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Josef und die neuen Väter
Lieber Hörer, liebe Hörerin, es ist nicht zu übersehen, es gibt sie: Die neuen, die partnerschaftlichen Väter.
Sie tollen mit ihren Sprösslingen über die Spielplätze, holen sie vom Kindergarten oder der Schule ab, trinken mit ihnen Kakao im Café, schieben den Kinderwagen oder tragen die Jüngsten im Tragetuch. In dem Stadtviertel in Berlin-Mitte, wo ich zuletzt gewohnt habe, gab es ein Väterzentrum. Die Ausstattung war an den Interessen der Herren der Schöpfung orientiert: Kicker und Carrerabahn alles, was das Kind im Mann begehrt. Die Väter kamen gerne an diesen Ort. Vor allem, weil man hier in den Gesprächen mehr Kompetenz bei Themen wie Fußball findet, sagte einer. Anders als im Kindergarten sind die Männer im Väterzentrum nicht der Hahn im Korb unter lauter Müttern. Dafür finden sie aber eher Partner für die Themen, die sie interessieren. Immer, wenn ich diese neuen Väter - ganz gleich in welcher Stadt - beobachte, fällt mir auf: Sie spielen gern mit ihren Kindern, beschäftigen sich mit ihnen, fordern, dass öffentliche Wickelräume auch für Männer zugänglich sind. Und mancher, der sie beobachtet denkt sich: So einen Vater hätte ich auch gerne gehabt.
Bei einem Besuch im Kloster Kirchberg in Sulz am Neckar entdeckte ich in der Klosterkirche ein barockes Altarbild, das mich überrascht hat. Hier ist Josef zu sehen, der Zimmermann, der Vater Jesu. Josef hält den properen Säugling mit seinen speckigen Beinchen und Ärmchen auf dem Schoß. Gedankenverloren fasst der Vater eins der Säuglingsfüßchen und spielt mit den winzigen Zehen. Josefs Blick ist zärtlich und fürsorglich auf den Kleinen gerichtet. Sein Gesicht leuchtet. Verklärtes Vaterglück, wie man es sonst immer Müttern zuschreibt. Seine Arbeit ruht. Die Engel haben dem Zimmermann die vielen Werkzeuge abgenommen. Sie halten die Säge, das Beil, die Kanthölzchen, sitzen auf den Holzbalken, die bearbeitet werden müssen.
Der kleine Jesus wendet sich derweil einem Engel zu, der vor Josef kniet und einen Zettel in der Hand hat. Pro Cliente steht darauf. Das bedeutet: Bitte für sie, bitte für ihn. Der Engel bittet also jemanden: Ich bitte dich: Lege bei Gott ein gutes Wort für meine Schützlinge ein. Wen aber bittet der Engel darum? Wer soll denn mehr leisten können als ein Schutzengel, wer soll denn einen noch direkteren Draht zu Gott haben? Der Säugling auf dem Bild, Jesus, greift nach dem Zettel. Über allem schwebt Gottvater und wartet darauf, dass Jesus ihm die Bitten der Menschen zuträgt.
Doch genährt wird der Sohn Gottes von seinem irdischen Vater Josef, der ihm all seine Zeit, Zuwendung und Liebe zukommen lässt. In seinem Schoß sitzt er sicher.
Josef umklammert ihn nicht, sondern hält ihn nur so fest, wie nötig. Der Säugling Jesus hat die Freiheit, den Spielraum sich zu dem Engel zu beugen und nach dem Zettel zu greifen. So kann er seine Aufgabe als Mittler zwischen Gott und den Menschen erfüllen.
Zurück aus dem Kloster schaue ich mir die partnerschaftlichen Väter nun noch lieber an. Und ich wünsche mir, dass sie und die Mütter dieser Kinder die Qualitäten des Josef haben: Freude an den Töchtern und Söhnen. Die Fähigkeit, auch mal Arbeit abzugeben, damit Zeit ist für die Kinder. Die richtige Mischung zwischen fest und sicher halten und genug Freiraum bieten, damit jedes Kind sich so entwickeln kann, wie der Schöpfer es gemeint hat.
Die Gesellschaft braucht Männer und Frauen, die genau wie Josef Kindern ihre Liebe, Zeit und Zuwendung schenken. Halten Sie, liebe Hörerin, lieber Hörer mal die Augen auf in Ihrer Nähe gibt es bestimmt ein Kind, das gerade Sie braucht. Gott befohlen, Ihre Pfarrerin Petra Schulze aus Düsseldorf.
Josef und die neuen Väter
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