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Weihnachtsträume
Weihnachten kann zum Albtraum werden. Das geschieht vor allem dann, wenn unsere Erwartungen an das Fest uns selber völlig überrollen. Wir überheben uns am Lichterglanz.
Wir übernehmen uns, wenn wir meinen, alle Weihnachtswunschträume selbst erfinden und auch noch ganz Mutterseelen allein erfüllen zu müssen. In all der Plackerei haben viele von uns verlernt, einfach am Abend nach Oben zu schauen. Also auf himmlische Nachtgesichter und göttliche Liebeslichter zu achten.
Ein kleiner Trost: Manchen unserer Krippenfiguren ging es dabei auch nicht besser. Nehmen Sie nur einmal den Vater Joseph. Der hatte sich schließlich auch was zu Weihnachten gewünscht und sein Lebenstraum lag völlig klar vor ihm: Eine zuverlässige, treue Frau; Kinder, die sich in die gutgehende Schreinerei einbinden lassen würden, so was wie Joseph & Söhne GmbH. Unsere Weihnachtswünsche gleichen diesen Träumereien oft aufs Haar. Das erfüllte Familienfest muss einfach völlig harmonisch werden. Der Vater sucht und fällt den Baum. Die Mutter bestellt und füllt den Braten. Und die Kinder schweben, völlig losgelöst, glücklich und zufrieden zwischen Baum und Braten. Aber so traumhaft gestrickt funktioniert Deutsche Weihnacht nur noch ganz selten. Baum und Braten können nämlich in vielerlei Hinsicht brennen. Und die Kinder nutzen die Rauchschwaden, um schnell zu verduften.
Nein, Weihnachtsträume werden längst nicht immer Wirklichkeit. Auch wenn alles so gut gemeint gewesen war. Vater Joseph hatte ja wirklich eine gute Frau ausgeschaut. Aber alles, was danach kam, ließ ihn doch arg ins Stolpern geraten. Ein Kind kündigt sich an, von dem er nichts weiß. Da war von Hochzeit noch keine Rede. Und ob dieses Kuckuckskind jemals ein guter Schreiner werden würde? Aus der Traum. In solchen enttäuschenden Momenten neigen auch wir ganz gerne dazu, den ganzen Weihnachtskrempel hinzuschmeißen und wegzufahren, am Besten in die Karibik.
Und so packt auch der verletzte Joseph heimlich seinen Rucksack und all seine gescheiterten Lebenspläne gleich dazu. Fast. Denn bevor er sich von den Weihnachtsscherben verziehen kann, fällt ein Sternentraum vom Himmel auf ihn herab. Und der sieht nun völlig anders aus als sein selbstgebastelter Weihnachtswunsch. Er enthält zunächst eine ganz klare und einfache Botschaft: Fürchte dich nicht! Keine Angst, wenn die eigenen Festträume daneben gehen. Es gibt noch was anderes als unseren Horizont. Es stimmt zwar, dieser Traum von einem Sohn stammt tatsächlich nicht von ihm ab. Jesus ist nämlich ein Heilig-Geist-Kind. Aber gerade deshalb braucht dieses Kind doppelt und dreifach einen guten Beschützer. Joseph fühlt sich angesprochen; packt den Rucksack wieder aus und bleibt zu Haus.
Oh ja, manchmal möchten auch wir liebend gern vorm Fest die Koffer packen, weil die erkältete Schwiegermutter im Anmarsch ist und es immer um das Fest herum in Ehen ganz besonders kriselt. Aber dann gibts eigentlich auch für uns nur eins: Nicht abfahren, sondern in den Himmel schauen, welche Träume uns von dort geschickt werden; eigene Albträume einfach loslassen und neugierig sein auf die Namen des wundersamen Kindes, um das es ja eigentlich geht. Sein Vorname Jesus, bedeutet nämlich Helfer, auch für Dich in Deiner Hilflosigkeit. Nachname: Immanuel und das heißt: Gott ist mit uns, die wir uns selber so leicht verlieren. Noch irgendwelche Wünsche offen? Gott bleibt auch bei denen, denen Baum und Braten angebrannt sind.
In diesem Sinnen ein gesegnetes Weihnachtsfest wünscht Ihnen von Herzen Pfarrer Max Koranyi aus Königswinter.
Weihnachtsträume
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