Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen
Autor: Liebe Hörerinnen und Hörer, in dieser Woche auf dem Weg vom Ewigkeitssonntag hin zum ersten Advent sind viele Menschen mit ihren Gedanken bei ihren Verstorbenen.
Viele denken über das Sterben nach, und darüber, was nach dem Tod kommt. Und wie man mit Trauer umgehen kann.
Die Medien sind inzwischen voll davon und da heißt es dann immer wieder: der Tod gehört zum Leben dazu. Das meint: wir sollen den Tod und das Sterben nicht verdrängen. Aber wie geht das denn, bitteschön?!
Sprecherin: Herr unser Gott, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. Herr, kehre dich doch endlich wieder zu uns und sei deinen Kindern gnädig. Fülle uns wieder mit deiner Gnade, so wollen wir dich rühmen und fröhlich sein unser Leben lang. (Psalm 90, 12f)
Autor: In meiner Arbeit als Klinikseelsorger begegnete mir einmal eine ältere Frau. Sie hatte eine schwere Zeit hinter sich gebracht: eine schwierige Operation und viele Tage auf der Intensivstation. Quälend lange Nächte, die nicht enden wollten. Schließlich war sie sehr erschöpft von alledem und es dauerte lange, bis sie wieder zu Kräften gekommen war. In der Rückschau auf ihr Leben sagte sie mir: Wissen sie, wir haben immer gesagt: später mal! Mit wir meinte sie sich selbst und ihren inzwischen verstorbenen Ehemann. Das Leben der Eheleute war von vielerlei Arbeit bestimmt. Das Schöne, das Angenehme, ausgedehnte Reisen zum Beispiel, das hatten die Eheleute auf die Zeit nach der Rente verschoben. Für sie gab es immer nur Arbeit und noch mal Arbeit. Die beiden waren selbständig und hatten ein Geschäft. Sie waren ständig auf Trab und gönnten sich nur selten etwas. In der Rückschau hatte die Frau erkannt: Das war falsch gewesen. Das machte sie nun traurig und ihr Leben kam ihr vor wie eine Reihe verpasster Gelegenheiten. Deshalb sagte sie mir: Jetzt ist das Leben, ich lebe jetzt, das ist die richtige Einstellung! Sie wirkte dabei sehr energisch und entschieden. Trotz ihrer Schwäche sprach sie mit großem Nachdruck. Ich konnte merken, dass es ihr damit sehr ernst war.
So ist es manchmal. Manche Einsichten kommen erst spät im Leben. Das kann schmerzlich sein. Doch diese Frau hatte die Trauer und den Schmerz über diese späte Einsicht schon ein gutes Stück bewältigt. Ich konnte spüren, wie durch den Schmerz und die Trauer hindurch diese Entschiedenheit und Festigkeit in ihr gewachsen war. Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.
Vielleicht sagen Sie jetzt: Mein Gott, was gibt es da zu bedenken? Wir müssen sterben, okay, aber das wissen wir doch sowieso schon! Nur: diese Erkenntnis ist nicht nur ein Wissen, das ich im Kopf habe. Hier geht es darum, wie ich mein Leben gestalte. Genau darum ging es ja auch der Patientin, von der ich erzählt habe! Sie hatte verstanden: Das Leben ist kurz und es ist klug, das in Angriff zu nehmen, was einem am Herzen liegt. Verschiebe das nicht auf eine Zeit, von der du gar nicht weiß, ob du sie noch erleben wirst.
This day is the first day of the rest of your life. Dieser Tag ist der erste Tag vom Rest Deines Lebens. Das stand auf einem Plakat, das ich mir als Jugendlicher in den 60er Jahren in meinem Zimmer aufgehängt hatte. Ohne es zu wissen hatte ich mir da Lebensklugheit ganz im Sinne der Bibel an die Wand gehängt. Heute weiß ich: da ist wirklich was dran!
Gott sei mit Ihnen an diesem Tag wünscht Ihnen Pfarrer Frank Küchler aus Krefeld.
Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen
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