Pfarrer ohne Arme missioniert in Taiwan
Autorin: Jetzt missioniert er wieder in Taiwan. Rainer Schmidt. Der Mann ohne Arme und mit nur einem Bein.
Mehrfacher Olympiasieger in Tischtennis bei den paralympischen Spielen und Pfarrer der ev. Kirche im Rheinland:
O-Ton: Mir begegnet tatsächlich immer wieder das theologische Motiv: Behinderung passt nicht mit dem Glauben an Gott zusammen. Hat mich der liebe Gott bestraft, weil ich behindert bin.
Autorin: Bereits 2009 ist Rainer Schmidt schon einmal in Taiwan gewesen, Eingeladen worden war er von einer Taiwainesin , die in Marburg lebt und seine Bücher übersetzt hatte.
O-Ton: Für mich gehört Krankheit und Behinderung zur natürlichen Geschöpflichkeit des Menschen und das habe ich theologisch dann deutlich formuliert und das fand sie so wichtig, dass sie sagte: Das ist die Botschaft, die wir in Taiwan brauchen.
Autor: Sie hat dann beide Bücher übersetzt und Rainer Schmidt nach Taiwan eingeladen. Damals feierte die Kirche zehnjähriges Jubiläum von einem Wachstumsprogramm. Sie hatten die Zahl ihrer Kirchenmitglieder in nur zehn Jahren verdoppelt. Eingeladen hatte sie den eher kontemplativen Anselm von Grün:
O-Ton: und mich mehr als den Showmenschen, der die Emotionen anspricht und dann habe ich acht Tage lang Veranstaltungen gemacht, wo zwischen 600 und 3600 Menschen da waren in großen Kirchenräumen, in Kinosälen, in Universitätshallen, mit sehr viel Werbung, und mit sehr aufgeschlossenen, netten Menschen, die mit mir gesprochen, geweint , gelacht haben.
Autor: Für Rainer Schmidt gibt es viel Arbeit in Taiwan. Amerikanische Prediger ziehen dort durch die Lande und verkündigen:
O-Ton: Behinderung und Krankheit ist Übel. Gott will nicht das Übel für Menschen, also will Gott keine Krankheit, keine Behinderung. Wenn du nur stark genug glaubst, wirst du geheilt. Das glaube ich gar nicht. Ich sage, nee, das ist davon unabhängig, dein Glaube kann stark sein, auch wenn du jetzt gerade gebrechlich bist.
Autorin: Besonders berührt hat ihn die Begegnung mit einer Familie in Taipeh. Sie hatten einen fünfjährigen Sohn bei sich, der spastisch gelähmt war und im Rollstuhl saß. Sie kamen nach der Veranstaltung zu ihm. Der Vater hob seinen Sohn aus dem Rollstuhl und sagte etwas auf chinesisch. Die Dolmetscherin übersetzte:
O-Ton: Er möchte, dass du ihm die Hände auflegst, die ich ja gar nicht habe. Ich sag: Ich kann ihn nicht heilen, da sagte die Dolmetscherin dann ganz empört: Nein, nein, nein! Du sollst ihn nicht heilen. Du sollst ihn segnen. Das hätte ihm am besten gefallen. Mein Sohn muss nicht gesund werden. Er kann trotzdem gesegnet sein. Die Mutter hatte dann Tränen in den Augen, ich hatte auch Tränen in den Augen. Das war eine ganz außerordentliche Begegnung.
Autorin: Allein die Tatsache, dass Rainer Schmidt sich so zeigt, wie er ist, hat für viele eine ermutigende Wirkung. Dass er sich nicht schämt, dass er zu sich steht zu seinen kurzen Armen und sagt, dass auch Gott zu ihm stehe:
O-Ton: Ich stehe da völlig normal mit meinen kurzen Armen, mit meiner sichtbaren Grenze und ich rede auch noch darüber, ich zeige sie, ohne mich zu schämen. Und genau das passiert dann bei den Menschen. Sie begreifen: Wenn der das kann, muss ich mich nicht mehr schämen. Ich muss nicht der Beste der Welt werden.
Autorin: Wenn Pfarrer Rainer Schmidt bei kirchlichen Veranstaltungen in Taiwan auftritt, gibt es aber nicht nur Theologie, sondern auch eine Tischtennisshow
O-Ton: wo sehr viel gelacht wird, und wo ich noch mal mit Humor z.B. so einen ganz kurzen Aufschlag, der springt dann über`s Netz und kommt wieder zurück auf meine Seite und den kriegt so ein Mensch natürlich gar nicht und ich guck dann immer empört rüber und sag dann: Warum kannst Du den nicht spielen, sind deine Arme zu kurz?
Autorin: Pfarrer Rainer Schmidt macht gerne seine Späßchen. Auch in Taiwan. Sein Motto: Gott liebt dich so wie du bist mit Arm oder ohne Arm Hauptsache nicht arm dran.
Pfarrer ohne Arme missioniert in Taiwan
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