Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

15.12.12; Pfarrer Michael Nitzke

Gefahr im Schlaf

Sechs Stunden und neunundfünfzig Minuten Schlaf braucht der Mensch im Durschnitt. Das sagt jedenfalls eine Studie der Uni Regensburg aus.

Also, wenn Sie eben von Ihrem Radiowecker geweckt wurden und zu diesem Durchschnitt gehören, dann haben Sie sich nach den Tagesthemen die Zähne geputzt und waren kurz vor elf im Bett und sind gleich eingeschlafen. Glücklich, wer solch einen festen Lebensrhythmus hat. Viele Menschen liegen im Bett und können nicht schlafen. Manchen quälen Sorgen, andere kriegen vor lauter Glück kein Auge zu. Und manche merken gar nicht, was ihnen den Schlaf raubt. Atemaussetzer beim Schnarchen, bewirken, dass der Menschen auch nach einer langen Nacht im Bett noch hundemüde ist. Da sollte man schon den Arzt um Rat fragen. -

Schlafen ist gesund, doch manchmal auch sehr gefährlich. Wenn bei einer langen Autofahrt die Müdigkeit über den Menschen Gewalt gewinnt, dann bringt man nicht nur sich selbst in Gefahr. Für besonders gesund halten humorvolle Menschen den Büroschlaf und Kirchenleute ergänzen dann gerne, dass der gesündeste Schlaf doch der Predigtschlaf sei.

Doch dass das nicht immer stimmt, steht schon in der Bibel. Die Apostelgeschichte berichtet im 20. Kapitel, dass ein junger Mann namens Eutychus, bei einer Predigt eingeschlafen ist. Der Apostel Paulus hatte so viel vom Glauben zu erzählen, dass er bis weit nach Mitternacht predigte, denn am nächsten Morgen wollte er schon wieder in eine andere Gemeinde reisen. Die Zuhörer versammelten sich im dritten Stock eines Hauses. Es war draußen dunkel und die Lampen nahmen mit ihrem offenen Feuer die Luft zum atmen weg. Der junge Mann Eutychus setze sich in ein Fenster, so konnte er zuhören und trotzdem frische Luft schnappen. Doch Paulus hatte viel zu erzählen und der Schlaf übermannte den jungen Mann. Er fiel aus dem Fenster und lag da wie tot. Paulus, voller Glauben, sagte. „Macht kein Getümmel; denn es ist Leben in ihm.“ Und er predigte die ganze Nacht weiter. Eutychos lebte tatsächlich, und für die Menschen, die bei ihm waren, war das ein Trost. War es ein Wunder, oder ist er einfach nur relativ weich gefallen? Man weiß es nicht.

Für mich zeugt diese Geschichte vom Humor der Bibel. Ja, es gibt Menschen, die schlafen bei der Predigt ein, aber Gott lässt sie dennoch nicht gänzlich fallen. Er beschützt die Menschen, die auf sein Wort hören wollen. Doch Paulus hat vom Schlafen nicht viel gehalten, er predigte die ganze Nacht weiter, und ließ sich von dem Fenstersturz nicht beeindrucken.

Eutychus hat erfahren, dass Predigtschlaf nicht automatisch gesund sein muss. Vielleicht hat er später auch an diesen Satz aus dem 127. Psalm gedacht: „Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und euch spät erst niedersetzt, … denn der Herr gibt es den Seinen im Schlaf.“ Halt, drehen Sie sich jetzt nicht wieder um, und ziehen sich die Decke über den Kopf, ich möchte nicht dran schuld sein, dass Sie zu spät zur Arbeit kommen.

Der Satz von den Seinen, denen es Gott im Schlaf gibt, hat noch einen Vorspann: „Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wenn der HERR nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst.“ Dass heißt, bei allem was ich tue, muss ich wis-sen, dass es nicht nur auf mich allein ankommt. Gott hilft mir, selbst wenn ich einschlafe.

So, aber jetzt raus aus den Federn und heute Abend wieder früh ins Bett. Sieben Stunden Schlaf sollten es mindestens sein.


Audiobeitrag Gefahr im Schlaf


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