Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

31.10.12; Pfarrer Eugen Eckert

Ein Kampflied gegen den Tod (zu eg 362, „Ein feste Burg ist unser Gott“)

1. Musik: - Autor: „Ein feste Burg ist unser Gott“ - DIE Hymne der Protestanten. Über Generationen hinweg.

Heute, am Reformationstag, wurde und wird sie wieder in den Gottesdiensten landauf, landab gesungen. Martin Luther hat den Choral geschrieben. In früheren Jahrhunderten präsentierte man den ehemaligen Mönch und Erneuerer bei den Reformationsfesten als Volkshelden. Die Protestanten feierten für sich – und grenzten sich damit von den katholischen Nachbarn ab.

Sprecherin: Heute gehen die evangelischen Kirchen weltweit auf ein großes Reformationsjubiläum zu. 2017 jährt sich zum 500. Mal der Tag, an dem der Mönch Martin Luther in Wittenberg seine 95 Thesen gegen den Missbrauch des Ablasses veröffentlichte. Dies gilt als Beginn der Reformation.1 500 Jahre später lädt die evangelische Kirche zu einem Fest ein, das - anders als in früheren Zeiten - geprägt sein soll „von Offenheit, Freiheit und Ökumene“2 .

Autor: Denn ein halbes Jahrtausend nach ihrem Beginn zeigt sich rückblickend: Von der Reformation ging eine Kraft aus, die die Welt veränderte. In alle Lebensbereiche hinein reichte diese Kraft: in Kirche und Theologie, Musik und Kunst, Wirtschaft und Soziales, Sprache und Recht. Heute fragen sich viele: Macht sie überhaupt noch Sinn, diese Unterscheidung zwischen evangelischer und katholischer Kirche? Verbindet die beiden nicht mehr als sie trennt? Und kann man in den Ursprüngen der Reformation nicht auch manches entdecken, das die beiden großen Konfessionen einander näher bringt? Aber halt: Noch sind wir bei den Unterschieden. Gehen wir zurück in die Zeit Luthers. Da war „das Singen schon früh ein Markenzeichen der Lutherischen – und eine der schärfsten Waffen der Reformation“3. Die Magdeburger Chronik von 1524 zum Beispiel enthält dazu den folgenden Bericht:

Sprecherin:  „Im selben Jahr…ist ein alter Mann, ein Tuchmacher, bei dem Denkmal des Kaisers Otto gestanden und hat hier die ersten geistlichen Lieder feilgehabt, als ‚Aus tiefer Not schrei ich zu dir’ und ‚Es wolle Gott uns gnädig sein’ und hat solche den Leuten vorgesungen. Da ist der alte Bürgermeister Hans Rubin von St. Johannis aus der Frühmesse kommen und hat gesehen, dass viele Menschen um den Mann herum standen. Da hat er seine Knechte gefragt, was da wäre. Hat einer, Kustos genannt, ihm geantwortet: ‚Es stünde da ein loser Bube, der hätte Luthers ketzerische Gesänge feil und singe sie dem Volk vor’. Da hat der Bürgermeister befohlen, dass sie den Mann ins Gefängnis setzen sollten; welches von Stund an geschehen ist. Als das den Leuten zu Ohren kam, haben sich fast 200 Bürger vor dem Rathaus versammelt und für den Mann gebeten, dass er möchte seines Gefängnisses entledigt werden, da die Stadtknechte ihn hätten böslich gegen den Bürgermeister angegeben. Da hat man den armen Mann aus dem Gefängnis losgelassen.“4

2. Musik:
Sprecher: (Overvoice)

Ein feste Burg ist unser Gott,
ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not,
die uns jetzt hat betroffen.
Der alt böse Feind
mit Ernst er’s jetzt meint;
groß Macht und viel List
sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen.

Autor: Kampf um Lieder! Kampf mit Liedern! Ich bin davon überzeugt, dass sich die Reformation weder durchgepredigt, noch durchgeschrieben, sondern durchgesungen hat. Luther, dem als Mönch das Singen der Psalmen vertraut war, war der erste bedeutende Komponist und Textdichter von Kirchenliedern. Dabei entdeckte er das Lied als wirkungsvolles Transportmittel für seine Inhalte erst spät. Fast vierzig Jahre war er alt, als er im Sommer 1523 in seinem ersten Lied, dem Protestsong "Ein neues Lied wir heben an“, das Entsetzen und seine Empörung über die öffentliche Hinrichtung von evangelischen Predigern bekannt machte. Die zehnstrophige Ballade erzählt von zwei reformatorisch gesinnten Augustinermönchen. Sie starben in den Flammen des Ketzergerichts von Brüssel, weil sie nicht zum Widerruf bereit waren. Diese Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer – Luther hatte das Lied auf Flugblätter drucken lassen, vor allem aber wurde es nun singend, von Mund zu Mund weitergegeben. Auch wer nicht lesen konnte, war mit einem Mal informiert und konnte die Inhalte aufnehmen und weitertragen.

Sprecherin: Luther selbst war durchaus mitverantwortlich dafür, dass seine Lieder wie Waffen benutzt wurden. Die Atmosphäre jener Jahre war vergiftet. In den Konflikten zwischen Protestanten und Katholiken ging es auch um rivalisierende militärische Bündnisse oder den Widerstand gegen die "unbedingten Unterwerfungsforderungen" durch den Papst. In dieser Atmosphäre schloss Luther seine Vorrede zum Leipziger Gesangbuch von 1545 mit den Worten ab: „Gott gebe, dass damit dem Römischen Papst, der nichts als Heulen, Trauern und Leid in aller Welt angerichtet hat durch seine verdammten, unerträglichen und leidbringenden Gesetze, großer Abbruch und Schaden geschehe. Amen“5.

3. Musik:
Sprecher: (Overvoice)

Mit unsrer Macht ist nichts getan,
wir sind gar bald verloren;
es streit’ für uns der rechte Mann,
den Gott hat selbst erkoren.
Fragst du, wer der ist?
Er heißt Jesus Christ,
der Herr Zebaot,
und ist kein andrer Gott,
das Feld muss er behalten.

Autor: Wahrscheinlich im Jahr 1529 dichtete und komponierte Martin Luther mit dem Choral „Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen“ das Lied, das durch Generationen für die „Hymne der Reformation“6 gehalten wurde. Kaum war das Lied erschienen, kam es zu katholischen Gegenreaktionen. Vom Grafen von Mansfeld etwa, der bereits 1531 starb, ist der Satz überliefert: „Ich will die Burg brechen oder nicht leben“.

Was das Lied von Anfang an so erfolgreich machte? Das weiß in unserer Gegenwart der katholische Germanist und Theologe Hermann Kurzke in seinem Aufsatz „Kirchenlied und Psychoanalyse“ zu würdigen. Er schreibt: Luthers „Ein feste Burg“ gibt dem Menschen, der es singt, Souveränität und Identität. Ich gehöre zu einer Gemeinschaft, wenn ich mitsinge. Zu denen, die gemeinsam gegen den Feind stehen und einander zurufen: „Ein feste Burg ist unser Gott!"7.

4. Musik:

Sprecherin: Keinesfalls ahnen konnte Luther allerdings, dass sein Lied im Lauf der Jahrhunderte nicht nur „zu konfessionellen Kämpfen herangezogen wurde, sondern ebenso in gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzungen funktionalisiert werden sollte“8. Michael Fischer, kommisarischer Leiter des Deutschen Volksliedarchivs in Freiburg, schreibt: „Der Choral wurde vielfach verwendet, verändert, parodiert…Man wandte sich mit dem Lied gegen Katholiken und Calvinisten…Der Gesang wurde in den Befreiungskriegen gegen Frankreich und Napoleon aktiviert; im beginnenden 20. Jahrhundert diente das Lied als Kriegspropaganda: Es wurde im Ersten Weltkrieg als ‚Trutzlied’ im Kampf gegen Frankreich, England und Russland missbraucht“9.

Autor: Dazu dichtete man das Lied einfach um. Im beginnenden 19. Jahrhundert hatten die neu gedichteten Strophen zum Ziel, Kämpfer zu mobilisieren: Soldaten für die militärischen Auseinandersetzungen mit dem napoleonischen Frankreich. Diese Kämpfe wurden als „Befreiungskriege“ gedeutet. Und deshalb sang man den Choral mit folgendem neuen Text:

Sprecherin:
„Ein feste Burg ist unser Gott;
Auf, Brüder, zu den Waffen!
Auf! Kämpft zu Ende alle Noth,
Glück, Ruh der Welt zu schaffen
Vor’m argen Feind,
Der schlecht es meint!
Sein’ Rüstung ist
Gewalt und List:
Die Erd’ hat nicht seins Gleichen“10

5. Musik:

Autor: Doch nicht nur zur Kriegshymne wurde das Lied umgeschrieben. Der Dichter Heinrich Heine bezeichnete „Ein feste Burg ist unser Gott“ als die „Marseiller Hymne der Reformazion“11. 1834 war das. In seiner Schrift „Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland“ erhob Heinrich Heine Luthers Choral zu einem Kulturgut für die politische Linke. Der Dichter würdigt Luther als den durch Gott dafür ausersehenen Mann, durch den „so großes für das deutsche Volk geschehen“. Heine meint damit die Freiheit der Gedanken, aber auch die der Worte. Luther, so schreibt Heine, „gab uns nicht bloß die Freyheit der Bewegung, sondern auch das Mittel der Bewegung, nämlich die deutsche Sprache“12. Tatsächlich wurde Luthers kraftvolle und lebensnahe Übersetzung der Bibel für Jahrhunderte zur Grundlage einer gemeinsamen deutschen Sprache von der Ostsee bis zu den Alpen. Er kleidete seine Gedanken in eigenwillige Ausdrücke. Er schuf poetische Bilder und erfand neue Wortspiele, die wir bis heute gebrauchen. Wortschöpfungen wie Feuertaufe, Bluthund, Lästermaul oder Lockvogel gehen genauso auf Luther zurück wie die Metaphern 'Perlen vor die Säue werfen', ein 'Wolf im Schafspelz' oder 'ein Buch mit sieben Siegeln'.

Sprecherin: Nicht nur Heinrich Heine sah in Luthers Lied eine Verbindung von Reformation und Revolution. Auch die deutsche Widerstandsbewegung von 1848/49 griff auf Luthers Choral zurück und unterstützte damit ihren Ruf nach politischer Freiheit, Aufhebung der Pressezensur und der Befreiung der Bauern von den Restaurationsbestrebungen der europäischen Herrschaftshäuser. Erneut wurde "Ein feste Burg ist unser Gott" umgedichtet. Auf dem Weg von der Märzrevolution zur ersten Nationalversammlung 1848 in der Frankfurter Paulskirche sangen die Freiheitskämpfer:13

Autor: Ein’ feste Burg ist Mannesmuth
Für Freiheit, Wahrheit, Tugend!
Dran setzen freudig Gut und Blut
Das Alter wie die Jugend. –
Wir schwören All’ den Eid
In Lieb’ und Einigkeit:
Heilig, heilig sei,
Ja heilig uns die Drei:
Die Freiheit, Wahrheit, Tugend!

6. Musik:

Autor: Ich kenne kein anderes Lied, das durch die Jahrhunderte derart gebraucht – und vor allem missbraucht worden ist. Zu den schlimmsten Verirrungen zählt sicher seine militärische Vergewaltigung. Der Oldenburgische Pastor Otto Schlißke schreibt dazu in seinem „Handbuch der Lutherlieder“ von 1948:

Sprecherin: „Am 1. August 1914 bei der Kundgebung vor dem Ausmarsch der Berliner Truppen wurde von der Volksmenge das Lutherlied gesungen. Das ist, meines Wissens, das erste Mal, dass dies Lied als nationaler Gesang angestimmt wurde. Im Weltkrieg soll es dann wiederholt von Soldaten als vaterländischer Kampfgesang angestimmt worden sein“.

Autor: Und dann zitiert Schlißke einen englischen Soldaten mit den Worten:

Sprecherin: „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie schrecklich es ist, die Maschinengewehre auf ein Regiment zu richten, das mit dem Gesang des Lutherliedes heranstürmt“14.

Autor: Bis heute ist in viele Köpfe tief der Gedanke eingegraben, der Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“ sei ein Kampflied, geradezu eine Waffe angesichts eines Feindes, gegen den man sich zur Wehr setzen muss und kann. Und dieser Feind trug im Lauf der Jahrhunderte unterschiedliche Namen. Die Frage allerdings ist: Welchen Feind hatte Luther eigentlich vor Augen? Es ist überhaupt nicht bewiesen, dass Luther sein Lied gegen den Papst und die Katholiken geschrieben hat. Eine ganz andere Deutung ist möglich. Hierzu müssen wir zurückgehen an die Quelle, an den Ursprung des Liedes. Was hatte Luther damals erlebt, als er die Strophen dichtete? Was bewegte ihn, welche Gefühle und Erfahrungen hat er in dem Lied verarbeitet? Otto Schlißke beschreibt diese Lebensphase des Reformators so:

Sprecherin: „Am 7. Juni 1526 wurde [Martin Luther] (…) von seiner Käthe sein erstes Kind Hans geboren, zehn Tage später trat bei ihm zum ersten Male sein qualvolles Steinleiden auf. Im Jahr 1527 kam ein neues Leiden hinzu. Es überfielen ihn heftige Beklemmungen infolge Blutandranges zum Herzen, die ihn, wie [Luthers Freund] Spalatin schrieb, beinahe töteten. Ein Halbjahr später, am 6. Juni 1527, kam ein neuer Anfall, jetzt mit schweren inneren Anfechtungen verbunden. Um 8 Uhr morgens ließ er [seinen Wegbegleiter und Mitreformator Johannes] Bugenhagen zu sich bitten. Er beichtete vor ihm und begehrte Absolution und Trost aus Gottes Wort“15.

Autor: Es ist bewegend zu lesen, wie Luther seine Lage in dieser Zeit selbst sieht:

Sprecherin: „Viele denken, weil ich mich unterweilen in meinem äußeren Wandel fröhlich stelle, ich gehe auf eitel Rosen, doch nur Gott weiß, wie es um mich stehet meines Lebens halber“16.

Autor: Am 2. August 1527 notiert Luther sinngemäß: Ich bin erneut die ganze Woche krank gewesen und zittere noch jetzt in den Gliedern. Fast habe ich Christum ganz verloren. Ich war umhergetrieben von den Fluten der Verzweiflung, aber Gott hat sich meiner erbarmt und meine Seele aus der Tiefe der Hölle gerissen.

Zeitgleich mit seiner scheinbaren Gesundung erreichte die Pest Wittenberg. Die Universität siedelte nach Jena um. Der Professor Luther aber ging nicht mit. Am 10. August richtete der Kurfürst an Luther den dringenden Appell, mit seiner Familie ebenfalls nach Jena zu flüchten. Doch Luther blieb. „Ein guter Hirt“, schrieb er zurück, „lässt sein Leben für die Schafe, aber ein Mietling lässt den Wolf kommen und fleucht“17. Tatsächlich dauerte die Erkrankung Luthers an: Am 21. August dankte er der Eislebener Gemeinde für ihre Fürbitte mit den Worten:

Sprecherin: „Der Satan selbst wütet mit aller seiner Macht gegen mich…er versucht mich mit wundersamer Schwäche des Geistes, aber durch die Gebete der Heiligen werde ich nicht seinen Händen belassen, wenn auch die Wunden, die mein Herz empfangen hat, schwer heilen mögen“.

Autor: Im Oktober 1527 hielt die Pest auch Einzug in Luthers Haus. Die Frau des Arztes Schurf, die mit ihrer Familie dort wohnte, erkrankte zuerst, dann seine Hausgenossin Margarethe von Mochau. Am 2. November stand Luther am Sterbebett einer weiteren Mitbewohnerin, der Frau von Diakon Rörer. Auch ihr Kind, das sie unter dem Herzen trug, war nicht zu retten. In der Folge zitterte Luther um seine Frau, die ebenfalls schwanger war. Am 4. November erkrankte sein Wegbegleiter Bugenhagen. „Zur selben Zeit war Luther dem Tod nahe und sein (Hänschen) [kleiner Sohn Hans] so elend, dass man um das Kind in großer Sorge war“18.

7. Musik:
Sprecher: (Overvoice)
Und wenn die Welt voll Teufel wär
und wollt uns gar verschlingen,
so fürchten wir uns nicht so sehr,
es soll uns doch gelingen.
Der Fürst dieser Welt,
wie sau’r er sich stellt,
tut er uns doch nicht;
das macht, er ist gericht’:
ein Wörtlein kann ihn fällen.

Autor: Nach schwerster eigener Erkrankung und schmerzlichsten Grenzerfahrungen am Sterbebett von geliebten Menschen schreibt Martin Luther nun seinen Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“. Über den Text setzt er ein lateinisches Zitat aus Psalm 46: „Deus noster refugium et virtus“. Das heißt übersetzt:

Sprecherin: „Gott ist uns Zuflucht und Schutz“19 Oder, in seiner, in Martin Luthers eigener Übersetzung: „Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben“20.

Autor: Für mich es schwer vorstellbar, dass Luther angesichts solcher Erfahrungen dieses Lied als „Hymne des Protestantismus“ geschrieben hat. Oder gar als Kampflied gegen Katholiken oder Menschen aus anderen Völkern und Kulturen.

Sprecherin: Sein Choral kreist um die Grenzerfahrungen, die er gemacht hat. Um seine Begegnung mit dem alt bösen Feind, dem Tod. Der meint es immer ernst, wenn er seine Hand nach uns Menschen ausstreckt. Der Tod mit all seinen teuflischen Helfern, ob es um Krebserkrankungen geht oder die Zerstörung von Persönlichkeiten durch Demenz, hat unwiderstehliche Macht über uns und findet viele grausame Wege, uns Schmerzen zu bereiten, das Leben ständig zu bedrohen und es uns manchmal zur Hölle zu machen. „Groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist, auf Erd ist nicht seinsgleichen“21.

Autor: Dramatisch beschreibt Luther die menschliche Ohnmacht und Verlorenheit angesichts des Todes. Glasklar spricht er es aus: Die Wahrheit ist: Wir sind ausgeliefert. Wir können nichts festhalten. Uns wird alles aus der Hand genommen: „Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib: lass fahren dahin, sie haben’s kein Gewinn, das Reich muss uns doch bleiben“.

Sprecherin: Dennoch endet das Lied von der festen Burg nicht trostlos. Im Gegenteil! Unserer Ohnmacht – so Luther – steht die Macht Gottes entgegen. Mit seinem Lied, das inzwischen fast 500 Jahre alt ist, versucht Martin Luther Vertrauen zu wecken. Er singt uns seine eigene Glaubenszuversicht entgegen: Gott ist unsre Zuflucht in aller Not. Und uns behütet Gottes Segen.

8. Musik:

Autor: „Ein feste Burg ist unser Gott“. Kein Kriegslied. Sondern ein Kampflied gegen den Tod. Der Schlüssel zur Reformationshymne ist das Schicksal Luthers und seiner Lieben in Zeiten der Pest. Probieren Sie diesen Schlüssel aus. Hören Sie die Musik und versuchen Sie, dabei den Ballast der Jahrhunderte abzuschütteln. Es lohnt sich. Wenn dieser Schlüssel passt, können alle miteinander von dieser Hoffnung auf Gottes Hilfe singen: Protestanten und Katholiken, Christinnen und Christen aller Konfessionen und alle, die diese Hoffnung in sich tragen.

9. Musik:

Autor: Damit geht nun die geistliche Sendung zum Reformationstag zuende. Sie hörten einen Beitrag der evangelischen Kirche. Mein Name ist Eugen Eckert. Ich verabschiede mich von Ihnen mit einer Neudichtung des Psalms 46:

10. Musik:

Sprecherin: Als Hilfe in so mancher Not
kam Gott uns schon entgegen
Wo Schutz und Zuflucht sich uns bot,
da spürten wir, wie Segen
erfahrbar ist und uns umgibt,
wie eine nahe Macht uns liebt.
Wir sind in Gott geborgen.

Das zählt, in einer Welt, die wankt,
in der die Mächte toben.
In einer Zeit, die Mut verlangt,
sind wir gut aufgehoben
in Gottes Burg, in Gottes Stadt,
die Wohnungen und Brunnen hat.
Wir sind in Gott geborgen.

Und darum fürchten wir uns nicht
und gehn nicht auf in Sorgen.
Mit jedem Tag, der neu anbricht,
mit jedem frühen Morgen
lässt Gott sich finden, ist Gott da
und sagt zu unserm Leben Ja.
Wir sind in Gott geborgen.22

Anmerkungen:
1 www.luther2017.de/7427-die-lutherdekade-luther2017-500-jahre-reformation
2 Ebda.
3 www.luther2017.de/18573-protestlieder-und-psalmgesaenge-luther-als-musiher?contid_18
4 Otto Schlißke, Handbuch der Lutherlieder, Göttingen 1948, S. 36, Zitat leicht verändert
5 Martin Luther Werke V, Hg. Karin Bornkamm und Gerhard Ebeling, Frankfurt a.M. 1983, S. 285
6 Evangelische Orientierung, 1/2012, Bensheim, S.10
7 Hermann Kurzke, Kirchenlied und Kultur, Tübingen 2010, S. 27
8 Michael Fischer, Ein feste Burg ist unser Gott – Demokratische, nationale und liberale Deutungen, S.1f
9 Ebda,
10 Michael Fischer, S. 10
11 Ebda. S. 11
12 Ebda.
13 Ebda. S. 13
14 Schlißke, S. 104
15 Johannes Kulp, Arno Büchner, Siegfried Fornacon, Die Lieder unserer Kirche, Göttingen 1958, S. 308 f - fast wörtlich übereinstimmend mit Otto Schlißke, S. 80
16 Schlißke, S. 80
17 Ebda. S. 309
18 Ebda. S. 309 f
19 Biblischer Kommentar Altes Testament; Hans-Joachim Kraus, Psalmen, Band 1, Neukirchen 1972, S. 339
20 Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers, Stuttgart 1985, S. 574
21 EG 362, Strophe 1
22 Eugen Eckert, Gott ist mein Lied, ist meine Macht, Strube-Verlag, München 1996, S. 144f

Musikinformationen

1. Musik
CD-Name: Martin Luther: Verleih uns Frieden gnädiglich
Titel: Ein feste Burg ist unser Gott
Track-Nr. 6
Text: Martin Luther
Melodie: Martin Luther
Sätze: Gerhard Schnitter (Vorspiel)
Johann Sebastian Bach (1,4)
Lukas Osiander, 1534-1604 (2)
Johann Walter (3)
Chor: Studiochor des Evangeliums-Rundfunks
Leitung: Gerhard Schnitter
Verlag: Schulte & Gerth, Asslar
LC-Nr. 6160

2. und 3. Musik
CD-Name: Anno Domini – Geistliche Chormusik aus zwei Jahrtausenden
Titel: Ein feste Burg ist unser Gott
Track-Nr. 6
Text: Martin Luther
Melodie: Martin Luther
Chor: Bach-Chor Siegen
Leitung: Ulrich Stötzel
Verlag: Schulte & Gerth, Asslar
LC-Nr. 00895

4. und 9. Musik
CD-Name: Ein feste Burg ist unser Gott, BWV 80
Titel: Ein feste Burg ist unser Gott
Track-Nr. 1
Text: Martin Luther
Komponist: Johann Sebastian Bach
Ensemble: Bach Collegium Japan
Leitung: Masaaki Suzuki
LC-Nr. 03240

5. und 6. Musik
CD-Name: Acoustic Shapes
Titel: 24. Hours
Track-Nr. 8
Interpreten: Wolfgang Haffner, Hubert Nuss, Lars Danielsson
Verlag: The Act Company, München 2008
LC-Nr. 07644

7. Musik
CD-Name: Die größten Choräle aus fünf Jahrhunderten
Titel: Ein feste Burg ist unser Gott
Track-Nr. 7
Text: Martin Luther
Melodie: Martin Luther
Sätze: Johann Sebastian Bach (1+4
Lukas Osiander (2)
Gerhard Schnitter (3,4,5,6,8)
Chor: Das Solistenensemble
Leitung: Gerhard Schnitter
Verlag: Hänssler Verlag
LC-Nr. 07224

8. und 10. Musik
CD-Name: Lute Music of Renaissance Germany, England France, Italy
Holland, Spain, Folk Songs and Dances
Titel: A mighty fortress is our God
Interpret: Andrei Krylov
Label: Andrei Krylov, Copyright 1999
LC-Nr. Keine vorhanden

 


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