Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

31.10.12; Pfarrerin Petra Schulze

Hüte und Reformation

Autorin: Guten Morgen, lieber Hörer, liebe Hörerin, heute, am Reformationstag, erinnern die evangelischen Christinnen und Christen an die Reformation,

den Geburtstag der evangelischen Kirche und ihren Gründer Martin Luther. Was ist eigentlich evangelisch? Dazu ein paar Gedanken von der modischen Seite her. Inspiriert von den vielen bunten Mützen, Kappen und Hüten, die im Herbst wieder Hochkonjunktur haben.

Hüte sind mehr als ein Schutz oder ein modisches Accessoire. Mit einem Hut kann ich zum Beispiel als Würdenträger ausgezeichnet werden und zeigen, welch hohen staatlichen oder religiösen Stand ich bekleide nach dem Motto:

Sprecher: „Ämtchen bringt Käppchen“.

Autorin: Deshalb mahnte schon der Prophet Ezechiel:

Sprecher: „So spricht der HERR: Tue weg den Hut1 und hebe ab die Krone! Denn es wird weder Hut noch die Krone bleiben; sondern der sich erhöht hat, der soll erniedrigt werden, und der sich erniedrigt, soll erhöht werden.“ (Ezechiel 21,31)

Autorin: Der Hut kann mir aber auch zur Demütigung aufgesetzt werden – wie die spitzen gelben Hüte, die die Juden im Mittelalter auf päpstliche Anordnung als Kennzeichen tragen mussten oder die grünen Hüte, mit denen Bankrotteure in Frankreich zur Schau gestellt wurden. Andere Hüte symbolisierten Freiheit. Im Römischen Reich zum Beispiel erhielten freigelassene Sklaven einen Hut.

An den Kopfbedeckungen sollt ihr sie erkennen … Ein Blick in die evangelischen Gotteshäuser zeigt: violette oder scharlachfarbene Kopfbedeckungen wie bei der katholischen Geistlichkeit fehlen. Es bleibt das zur Amtstracht evangelischer Geistlicher gehörige schwarze Barett - oft im Freien bei Beerdigungen getragen.
In den Kirchenbänken dominieren die zumeist pastellfarbenen Hüte der älteren Frauen, die braunen oder schwarzen Hüte der älteren Männer oder die Festtagskopftücher der russlanddeutschen Frauen. Ab und an ein Konfirmand mit Baseballkappe oder ein junger Mann mit Strickmütze, manchmal eine Frau mit sportlichem Fleece-Stirnband zur Allwetterjacke.

Bei interreligiösen Gebeten sind die vielfältigen Muster und Tragearten der Kopftücher der muslimischen Frauen zu bewundern. Und in den Kindergottesdienst verirrte sich am letzten Sonntag schon hier und da ein Hexenhut, weil Halloween naht.

Die Kirche kriegt sie alle unter einen Hut, wenn auch nicht immer zur gleichen Zeit. Demokratie, Freiheit und Einheit in Vielfalt – das ist evangelisch. Und das kann man an den Hüten ablesen. Alle Hüte regieren mit in der evangelischen Kirche. Und für die Gemeinschaft der Glaubenden gilt, was der Prophet Jesaja schon Jerusalem verheißen hat:

Sprecher: „Und du wirst sein eine schöne Krone in der Hand des HERRN und ein königlicher Hut in der Hand deines Gottes.“ (Jesaja 62,3)

Autorin: Oder mit Hiob gesprochen:

Sprecher: „Gerechtigkeit war mein Kleid, das ich anzog wie einen Rock; und mein Recht war mein fürstlicher Hut.“(Hiob 29,14)

Autorin: Bleiben Sie gut behütet in diesen stürmischen Zeiten! Wünscht Ihnen, Pfarrerin Petra Schulze aus Düsseldorf.

1 „Nach Ez 21,31 handelt es sich bei der israelitischen Königskrone um ein goldenes Diadem (### nezær; vgl. 2Kön 11,12), dass über einem Turban getragen wurde (vgl. die priesterlichen Traditionen in Ex 29,6; Ex 39,30f; Lev 8,9). Offenbar sind die Grenzen zwischen Priesterturban (Ex 28,4; vgl. Ez 21,31) und Königskrone hier schon fließend und deuten auf die nachexilische Übertragung königlicher Ämter und Würden auf den Hohenpriester hin. Darauf verweisen auch die beiden, letztlich im Tempel deponierten Kronen (##### ‘atarôt) für den Hohenpriester #Jeschua in Sach 6,9-14, wo offenbar gescheiterte Restaurationsversuche des davidischen Königtums in nachexilischer Zeit im Hintergrund stehen.“ Siehe http://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/details/quelle/WIBI/zeichen/k/referenz/24181///cache/6bbd180735/

 

Audiobeitrag Hüte und Reformation


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