Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

28.12.12; Pastor Christoph Neumann

Wartung

Es wird Zeit, dass ich mein Auto mal wieder in die Werkstatt bringe. Zur Inspektion. Ölwechsel. Bremsflüssigkeit und Bremsbeläge kontrollieren.

Mindestens einmal im Jahr muss das sein. So steht das in meinem Inspektionsheft – gleich mit  Termin.  Mein Auto soll mich ja auch in Zukunft gut voran bringen.

Für die Inspektion muss das Auto meistens einen ganzen Tag in die Werkstatt. Während der Zeit muss ich dann auf mein Auto warten. Deshalb nannte man die Inspektion früher auch Wartung. Obwohl diese Wartungszeiten wichtig sind, kostet das natürlich Geld und Zeit. Doch auf Inspektionen zu verzichten, kann noch teurer werden.

Wie gefährlich es sein kann, wenn man solche Zeiten der "Wartung" nicht zulässt,  haben uns die Brüder Grimm einmal in einer Anekdote überliefert: Ein Kaufmann hatte auf der Messe gute Geschäfte gemacht, alle Waren verkauft und seine Geldbeutel prall gefüllt. Jetzt will er  heimreisen und vor Einbruch der Nacht zu Hause sein. Er packt also sein Gepäck mit dem Geld auf sein Pferd und reitet  fort. Zu Mittag rastet er in einer Stadt. Als er weiter will, führt ihm sein Knecht das Pferd vor und sagt: 'Herr, am linken Hinterfuß fehlt am Hufeisen ein Nagel.' 'Soll er fehlen', erwidert der Kaufmann, 'die sechs Stunden, die ich noch zu machen habe, wird das Eisen wohl festhalten. Ich habe Eile'.
'Nachmittags, als er wieder abgestiegen ist  und dem Pferd Brot geben lässt, kommt der Knecht und sagt: 'Herr, eurem Pferd fehlt am linken Hinterfuß ein Hufeisen'. 'Lass es fehlen! Die paar Stunden, die noch übrig sind, wird das Pferd wohl aushalten. Ich habe Eile'. Er reitet  fort. Aber nicht lange, so fängt das Pferd zu hinken an. Es hinkt nicht lange, so fängt es an zu stolpern, und es stolpert nicht lange, so fällt es nieder und bricht sich ein Bein.
Da muss der Kaufmann  das Pferd liegenblassen, sein Gepäck abschnallen, auf die Schulter nehmen und zu Fuß nach Hause gehen, wo er erst spät in der Nacht anlangt.

„Wartungszeiten“ brauchen nicht nur Pferde und Autos, sondern auch wir Menschen.  Wir brauchen so etwas wie Inspektionen für unsere Seele. Eine solche Zeit sein kann vielleicht die Zeit zwischen den Jahren sein, in der wir jetzt leben. Zeit, um zur Ruhe zu kommen. Und Leib und Seele zu pflegen. "Sei stille dem Herrn und warte auf ihn" (Psalm 37,7) So heißt es im Buch der Psalmen. Der Psalmbeter weiß darum, dass es heilsame Pausen gibt. Zeiten der Stille, in denen wir Menschen wiederhergestellt werden. Zeiten der "Wartung". In der Stille vor Gott  erkennen wir dann vielleicht auch das, was uns auf unserem Lebensweg fehlt: Das kann der fehlende Schlaf sein, den unser Körper dringend braucht. Oder auch ein Gespräch mit den Kindern oder dem Ehepartner, das dringend nötig ist, damit unsere Beziehung zueinander gestärkt wird.

Eine CD mit geistlicher Musik oder ein gutes Buch mit Andachten oder Meditationen kann „ Öl“ für die Seele sein. Stille zu Gott kann also eine heilsame "Wartung“, sein, die uns weiterbringt und sich auszahlt. Auch der Sonntag mit einem Gottesdienstbesuch kann eine solche „Wartungszeit“ sei. Nehmen Sie sich doch mal diese Zeit meint Pastor Christoph Neumann aus Iserlohn.

Audiobeitrag Wartung


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