Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

28.11.12; Bernd Tiggemann

Wechselgeld

Ich steh am Hauptbahnhof und muss den Zug wechseln. Vorher flitze ich noch eben schnell beim Bäcker vorbei, suche mir was Leckeres aus und zahle mit einem 20-Euro-Schein.

Erst als das Portmonee wieder an Ort und Stelle sitzt, zucke ich unwillkürlich zusammen: kann es sein, dass mir die freundliche Bäckereifachverkäuferin zuviel Wechselgeld in die Hand gedrückt hat?

Ich bin schon fast wieder am Bahnsteig, bleibe stehen und sehe nach. Tatsache: Sie hat mir 17 Euro Wechselgeld rausgegeben und den 20er, den ich ihr gegeben hatte, gleich dazu. Ich stecke das Geld wieder weg und fange an nachzudenken. Ich könnte das Geld einfach behalten. Nee, besser nicht, meldet sich Teil 1 von meinem Gewissen. Doch, sagt Teil 2. Nein, doch, nein, doch ....

Während ich noch nachdenke fällt mir auf, dass ich auf dem Weg zurück zum Bäcker bin. Meine Beine haben sich quasi selbstständig gemacht. "Hier, bitte schön", sage ich. "Sie haben mir 20 Euro zuviel rausgegeben". Zuerst stutzt die Verkäuferin. Dann bekommt sie leuchtende Augen, freut sich total und erzählt allen ihren Kolleginnen, was gerade passiert ist.

"Wie unheimlich", denke ich auf dem Weg zurück zum Bahnsteig. Ich bin wahrscheinlich die erste Person, deren Beine ehrlicher sind als der Kopf. Aber auf der anderen Seite auch schön. Da bekommt das Bibelzitat "... Gott beflügelt meine Schritte" eine völlig neue Bedeutung.

Sprecherin: Alexa Christ

 

Audiobeitrag Wechselgeld


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