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Schöpferisch
Das ist Kunst, ist mein erster Eindruck, als ich das Zimmer von Alfred Kluge betrete. Ich mache immer wieder was neu, erklärt er, als er mein Staunen bemerkt.
Sein Zimmer ist eine einzige Installation. Und es scheint, als fühle Herr Kluge sich sehr wohl darin. Die Blume hängt da erst seit ein paar Tagen, erklärt er Und der Bock war von Anfang an da. Bock. Der Bock war von Anfang an da.
Überhaupt gehören die Geweihe in die Anfangszeit. Das ist ein Hirschgeweih, das der Widder. Alfred Kluge kann zu jedem Stück etwas berichten: Das Eichhörnchen ist echt und das ist der Christbaum, der war auch früh da.
Herr Kluge lebt in einer ev. Stiftung gemeinsam mit Anderen in einer Wohnung. Er geht ab und an zum Seniorentreff oder in den Chor. Er trommelt. Die meiste Energie aber steckt er in sein Zimmer. Eine Wand ist über und über behangen mit ganz unterschiedlichen Gegenständen. Darunter viele Geweihe.
Ich muss an eine Ausstellung denken, die das Bauhaus in Berlin vor vielen Jahren zeigte. Wie wohnen. Die Idee: Lebensstil und Werte spiegeln sich in dem, was an den Wänden hängt. Eine Wand, die für die Mitte des 20.Jahrhunderts stand, war über und über behangen mit Dürers betenden Händen. Eine Vitrine mit pastellfarbenen Exponaten stand für das Lebensgefühl in der Zeit des Wirtschaftswunders.
Alfred Kluge erzählt nicht viel von seiner Vergangenheit: Geboren ist er 1933 in Görlitz. Die Eltern hat er im Krieg verloren. Er musste fliehen, war im Lager, wurde eines nachts in einen Güterzug verfrachtet. In kurzen Hosen, betont er. Irgendwann hat der Zug angehalten und es hieß: Aussteigen du bist hier in Deutschland. An Wermelskirchen erinnert er sich dunkel, an das Kinderheim, an die Engländer, die ihm ein Spielzeugauto schenkten. An kurze Aufenthalte in Mönchengladbach und Bonn, bevor er nach Mettmann kam, in der Landwirtschaft arbeitete und sein erstes Geld verdiente.
Und schließlich irgendwann den Flohmarkt entdeckte. Die Möglichkeit, für wenig Geld etwas zu kaufen. Am Anfang war das nicht so einfach, erzählt ein Mitarbeiter. Herr Kluge konnte Neues erwerben, aber sich nicht von Altem trennen.
Heute wählt Alfred Kluge aus und stellt zusammen. Hier ist ein Blümeken, und da. Und da ist noch eins und da noch eins. Das Einzelne ist wichtiger als die Summe aller Teile. Herr Kluge zeigt mir jedes Teil: Das Hufeisen, das Häusken, der Elefant.
Und erinnert so an die biblische Schöpfungsgeschichte. Gott hat die Welt gemacht, indem er Ordnung geschaffen hat. Das Feste vom Wasser getrennt, das Licht vom Dunkel . Er hat- so erzählt sie- die Sterne aufgehangen und den Mond. Er hat allem einen Platz gegeben und einen Namen. Er hat die Menschen erschaffen mit ihren Talenten, auch dem, zu gestalten, kreativ zu sein, schöpferisch. Nach außen zu bringen, was im Inneren ist. Herr Kluge zeigt r, wie so etwas gehen kann.
Schöpferisch
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