Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

12.12.12; Mark Pollmeier

Vergebung

Was für eine unschöne Trennung. Silja und Stefan waren lange ein Paar und dann: Aus und vorbei!

Das ist zwar schon eine Weile her, aber der Umgang mit ihnen ist immer noch, na ja sagen wir mal: Anstrengend.

Wenn ich einen der beiden sehe, dreht sich alles nur um ihre gescheiterte Beziehung. Die meisten Sätze kenn’ schon auswendig: „Das kann ich ihm einfach nicht verzeihen!“ – „Wenn sie dies und jenes wenigstens mal zugeben würde!“ Eine einzige Endlosschleife! Als ich neulich mit Stefan zusammen saß, ist mir der Kragen geplatzt. „Könnt ihr nicht endlich mal einen Schlussstrich ziehen?“ habe ich ihn angemotzt. Aber er meinte nur: „Einfach abhaken? Vergeben und vergessen? Wie stellst du dir das vor?“

Aber darum geht’s ja gar nicht. Natürlich kann man nicht einfach alles vergessen und so tun, als ob nichts gewesen wäre. Vergeben ist allerdings etwas anderes. Das heißt für mich, einen Neuanfang probieren, eine neue Perspektive einnehmen, trotz allem, was passiert ist.

Ich gebe zu: Das ist leicht gesagt, wenn man gerade nichts Großartiges zu vergeben hat und die Situation zwar kennt, aber doch nur Zaungast ist. Vergebung ist Arbeit, tut weh und kann alte Wunden ganz neu aufreißen. Und ganz schwierig wird’s, wenn nur einer von beiden bereit ist, zu vergeben. Aber trotzdem besteht nur durch Vergebung die Chance auf ein einigermaßen gutes Verhältnis.

Von daher bleibt es erstmal bei dem anstrengenden Umgang: Denn ich habe mich als Gesprächspartner angeboten. Ich kann ja nicht nur altkluge Ratschläge geben und dann auf ein Wunder hoffen. Oder doch?

Sprecher: Daniel Schneider

 

Audiobeitrag Vergebung


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen