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Wenn ich nur dich habe ... (Psalm 73, 23ff)
Autor: Liebe Hörerinnen und Hörer, es gibt Zeiten, in denen fühlen wir uns wie auf schwankendem Boden.
Den einen schüttelt die Trauer um die geliebte Frau, die gestorben ist, die andere fühlt sich einsam, wie auf dünnem Eis, weil ihr Mann sie verlassen hat. Was gibt mir Halt, wenn Trauer und Schmerz mich durcheinander wirbeln. Was trägt, wenn ich loslassen muss, Abschied nehmen muss?
Sprecherin: Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende in Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil. (Psalm 73,23ff)
Autor: Hier spricht jemand, der viel mitgemacht hat. Er hat Unrecht erlitten, das Leben hat ihm übel mitgespielt, andere Menschen haben ihm zugesetzt. Aber in seiner Beziehung zu Gott findet er Halt und betet: Du hältst mich bei meiner rechten Hand.
Wenn ein Partner sich vom anderen trennt, wenn Eltern und Kinder nicht mehr miteinander reden können, wenn nachbarschaftliche Streitereien einem den Schlaf rauben, wenn Freunde, die man für solche gehalten hat, einen bitter enttäuschen, wenn sich Kollegen auf der Arbeit gegenseitig das Leben schwer machen - dann ist der Tod am Werk. Und das Furchtbare ist: Oft kommt er schleichend, der Tod. Wenn wir ihm auf die Schliche kommen, dann ist es meist schon zu spät.
Dennoch bleibe ich stets an Dir. Der Beter hält Gott das trotzige Dennoch seines Glaubens entgegen. Dennoch. Trotzdem. Trotz mancherlei Todeserfahrungen hat er sein Vertrauen zu Gott nicht verloren. Denn er hat es erlebt: Gott gibt mir Halt. Und drückt dies mit einem Bild aus, das mich anrührt: Du hältst mich bei meiner rechten Hand.
Ich denke daran, wie ich als kleiner Knirps an der Hand meines Vaters durch unseren nahe gelegenen Wald gelaufen bin. Ich so klein, mein Vater so viel größer und stärker. Es war schön, seine starke Hand zu spüren. Ich fühlte mich sicher und geborgen. Und manchmal habe ich zu ihm gesagt: Papa, drück mal meine Hand. Das hat er dann auch gemacht, solange bis ich au gesagt habe. Es war trotzdem schön, weil ich seine Stärke spüren konnte.
Natürlich lief ich auch frei herum, jenseits der Waldwege. Aber wenn wir dann wieder ein Stück auf der Asphaltstraße laufen mussten, dann nahm mein Vater mich fest an die Hand. Und wenn ich noch so laut dagegen protestierte.
Heute stehe ich manchmal am Grab meines Vaters und tue so, als könnte er mich hören. Ich halte ein kleines Zwiegespräch mit ihm. Papa, weißt du noch? Ein Gefühl tiefer Dankbarkeit durchströmt mich dann. Ich freue mich, dass er mein Vater gewesen ist. Ich trage ihn in meinem Herzen, ich erinnere mich an ihn und weiß sehr wohl, was er für mich getan hat! Ohne ihn wäre ich nicht der, der ich heute bin. Und: Er nahm mich bei der Hand und gab mir die Geborgenheit und Sicherheit, die ich brauchte. So sorgt auch Gott für mich und gibt mir Halt.
Gott sei mit Ihnen an diesem Tag wünscht Ihnen Pfarrer Frank Küchler aus Krefeld.
Wenn ich nur dich habe ... (Psalm 73, 23ff)
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