Das Wunder in der Cocktailtomate
Jetzt zeige ich Euch etwas, was noch nie ein Mensch vorher gesehen hat, verkündet mein Opa lautstark beim Abendessen.
Oma und ich sind da skeptisch was soll auf unserem Esstisch schon groß zu entdecken sein.
Meine kleine Nichte dagegen macht große Augen und platzt fast vor Neugier. Mit ernster Miene nimmt Opa eine Cocktailtomate und schneidet sie in der Mitte durch. Wir warten. Und warten .... Nichts passiert. Opa schaut uns triumphierend an. Die Augen meiner Nicht werden noch größer.
Das Innere dieser Tomate, ruft Opa dramatisch, hat noch kein Mensch vorher gesehen. Oma schüttelt den Kopf, die kennt Opas Ideen schon was länger. Nicht so meine Nichte. Die findet das alles wahnsinnig aufregend und exklusiv und will voll Entdeckerstolz gleich alle Tomaten aufschneiden.
Abends denke ich nochmal darüber nach und jetzt beneide ich meinen Opa und meine Nichte fast ein bisschen. Um ihre Fähigkeit, Wunder im Kleinen zu entdecken. Zum Beispiel in einer Cocktailtomate. Mir fällt ein Gebet von Rainer Maria Rilke ein. Ich glaube, das sage ich jetzt öfters:
Eins lass mich behalten: Den Blick in Deine Sterne, dass ich das Händefalten, Hoffen und Staunen nicht so ganz verlerne.
Sprecherin: Alexa Christ
Das Wunder in der Cocktailtomate
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