Endlich
Irgendwann ist Schluss. Mit Allem. Nicht das, dass das jetzt so wirklich neu wäre, aber wirklicher ist es durch den viel zu frühen Tod eines Kollegen schon geworden.
Irgendwann ist Schluss. Und dann bin ich tot. Erst mal. Dann bin ich tot. Nicht die Anderen. Ich. Mein Leben wird ein Ende haben.
Und das rückt näher mit jedem Tag. Mal so biologisch gesehen. Aber was heißt das schon. Der Kollege starb viel zu früh. Einfach so. Er ist einfach nicht mehr aufgewacht. Und was heißt das jetzt? Klar: In aller Regel kommt an dieser Stelle: Fragen Sie sich, was Ihnen wirklich wichtig ist: für alles haben Sie sowieso keine Zeit.
Der Psalm Beter sagt: Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf das wir klug werden. (Ps.90.12).
Stimmt ja. Nur: im Alltag? Bedenken, das wir sterben müssen? Ich meine: und das, ohne depressiv zu werden der Winter steht vor der Tür. Wie soll das gehen? Nach Möglichkeit immer alles vom Ende her zu sehen? Ein weiterer Lebensoptimierungsanspruch? Ich kann das nicht. Na ja, ehrlicher heißt das: Ich will das nicht. Ich will nicht nur weil ich sterben muss und dann erst einmal tot sein werde, alles vom Ende her sehen.
Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf das wir klug werden.
Später. Will ich das ja bedenken. Aber doch nicht jetzt. Ich bin beschäftigt mit dem Leben vor dem Tod. Mit Fülle und Mangel und Liebe und Trauer, mit Wut und Verzeihen, mit Angst und Vertrauen: mit Leben eben. Allerdings: bei Licht und einem Augenblick Ruhe betrachtet: Ende ist ja irgendwie immer. Anfang auch.
Nichts kehrt genauso wieder. Keine Stunde, keine Sekunde, nichts. Kein Kuss, kein Schmerz. Nichts. Veränderung ist nicht aufzuhalten. Sowenig wie der Tod. Und das Leben.
Also: mich auf das - möglichst pralle Leben zurückzuziehen dem Tod und dem Wissen darum, dass irgendwann wirklich Schuss ist, zu sagen: warte! Funktioniert nicht wirklich.
Weil ja ständig Schluss ist mit dem, was gerade noch war. Und etwas Neues da ist. Vielleicht ähnlich. Nie gleich.
Der Kirchenvater Augustinus hat gesagt: Ewigkeit ist das Jetzt. Findet jetzt statt. Vielleicht heißt das klug werden wie der Psalm Beter schreibt: Das Jetzt zu leben. Mitzubekommen. Wahrzunehmen. Mein jetzt. Eigentlich ist die Tatsache, dass - genau betrachtet jedes jetzt nur einmal stattfindet kaum zu ertragen. Kein Wunder, dass ich wie wohl ziemlich viele Menschen mit den Gedanken beim dem bin, was gestern war oder morgen sein wird. Mit den Gedanken. Und dann mit den Gefühlen. Dabei: alles passiert immer nur jetzt.
Der Psalm Beter erbittet Gottes Hilfe: Herr lehre uns bedenken, dass wir sterben, auf das wir klug werden. Also leben. Vor dem eigenen Tod. Heute. Jetzt. Mit Gottes Hilfe.
Endlich
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