Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

30.11.12; Pastorin Beate Raguse

Der andere Advent

Macht hoch die Tür: Haustüren, Fabriktore, Gartenpforten, Ladentüren – Millionen Türen hat unsere Stadt.

Wenn sie alle zugleich geöffnet würden, ginge ein Wind und ein Brausen durch die Häuser, dass nichts an seinem Platz bliebe. Wenn sie alle zugleich ins Schloss fielen, wäre der Knall kilometerweit zu hören. Wenn sie alle zugleich abgeschlossen würden, käme das öffentliche Leben vollständig zum Erliegen.

Millionen Herzen schlagen in unserer Stadt. Wenn wir sie alle hören könnten, wäre das ein nie endendes Konzert. Wenn sie alle zugleich verschlossen wären, dann würde die Stadt grau und kalt. Wenn sie sich alle zugleich öffneten, dann… Ja, dann?

Eine Kostprobe aus dem Adventskalender der anderen Art. Er beginnt morgen –also einen Tag vor dem ersten Advent- und endet am 6. Januar, dem Tag der Heiligen drei Könige. Statt Schokolade oder Plastikfigürchen gibt’s Fotos, Geschichten und Gedichte. Alles im DinA4 Format. Dazu eine CD mit sechs Liedern für die Sonntage.

Herausgegeben wird er vom ökumenischen Verein „Andere Zeiten“ in Hamburg. Der hat es sich zum Ziel gemacht, die Zeiten des Kirchenjahres wieder bewusster zu gestalten. Der Sinn der Feste soll auf diese Weise neu entdeckt werden. Auch jetzt im Advent. „Unsere Kampagne will in der oft hektischen Adventszeit ein Zeichen setzen. Weniger Einkauf, mehr Einkehr “, sagt Pastor Thomas Kärst. Und rennt damit offene Türen ein. Fast eine halbe Million Menschen - so schätzt das kleine Team aus Hamburg – hat zumindest den guten Vorsatz gefasst, den Advent mithilfe des Kalenders besinnlicher anzugehen.

Also zum Beispiel nicht „hoppla hopp“ am 1. Advent zu beginnen. Sondern mit einem kleinen Vorlauf. Das erste Motiv gibt’s am Samstag. Das Bild eines Dachbodens, auf dem eine Kiste mit Weihnachtssachen steht. Passend dazu eine kurze Erzählung einer Frau, die den Schmuck Stück für Stück herausholt und ihren Gedanken nachhängt. Und ein kurzer Sinnspruch: Wird ein Kind geboren, ist die Welt noch nicht fertig.

In den folgenden Wochen kommen Else Lasker-Schüler, Berthold Brecht und Hans Magnus Enzensberger genauso zu Wort wie Charlie Brown, Friedrich von Spee oder
Rainer Maria Rilke.

Wege nach innen, Wege zum andern, Wege zur Krippe sind die Adventswochen überschrieben. Danach gibt es kurze Anstösse und Informatives zu den Themen „Zwischen den Jahren“ und „Wege im neuen Jahr“. Weihnachten wird also nicht als Endpunkt verstanden, sondern eher als Höhepunkt, von dem aus es in den Alltag geht. Die Texte handeln von der Liebe, vom Staunen oder vom Finden einer kreativen Lösung. An Sylvester fordert Friedrich Hölderlin auf: So komm, das wir das Offene schauen. Dass ein Eigenes wir suchen, so weit es auch ist.

Preislich liegt der empfehlenswerte Kalender mit 8 Euro plus Versandkosten irgendwo zwischen Milka und Lindt. Zu bestellen übers Internet www.anderezeiten.de.

 

Audiobeitrag Der andere Advent


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