Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

24.12.12; Pastor Christoph Neumann

Weihnachtskrippe

Liebe Hörerin, lieber Hörer, das Moos auf dem Dach ist schon ziemlich zerfleddert. Die Wände aus Baumrinde und kleinen Stöcken haben die Jahre besser überstanden.

Trotzdem steht sie unter dem Christbaum. Vor ein paar Wochen habe ich unsere alte Krippe aus dem Keller geholt. Irgendwie hatten wir in diesem Jahr Sehnsucht danach. Wir haben sofort die  kleine batteriegeladene Laterne ausprobiert. Sie sorgt jetzt abends für ein gemütliches Licht, das die kleine Gesellschaft, die sich dort versammelt, erhellt. Die Krippenfiguren hat meine Frau vor vielen Jahren aus Gips gegossen. Und mit unseren Kinder anschließend bunt angemalt. Das Jesuskind in einer Windel. Drum herum: Maria mit blauem Kopftuch und lila Kleid. Josef, im beigefarbenen langen Mantel. Eltern, die nachdenklich neben dem Neugeborenen sitzen. Die Tiere im Stall: Ochse und Esel. Zwei weiße und ein schwarzes Schaf, die neugierig zur Krippe gucken. Und dann die Hirten. Der Alte, der mit langem weißem Bart auf dem Boden kniet. Neben ihm ein junger Kollege, der ein kleines Lämmchen auf dem Arm trägt. Und dann die drei Könige. Ein schwarzer mit buntem Turban. Die beiden anderen, etwas ältere Herrschaften, vorgebeugt, wie emeritierte Professoren, die über einer wissenschaftlichen Abhandlung brüten. Ich liebe den Stall mit der kleinen Gesellschaft, die sich dort versammelt hat. Nicht nur, weil damit schöne Erinnerungen verbunden sind. Sondern weil die Figuren eine tiefe Ruhe und Zufriedenheit ausstrahlen. Natürlich. So idyllisch, wie sich der Anblick jetzt hier unter dem Christbaum ausmacht, war es wohl damals wirklich nicht. Wer schon einmal in einem Stall war, der weiß, da riecht es ziemlich streng und da fliegt nicht nur trockenes Moos umher. Man muss  aufpassen, dass man seine Kleider nicht schmutzig macht.

Ich liebe den Stall aber auch, weil er wie ein Wegweiser ist, der uns zeigen kann, wie nicht nur im Kleinen, sondern vielleicht auch im Großen unsere Gesellschaft anders werden kann. Vielleicht auch schöner und zufriedener. In der Weihnachtsgeschichte bekommt der Wegweiser einen Namen. Als der Engel auf dem Feld die Hirten losschickte, sagte er:

Sprecherin: „Und das habt zum Zeichen. Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“ (Lukas 2, 12)

Und um dieses Kind in der Krippe versammelt sich die kleine Gesellschaft. : Maria, das Dorfmädchen. Josef, der Handwerker. Die gebildeten und klugen Köpfe aus dem reichen Ausland. Männer, die Geld haben. Und, -  die es mit anderen teilen. Leute aus einer anderen Kultur mit einer anderen Hautfarbe, die friedlich beieinander sind. Die Hirten, die damals als Nichtsesshafte am unteren Rand der Gesellschaft lebten und verachtet waren. Und auch die Tiere. Auch sie sind Teil der Schöpfung und gehören dazu. Sie alle finden in diesem Stall zusammen. So kann das Kind in der Krippe uns die Richtung zeigen: Es ist möglich. Ihr könnt es schaffen, eine Gesellschaft zu bauen, in der  alt und jung einander achten,   in der einfache und gebildete Leute einander ergänzen und helfen, um weiter zu kommen. Eine Gesellschaft, in der Tiere nicht nur Material für Lebensmittel sind. Eine Gesellschaft, in der verschiedene Kulturen zusammenfinden. Und vielleicht können uns der Stall und die Krippe den Anstoß geben, uns auf den Weg zu machen. Zu einem Besuch. Und dabei nicht nur die Menschen im Blick zu haben, die uns nahe stehen, sondern auch die, die uns fremd sind. Da ist zum Beispiel der Container mit den Asylsuchenden aus Marokko. Da sind  die Bewohner im Altenheim nebenan. Da ist das Nachbarskind, das gerade erst hergezogen ist und Freunde sucht.

Gute  Begegnungen wünscht Ihnen aus Iserlohn ihr Pastor Christoph Neumann

Audiobeitrag Weihnachtskrippe


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen