleicht auch uns ausgeschickt, um andere noch mehr zu denen zu machen, die sie sein können. Mit einem neugierigen Blick auf kommende Herausforderungen im Neuen Jahr verabschiedet sich von Ihnen Pfarrer Max Koranyi aus Königswinter.
Dankeschön
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