Gott hat den Menschen die Ewigkeit ins Herz gelegt
Autor: Liebe Hörerinnen und Hörer, gestern, war Ewigkeitssonntag. Da haben Christen in vielen Gottesdiensten gemeinsam und öffentlich ihrer Verstorbenen gedacht.
Sie sind schon vorausgegangen, die Verstorbenen - und haben schon jetzt ihre Heimat in der Ewigkeit Gottes gefunden. Die Lebenden freilich sind durch ihren Tod ein wenig heimatloser geworden. Sind zurückgeblieben oder hinterblieben.
Ich finde es gut, dass der Sonntag nicht mehr Toten-Sonntag heißt, wie früher. Heute sagen wir: Ewigkeitssonntag. Das passt viel besser zur christlichen Hoffnung! Der Tod wird nicht das letzte Wort behalten. In dieser Gewissheit können Christen ihr Leben führen.
Umgangssprachlich heißt Ewigkeit so viel wie unendlich lange oder sehr lange. Meine Güte, das hat ja ewig gedauert, sagen wir, wenn uns jemand warten lässt.
In der Bibel meint Ewigkeit noch etwas anderes. Hören Sie mal diesen kurzen Abschnitt aus dem Buch des Predigers Salomo im Alten Testament:
Sprecherin: Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen. Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er den Menschen die Ewigkeit ins Herz gelegt. (Prediger Salomo, 3, 9-11)
Autor: Wir denken uns die Ewigkeit gewöhnlich als eine nicht endenwollende Zeitstrecke. Der Mensch ist darauf unterwegs. Und wenn diese Zeitstrecke doch einmal zu Ende sein sollte, dann schließt sich gleich wieder eine neue an und immer so weiter. Deswegen hat sich in christlichen Gottesdiensten die Redewendung von Ewigkeit zu Ewigkeit eingebürgert.
Beim Prediger Salomo ist es anders gedacht: der Mensch hat die Ewigkeit schon in sich. Sie ist Teil des Menschen, wohnt im Menschen. Sie gehört zur menschlichen Existenz dazu. Der Mensch hat einen Sensus, eine Antenne für die Ewigkeit, weil Gott in dafür empfänglich gemacht hat. Aber: der Tod gehört doch auch zum menschlichen Leben dazu. Ist das nicht ein Widerspruch? Hat der Prediger Salomo den Tod einfach verdrängt? Nein, der wusste sehr wohl etwas vom Tod und von der Vergänglichkeit des menschlichen Lebens. Alles ist eitel, und Haschen nach Wind
betont er immer wieder in seinem Weisheitsbuch.
Gott hat den Menschen die Ewigkeit ins Herz gelegt. Ich finde, das ist ein außerordentlich schöner und tröstlicher Gedanke! Die Verstorbenen, die wir beweinen, haben die Ewigkeit schon von Gott ins Herz gelegt bekommen. Auch denen, die traurig zurückbleiben, hat Gott die Ewigkeit ins Herz gelegt. Der Tod ist nur das, was wir vor Augen haben. Die Ewigkeit beginnt, wo unser zeitliches Leben auf dieser Erde beendet ist.
Ewigkeit das ist jetzt keine immer wieder verlängerbare Zeitstrecke mehr, die man mit menschlichen Maßen ausmessen könnte. Ewigkeit ist ein Leben jenseits von Raum und Zeit. Einen kleinen Vorgeschmack von Ewigkeit können wir aber schon jetzt bekommen! Wenn wir ganz vertieft sind in etwas. In eine Arbeit oder auch in ein Spiel, in der Meditation, im Gebet, in der Ekstase oder in der Sexualität. Wenn wir eins werden mit einem Menschen, oder einer Sache, die uns ganz in Anspruch nimmt. Wenn wir Zeit und Raum vergessen. Dann sind wir schon in der Ewigkeit! Wir können ahnen, dass Ewigkeit eine besondere, einzigartige Qualität des Lebens bezeichnet. Jetzt können wir sie nur momentweise erleben. Sie ist ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns in der Ewigkeit Gottes erwartet. Immerhin: dass wir diese Ahnung schon jetzt haben können, das ist möglich, weil Gott uns, seinen Menschen, schon die Ewigkeit ins Herz hinein gelegt hat.
Gott sei mit Ihnen an diesem Tag - wünscht Ihnen Pfarrer Frank Küchler aus Krefeld!
Gott hat den Menschen die Ewigkeit ins Herz gelegt
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