Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

13.12.12; Pfarrerin Petra Schulze

Lucia - Adventskleid anziehen

Lieber Hörer, liebe Hörerin, ein weißes Kleid mit rotem Gürtel und ein Kranz aus Kerzen auf dem langen Haar – so verkleiden sich heute manche Mädchen in Schweden.

Sie erinnern damit an die Heilige Lucia, deren kirchlicher Gedenktag heute ist. Lucia lebte vor mehr als 1600 Jahren auf Sizilien. Eigentlich war sie einem Mann zur Ehe versprochen, doch sie bekannte sich zum Christentum und wollte ihr Leben ganz Gott weihen. Für ihre Keuschheit steht das weiße Kleid. Ihr Bekenntnis zum Christentum war damals - zurzeit der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian - gefährlich. Und so wurde Lucia gefoltert und getötet. Für dieses Martyrium steht der rote Gürtel. Der Name Lucia bedeutet „die Lichtvolle, die Leuchtende“. Mit ihrem Lichterkranz, den sie auf dem Kopf trägt, erhellt sie die dunkle Jahreszeit. Einer Legende nach soll Lucia verfolgte Christinnen und Christen in ihren Verstecken besucht und verpflegt haben. Um für die Lebensmittel und Getränke beide Hände frei und trotzdem genug Licht für den Weg zu haben, steckte sie sich die Lichter auf ihr Haupt.

Das Lucia-Gewand ist mehr als eine Verkleidung. Es ist ein Symbol für ein gottgeweihtes Leben, für das Licht, das die junge Christin verbreitete. Für mich ist ihr Gewand ist eine Art Adventskleid. Adventskleider haben viele Farben und Formen. Manchmal sind sie verborgen unter der Alltagskleidung. Wenn meine Oma zum Beispiel ihren Kittel auszog, kam die Feierabendkleidung zum Vorschein. Zwar nur Rock und Pullover – aber alles schön sauber und ordentlich. Kittel aus, das hieß: Feierabend von der Arbeit in Haus und Garten. Kittel aus, das hieß: Jetzt beginnt die festliche Zeit, Zeit für Ruhe und Muße. Die Feierabend-Kleidung meiner Oma, sie war so etwas wie ein Lucia-Gewand. Denn sie enthielt die Verheißung: Jetzt habe ich Zeit für euch, jetzt bin ich ganz für euch da.

Das Adventskleid anlegen - vielleicht braucht es dazu gar nicht immer so einen sichtbaren Kleiderwechsel. Heute Abend werde ich in Gedanken mein Adventskleid anziehen. Und es wird mich daran erinnern, dass der Advent eine Fastenzeit ist. Ich will alles fasten, was mich beschwert und ablenkt vom wahren Sinn des Advent. Erst einmal lasse ich alles. Und dann warte ich darauf, was in mir aufsteigen wird. Vielleicht möchte ich einfach nur ein paar Minuten still vor einer Kerze sitzen.

Oder eine Orange pellen, ihren Duft genießen und ihre Süße – ohne Ablenkung, ohne dabei noch schnell die Zeitung zu lesen oder nebenbei mit der freien Hand die Spülmaschine einzuräumen.

Vielleicht möchte ich einen Spaziergang im Park oder Wäldchen machen. Oder die Adventsgedichte und Bibelverse in meinem Adventskalender meditieren. Jeden Tag einmal mein Adventskleid anlegen und mir ein paar Minuten echten Advent gönnen.

Fasten, was mich ablenkt, mich aus der Ruhe bringt, mich beschwert. Und warten auf das, was an Lichtvollem in mir aufsteigen will. Das wäre eine gute Vorbereitung auf Weihnachten, auf die Geburt dessen, den die Christen das wahre Licht nennen. Vielleicht probieren Sie, lieber Hörer, liebe Hörerin heute Abend auch einmal Ihr Adventskleid an. Sie werden sehen, es hebt die Stimmung. Lichtvolle Momente wünscht Ihnen, Ihre Pfarrerin Petra Schulze aus Düsseldorf.

 

Audiobeitrag Lucia - Adventskleid anziehen


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