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Marco und das Beten
Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer! Darf ich mir heute ein Gebet aussuchen? Ich spreche es aber alleine.
Unser dreieinhalbjähriger Sohn Marco spricht seit einigen Wochen beim Abendessen das Tischgebet. Jedenfalls meistens. Gestern Abend hörten wir: Alle guten Gaben, alles was wir haben, kommt, o Gott, von dir, wir danken dir dafür. Dann reichte Marco uns die Hände: Guten Appetit. Natürlich, werden Sie vielleicht jetzt denken, liebe Hörerin, lieber Hörer natürlich geht es in einem Pfarrhaus so zu, dass schon die Kleinkinder die Gebete sprechen.
Weit gefehlt! Weder mein Mann noch ich haben dazu allzu viel beigetragen. Marco kam eines Tages selbst mit diesem Wunsch nach Hause. Er hat die Idee aus dem Kindergarten mitgebracht. Der gehört zu unserer Kirchengemeinde. In Marcos Gruppe beten die Kinder abwechselnd vor dem gemeinsamen Mittagessen. So lernen sie von klein an: Es ist nicht selbstverständlich, etwas zum Essen zu haben. Und deshalb ist es gut, sich bei Gott dafür zu bedanken.
Ich finde es gut, dass Kinder so selbstverständlich in den christlichen Glauben hineinwachsen können. Mit der Taufe eröffnet Gott schon den Allerkleinsten eine Beziehung zu ihm. Er streckt ihnen seine Hand entgegen. Im Kindergarten, in der Familie vielleicht auch im Kindergottesdienst - lernen die Kinder, diese Beziehung mit Leben zu füllen. Kinder hören gern die Bibelgeschichten von dem kleinen Hirtenjungen David, der den Riesen Goliath besiegt, von den vielen Tieren auf der Arche, die zusammen mit Noah und seiner Familie vor dem großen Wasser gerettet werden, von Jona, der im Bauch des Wales überlebt. Sie gehen richtig mit. Freuen sich, wenn der Riese besiegt ist, zählen die verschiedenen Tierarten auf, die auf die Arche gehen oder leiden mit wenn Jona von den Seeleuten über Bord ins Meer geworfen wird.
Und auch Rituale sind beliebt bei Kindern: So wie die tägliche Gute-Nacht-Geschichte wird auch das tägliche Gebet ganz selbstverständlich Teil ihres Alltages. Manchmal beneide ich meinen Sohn und seine Kindergartenfreunde. Wie leidenschaftlich und unvoreingenommen sie in den Glauben hineinwachsen. Vorbilder für mich. Vielleicht hat Jesus deshalb einmal gesagt:
Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes. (Lukas 18,16)
Ich kenne Eltern, die haben durch ihre Kinder das Beten wieder neu gelernt, oder überhaupt erst gelernt. Und sie haben die Erfahrung gemacht: Das Gespräch mit Gott und das Danke sagen ist gut und wichtig für mich selbst und für meine Familie. Es müssen nicht lange theologische Aufsätze sein, die einen Menschen dem Glauben näherbringen. Oft sind die kleinen alltäglichen Rituale viel besser geeignet, den Glauben zu verstehen. Liebe Hörerin, lieber Hörer, ich freue mich schon auf das heutige Abendessen wenn die Frage ertönt: Darf ich mir heute ein Gebet aussuchen? Und vielleicht singt uns Marco dann die erste Strophe des Liedes vor: Du hast uns deine Welt geschenkt, den Himmel, die Erde, du hast uns deine Welt geschenkt. Herr wir danken dir. Auch singend kann man beten.
Gott befohlen! Aus Augustdorf grüßt Sie Ihre Pfarrerin Johanna Krumbach.
Marco und das Beten
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