Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

15.12.12; Pfarrerin Petra Schulze

Wir sagen euch an den lieben Advent (eg 17)

Musik 1 Blechbläser - 1. O-Ton: Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer: Advent, Advent, ein Lichtlein brennt.

Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür und wenn das fünfte Kerzlein brennt, hast du Weihnachten verpennt. Dieser letzte Teil, der war für uns wesentlich, denn das wollten wir eigentlich gar nicht.

Autorin: Erinnert sich Dietrich Grönemeyer, der bekannte Arzt, an seine Kindheit. Gespannt wartete er im Advent mit seinen Brüdern Herbert und Willi auf Weihnachten.
Mit dazu gehörte wie in den meisten Familien in Deutschland der Adventskranz. Vier Kerzen. Eine für jeden Adventssonntag. Die katholische Lehrerin und Schriftstellerin Maria Ferschl aus Österreich hat 1954 dazu ein Lied gedichtet. „Wir sagen euch an, den lieben Advent“. Vertont hat es der Mainzer Kirchenmusikdirektor Heinrich Rohr im gleichen Jahr. Ein Lied für Kinder und Erwachsene, das heute auch im Evangelischen Gesangbuch steht.

Musik 2 Brettheimer Kinderchor Choral (1. Strophe): Wir sagen euch an den lieben Advent. / Sehet, die erste Kerze brennt! / Wir sagen euch an eine heilige Zeit. / Machet dem Herrn den Weg bereit! / Freut euch, ihr Christen, freuet euch sehr! / Schon ist nahe der Herr.

2. O-Ton: Präses Annette Kurschus: Ich finde, dass von diesem Lied eine ganz besondere Ruhe ausgeht und so eine innere Spannung, die uns als Erwachsenen gut tut, die erste Kerze brennt, die zweite Kerze brennt, die dritte und dieses „Freuet euch ihr Christen, freuet euch sehr“, das versetzt mich immer in eine besondere Stimmung.

Autorin: Meint Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen. Besonders Kinder singen das Lied gern. Melanie Glauer kann sich gut an ihre ersten Begegnungen mit dem Choral erinnern. In ihrer Konfirmandenzeit hatte das Lied seinen festen Platz an den Adventssonntagen. Mit fünf, sechs anderen Jugendlichen ging Melanie Glauer zu alten und kranken Menschen in der Kirchengemeinde – zum Adventssingen.

3. O-Ton: Melanie Glauer: Die Augen von den alten Leuten haben so geleuchtet, die hatten richtige Freude daran und das fand ich so schön, weil ich dachte, ach du gibst den Leuten etwas, auch wenn du schräg und schief singst, das ist egal, aber das hat mich sehr berührt. Und was auch sehr schön war, die alten Leute haben zum Teil auch mitgesungen.

Musik 1 Blechbläser
Sprecher: Wir sagen euch an den lieben Advent. /Sehet, die erste Kerze brennt! /Wir sagen euch an eine heilige Zeit. /Machet dem Herrn den Weg bereit!

Autorin: Gott den Weg bereiten. Hingehen zu den Menschen. Ihr Herz froh machen. Ihre Augen zum Leuchten bringen. Den Schmerz für einen Augenblick vergessen lassen. Liebe in die Häuser tragen. Ganz schlicht mit einem Lied:

Musik 3: Vocalconsort Leipzig Choral (2. Strophe): Wir sagen euch an den lieben Advent. / Sehet, die zweite Kerze brennt! / So nehmet euch eins um das andere an, / wie auch der Herr an uns getan! /Freut euch, ihr Christen, freuet euch sehr! /Schon ist nahe der Herr.

Autorin: Diese zweite Liedstrophe ist Melanie Glauer besonders wichtig geworden. In der Adventszeit wird mir richtig bewusst, wie gut es mir geht, meint sie. Und deshalb:

4. O-Ton: Melanie Glauer: Man sollte doch mal mehr was tun für andere und auch mal was wiedergeben, von dem was man hat. Es geht noch nicht mal ums Materielle, was man hat, sondern auch dass man anderen einfach mal gut sein sollte, indem ich Zeit gebe, indem ich mich um andere auch mal kümmere…Man sollte auch füreinander da sein, viel mehr da sein, nicht nur materiell, finanziell, sondern auch gefühlsmäßig mehr da sein.

Autorin: Annette Kurschus, die in einem Pfarrhaus aufgewachsen ist, kennt das von klein an: für Menschen da zu sein, denen es nicht so gut geht. Heute steht sie an der Spitze der westfälischen Landeskirche.

5. O-Ton: Präses Annette Kurschus: Ich werde an Heiligabend auf jeden Fall unterwegs sein fast den ganze Tag und Menschen besuchen, die an diesem Heiligen Abend sich einsetzten in sozialen Einrichtungen oder Krankenhäusern oder irgendwelchen Notstationen die da Dienst tun für andere. Und ich werde sicher in der Adventszeit auch verschiedene Besuche machen, bei Leuten von denen ich weiß, die würden sich freuen, wenn ein kleiner heller Schein in dieser Zeit in ihr Haus und ihn ihr Herz kommt.

Musik 2 Brettheimer Kinderchor Choral (3. Strophe): Wir sagen euch an den lieben Advent. / Sehet, die dritte Kerze brennt! /Nun tragt eurer Güte hellen Schein weit in die dunkle Welt hinein. / Freut euch, ihr Christen, freuet euch sehr! Schon ist nahe der Herr.

6. O-Ton Annette Kurschus: Bei Güte habe ich immer einen ganz bestimmten Menschen vor Augen. Das ist meine Tante Lieschen, das ist so eine Nenn-Oma, bei der hab ich mich immer so ganz bedingungslos willkommen und geliebt gefühlt, das ist für mich so der Inbegriff von Güte (…) Sie hat pädagogisch nicht groß nachgedacht, sondern sie hat immer so - du bist mein Mädchen und so was meine Eltern so nie sagten, weil wir mehrere Kinder sind, und dann musste immer die Liebe auf alle gleichmäßig verteilt werden und Tante Lieschen gab einem immer so das Gefühl: für die bist du jetzt die wichtigste und die liebste Person, das fand ich schön.

Musik 3: Vocalconsort Leipzig Choral (4. Strophe): Wir sagen euch an den lieben Advent. / Sehet, die vierte Kerze brennt! /Gott selber wird kommen, er zögert nicht. / Auf, auf, ihr Herzen, und werdet licht. / Freut euch, ihr Christen, freuet euch sehr. / Schon ist nahe der Herr.

Autorin: Bei der vierten Strophe geht Professor Dietrich Grönemeyer das Herz auf.

7. O-Ton: Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer: Auf, auf ihr Herzen und werdet Licht. Das ist eine Aussage, die mich zutiefst erfasst. Von der ich auch sagen würde, das ist genau die Aussage, die viele Kulturen dieser Erde vermutlich die meisten Menschen in den Jahrmillionen der Existenz der Menschheit immer gespürt haben. Denn das Herz wurde immer in Verbindung mit der Seele gesehen. Und Augustinus hat ja irgendwann mal thematisiert: Das Licht Gottes wirkt ins Herz hinein und wird im Herzen geborgen. Ich spüre tagtäglich, dass ich ein Herz habe. Das kommt daher, dass ich mal Herzerkrankt war sehr schwer und natürlich auf mein Herz horche zwischendurch. Aber ich spüre es auch im übertragenen Sinne, dass mein Herz berührt wird. Ich fühle meine Seele, ich fühle jede Form von Erkenntnis, jede Form von „ein Licht geht mir auf“ im Herzen. Und ich glaube, so geht es den meisten Menschen.

Autorin: Das Herz spielt in fast allen Religionen eine wichtige Rolle, sagt Dietrich Grönemeyer.

8. O-Ton Grönemeyer: Deswegen ist es für mich so unverständlich, dass wir Kriege führen um den wahren Glauben, wo wir doch alle eigentlich eins sind. Wir glauben und fühlen ja alle in die gleiche Richtung.

Autorin: Ein Licht geht auf. Ein Hoffnungslicht, das den Menschen aller Welt leuchtet, heißt es in der Bibel.

Sprecher: Der Herr sagt: »Steh auf, du trauernde Zionsstadt! … Auf der ganzen Erde liegt Finsternis, die Völker tappen im Dunkel; doch über dir strahlt dein Gott auf, der Glanz seiner Herrlichkeit geht über dir auf. Alle Völker machen sich auf zu dem Licht, das sich über dich ergießt, und ihre Könige wollen den Glanz sehen, in dem du strahlst. In deinem Land wird es keine Verbrechen mehr geben, keine Zerstörung und Verwüstung. (Jesaja 60)

Autorin: Denn das ist gewiss, meint Präses Annette Kurschus:

9. O-Ton: Präses Annette Kurschus: Die Hauptbotschaft der Weihnachtszeit heißt ja: Fürchtet euch nicht. Und das ist zu Menschen gesagt, die sich sehr wohl fürchten und denen es nicht gut geht, so dass gerade die Menschen, die sich im Dunklen oder im Halbschatten aufhalten, hoffentlich in der Adventszeit spüren, das ist hier unsre Zeit, da geht’s um uns!

Musik 1

 


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