Mensch bleiben - Dietrich Grönemeyer
Autorin: Knallbunte Bilder und Skulpturen, rote Sofas, Holzfußböden, Holztische
Im medizinischen Institut des renommierten Arztes Dietrich Grönemeyer in Bochum kann man sich wohlfühlen. Holz liebte der Sechzigjährige schon in seiner Kindheit. In jedem Advent kam die Laubsäge zum Einsatz.
O-Ton: Ich habe das total gerne gemacht. Und wollte immer Schreiner werden später oder Schiffsbootsbauer.
Autorin: Dietrich Grönemeyer hat viele Interessen. Er ist neugierig auf alles Neue. Besonders die Weltreligionen. Schon mit Sechzehn hat er darüber in der Schülerzeitung geschrieben.
O-Ton: Und gehe auch heute, wenn ich irgendwo bin in der Welt, in Kirchen, in Tempel
Und versuche herauszufinden, wie die Menschen sich nicht nur fühlten zu anderen Zeiten, sondern wie sie sich auch heute fühlen im Angesicht der Auseinandersetzung mit der Schöpfung. (
) Ich finde diese Vielfalt von Riten auf der Welt wunderbar.
Autorin: Der bekannte Arzt ist evangelisch. Aufgewachsen ist er mit seinen Brüdern Willi und Herbert in Bochum neben der Melanchthonkirche. Wenn die Glocke sonntags zehn schlug, besuchte Familie Grönemeyer den Gottesdienst. Und Heiligabend ging´s zum Krippenspiel.
O-Ton: Jedes Weihnachten war ich entweder ein Hirte oder ich war der Mohr, ... Und wir sind dann durch die Kirche gelaufen und mit tiefer Stimme haben wir gesagt: Ich komme aus dem Morgenland und so weiter (lacht). Und es war ein sehr erhabenes Gefühl, dann an die Krippe zu treten. Es war wunderschön, es wurde auf einmal ganz hell und andächtig und leuchtend.
Autorin: Als Kindergottesdiensthelfer merkte Dietrich Grönemeyer: Ich kann anderen gut Dinge vermitteln. Damals konnte er sich vorstellen, einmal Pfarrer zu werden. Schon ganz früh war ihm klar: Der Mensch hat eine Seele. Sterben und Tod sind nur ein Übergang in eine andere Welt. Er wurde dann doch Arzt - in der 6. Generation und sein Glaube wurde auf eine harte Probe gestellt. Es war Anfang November 1998. Da starb sein Bruder Wilhelm mit Mitte Vierzig an Krebs, seine Schwägerin Anna wenige Tage später an Brustkrebs. Warum?, fragte Dietrich Grönemeyer dann kam der Tag von Willis Beerdigung.
O-Ton: So war der Tod von Willi für mich eine enorme Belastung, ein enormer Einschnitt in meinem Leben, weil es sehr, sehr nah und konkret war. Und ich auch mit Gott gehadert habe. Und am Sarg, ich weiß es wie heute, hab ich am Sarg eben die Erkenntnis bekommen, dass wir nicht entscheiden, wann wir kommen und wann wir gehen. Und das war total befreiend. Wir entscheiden nicht. (
) Das habe ich da begriffen. Und dann wurde ich auf einmal ganz entspannt. Traurig, entspannt und sehr bewusst.
Autorin: Bewusst, worum es im Leben wirklich geht.
O-Ton: Wir haben die Aufgabe, diese Erde so konsequent, so bewusst, so solidarisch wie irgendwie möglich zu gestalten, so ökologisch wie irgendwie möglich. Und dafür Sorge zu tragen - ich auch als Arzt -, dass der Mensch, mit dem ich zu tun habe, dass es ihm wohlergeht.
Literatur: Dietrich Grönemeyer: Arzt mit Herz und Seele: Ein persönliches Lesebuch, S. Fischer Verlage, Oktober 2012.
Mensch bleiben - Dietrich Grönemeyer
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