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Die Nacht ist vorgedrungen...
Autor: Liebe Hörerinnen und Hörer, es gibt Situationen im Leben, da gibt es nicht den richtigen oder den falschen Weg. Da fällt die Entscheidung schwer.
Einer, der eine solche schwere Entscheidung treffen musste, was der Dichter eines der schönsten Adventslieder im evangelischen Gesangbuch, Jochen Klepper.
Es war in Deutschland, in den 1930er Jahren. Der studierte Theologe und Journalist hatte eine deutsche Jüdin geheiratet. Seine Ehefrau brachte zwei Töchter mit in die Ehe. Doch die Nazi-Diktatur reagierte prompt: Schon bald wurde ein Berufsverbot gegen Klepper verhängt. Erfolglos kämpft Klepper darum, sich und seine Lieben ins Ausland bringen zu können. Wenn dieses Land für seine Familie keine Heimat mehr sein sollte, wollte auch er nicht länger hier leben. Zwar konnte die Tochter Brigitte nach England ausreisen. Doch musste er damit rechnen, dass seine Ehe mit einer jüdischen Frau geschieden würde und dass seiner Frau und der jüngeren Tochter Renate die Deportation drohte.
Sprecherin: Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern. So sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern. Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein! Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.
Autor: Ich stelle mir vor, wie Jochen Klepper in einer seiner schlaflosen Nächte am Fenster in seiner Berliner Wohnung gestanden hat, über einen Ausweg nachgedacht hat und keinen finden konnte. Wie er nach draußen geschaut hat, geweint har
und wie er dann den hellen Morgenstern gesehen hat. Da wusste er: Die Nacht ist bald vorbei. Und vielleicht fühlte er sich ein wenig getröstet. Ihm war, als sei der Stern für ihn aufgegangen, als sei der Stern ein Zeichen für Gottes Gnade.
Wie sollte es für Klepper und seine Lieben weitergehen? Im Ringen um diese Entscheidung drang er zum gnädigen Gott durch. Davon handelt eine andere Liedstrophe seines Adventsliedes:
Sprecherin: Die Nacht ist schon im Schwinden, macht euch zum Stalle auf. Ihr sollt das Heil dort finden, das aller Zeiten Lauf, von Anfang an verkündet, seit eure Schuld geschah. Nun hat sich euch verbündet, den Gott selbst ausersah.
Gott unser Verbündeter! Das ist Jochen Kleppers Glaubensüberzeugung. Gott ist nicht einer, der gegen uns arbeitet. Kein Gegner. Kein Feind. Sondern einer, der auf unserer Seite ist. Er hat sich mit uns verbündet. Daran glaubt Jochen Klepper bis zum letzten Augenblick. Dieser Glaube trägt ihn offenbar auch in der schwersten Entscheidung seines Lebens. Trägt ihn im Ringen, im Kampf um einen gangbaren Weg. In höchster Verzweiflung entscheidet sich die Familie im Dezember 1942 gemeinsam aus dem Leben zu gehen. In dem Wissen: Wir können im Leben nicht beieinander bleiben und fallen unweigerlich den Nazi-Schergen in die Hände.
Es gibt Situationen im Leben, liebe Hörerinnen und Hörer, in denen gibt es nicht den richtigen oder den falschen Weg. Wie man sich auch entscheidet: Es ist immer falsch! Die Geschichte von Jochen Klepper macht mir Mut. Denn auch dann, wenn ich weiß, dass ich schuldig werde, wenn es die richtige Entscheidung nicht gibt, ist Gott auf meiner Seite.
Ach Gott, unser Verbündeter, Du hast auch an diesem Tag den Morgenstern für uns aufgehen lassen, damit wir getröstet sind. Sei auch weiterhin bei uns an diesem Tag! Sei bei uns, wenn wir in Angst, Not und Pein sind, wenn wir eine schwere Entscheidung treffen müssen. Lass uns deinen Trost erfahren.
Liebe Hörerinnen und Hörer, Gott sei mit Ihnen an diesem Tag das wünscht Ihnen Pfarrer Frank Küchler aus Krefeld
Die Nacht ist vorgedrungen...
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