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Starke Sätze
Guten Morgen, lieber Hörer, liebe Hörerin! Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.
Dieser Satz von Joachim Ringelnatz gehörte viele Jahre zu meinen liebsten Sätzen. Oder auch dieser: Englisch ist der Knopf, der dir die Welt aufknöpft! den hatte mein Englischlehrer mir ins Poesiealbum geschrieben. Später dann in einer Krise, in großer Erschöpfung, schenkte mir ein Seelsorger eine kleine Karte mit einem Bibelvers: (Jesaja 40,31):
alle, die ihre Hoffnung auf Gott, den Herrn setzen, bekommen neue Kraft. Sie sind wie Adler, denen mächtige Schwingen wachsen. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und sind nicht erschöpft. (Übersetzung: Hoffnung für alle)
Es gibt starke Sätze, die begleiten mich durchs Leben. Die geben mir Kraft in Krisen und Konflikten. Die weiten meinen Horizont. Die muntern mich auf. Die schenken mir Hoffnung. So wie der Satz, der Martin Luther zugeschrieben wird: Und wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.
Es gibt andere Sätze. Sätze, die mich lähmen: Aus dir wird nie was. Du Trampel, du Weichei. Faul und dumm wie Bohnenstroh. Dir gelingt aber auch gar nichts." Du hast nichts Besseres verdient.
Manche Sätze haben gleich ganze Generationen von Frauen und Männern geprägt, ja unterdrückt: Die Frau muss immer den untersten Weg gehen. Oder: Ein Junge weint nicht.
Es gibt Sätze, von denen muss ich mich befreien. Die gehören überprüft. Die liegen wie ein böser Fluch über meinem Leben. Vergiften und verderben es. In der Bibel heißt es: Sie schärfen ihre Zunge wie ein Schwert, mit ihren giftigen Worten zielen (sie) wie mit Pfeilen (Psalm 64,4). Worte, wie ein immerwährender Stachel im Fleisch. Sätze, die mir in Herz und Hirn gepflanzt wurden, als ich vielleicht noch ganz klein war. Mich von ihnen zu trennen, ist gar nicht so leicht. Sie haben schon so viele Spuren in meinem Leben hinterlassen und fast sind sie ein bisschen wie ein sicheres Geländer auf jeden Fall kenne ich diese Sätze gut. Sie sind mir oft vertrauter, als die Sätze, die mich froh machen. Und doch: Ich muss sie loslassen, wenn sie mein Leben nicht weiter vergiften sollen. Vielleicht schreibe ich sie auf. Bringe sie erst mal aus mir raus. Und zerreiße sie dann. Ich kann sie auch in die Kirche bringen, vor Gott.
Sieh hier, Gott. Das hat mein Leben vergiftet. Hilf mir, andere Sätze dagegen zu setzen. Sätze, die mich froh machen, die heilen. Im biblischen Buch der Sprüche heißt es: Die Worte eines gedankenlosen Schwätzers verletzen wie Messerstiche; (doch) was ein weiser Mensch sagt, heilt und belebt. (Sprüche 12,18)
Bestimmt sind Ihnen, lieber Hörer, liebe Hörerin, schon einmal Sätze begegnet, die Sie aufgerichtet haben. Die Ihnen gut getan haben. Nicht nur, weil der Satz so schön und wohltuend war, sondern auch, weil ein besonderer Mensch ihn zu Ihnen gesagt hat. Ein Mensch, den Sie mochten und schätzten. Erinnern Sie sich heute einmal an diese guten Sätze. Vielleicht haben Sie Ihren momentanen Lieblingssatz auch gelesen. In einem Gedichtband. In der Bibel.
Die Evangelische Kirche lädt Sie in diesen Tagen dazu ein, uns Ihren liebsten Satz zu schreiben. Haben Sie einen solchen Satz? Der Ihnen geholfen hat, stark zu bleiben oder einmal schwach zu werden? Einen Satz, an den Sie sich immer wieder erinnern? Dann schreiben Sie uns bis zum 15. November: Den Satz und eine kleine Geschichte dazu. Nicht länger als fünf, sechs Sätze oder 1000 Zeichen. An die Redaktion chrismon unter dem Stichwort: Starke Sätze, Postfach 500 550, 60394 Frankfurt oder per Email an starkesaetze@chrismon.de.
Der Literatur-Nobelpreisträger Imre Kertész soll einmal geschrieben haben: "Die Sätze, die uns nötig sind, finden früher oder später zu uns." Dass Ihr Satz Sie heute findet wünscht Ihnen, Petra Schulze, Pfarrerin in Düsseldorf.
Infos unter: www.chrismon.de/spezial/aktion
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