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Beschneidung
Autor: In drei Tagen ist ein Tag ein Festtag? ich weiß es nicht genau, oder zumindest ein Gedenktag im christlichem Kirchenjahrkalender, der fast vergessen ist:
Der Tag der Beschneidung Christi. Jesus wurde am 8. Tag nach der Geburt beschnitten und erhielt dabei auch gleich seinen Namen, erzählt Lukas in seinem Evangelium. Es ist der letzte Vers der Weihnachtsgeschichte. Und der achte Tag nach Heiligabend, das ist Neujahr.
Daran möchte ich erinnern am Ende eines Jahres, in dem so viel von Beschneidung die Rede war. Und in dem bei uns so viele Menschen heftig diskutiert haben, ob und wie das alles in Deutschland noch erlaubt sein darf. Jesus Christus selbst war beschnitten. Also, so ganz ist Beschneidung doch nicht nur eine Sache der Juden und der Muslime. Christen sollten in der Debatte etwas zurückhaltender sein, finde ich.
Im 4. Jahrhundert war die Beschneidung Jesu unter Theologen sogar ein gern zitierter Beweis dafür, dass Christus nicht nur Gott, sondern auch Mensch war. Heute ist das Fest, zumindest bei uns, fast vergessen. Allerdings nicht ganz. Wie es der Zufall will, hat die Deutsche Post im September zum 200. Geburtstag der Deutschen Bibelgesellschaft eine Briefmarke herausgegeben. Und diese Marke zeigt die Bibel aufgeschlagen mit eben jenem Vers aus dem Lukas-Evangelium zur Beschneidung Jesu. Zufall?
Die Debatte um die Beschneidung ist nach dem so genannten Kölner Urteil Ende Juni sehr schnell sehr hochgekocht. Ich habe mich schon gefragt: Kann das Urteil eines Landesgerichts eine drei jahrtausende alte religiöse Kultur so einfach aushebeln? Ich habe mich auch gewundert, wie viele Menschen, die sich ansonsten wenig kümmern um Religion, sofort und auch sehr lautstark auf dem Plan waren mit der Forderung nach Verbot und unbedingtem Schutz der Kindeswohls. Wir leben wohl in einer Zeit, in der religiöse Symbole und Handlungen sehr rasch sehr grundsätzlich in Frage gestellt werden. Sie passen nicht in eine doch so moderne, so vernünftige Welt.
Die ersten Christen hat die Frage der Beschneidung noch sehr bewegt. Denn ein großer Teil der ersten Christen kamen wie Jesu aus dem Judentum oder verstanden sich sogar noch als Teil der jüdischen Gemeinde. Der Apostel Paulus schrieb darum, ziemlich programmatisch, an die junge Gemeinde in Galatien, das liegt heute bei Ankara in der Türkei: Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Und in Christus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern allein der Glaube, der durch die Liebe tätig ist. (Gal 5) Also von Paulus: Keine Verteufelung der Beschneidung, sondern vor allem ein Wort der Freiheit.
Ich persönlich bedauere nicht, dass sich Paulus Position durchgesetzt hat und für Christen Beschneidung keine religiöse Praxis ist. Aber wie ist das bei Juden und Muslimen? Ich kann das nicht beurteilen. Ich habe aber gehört, dass es in Judentum schon länger eine Debatte gibt: für und wider. Das finde ich spannend. Und da gehört die Debatte übrigens auch hin, finde ich und nicht an deutsche Stammtische.
Beschneidung
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