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Kindheit - gleiche Chance für alle?!
Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben, sagt Ben Furman, Psychotherapeut und Autor eines gleichnamigen Buches. Klar, die Kindheit ist prägend.
Viele machen sie schnell verantwortlich für so manche Probleme, die sie heute haben. Ben Furman dreht den Spieß um und sagt: Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit. Niemand bleibt in seiner Geschichte gefangen, jeder kann ausbrechen und das eigene Leben in die Hand nehmen.
Schön und gut. Das ist Psychologie. Solange es um das seelische Wohlbefinden geht, lässt sich immer etwas machen auch später noch. Aber was ist mit Kindern, die in Armut aufwachsen? In Verhältnissen, die sie nun mal kaum ändern können? Ist es auch hier nie zu spät? Die Arbeiterwohlfahrt hat in diesen Wochen eine Studie vorgelegt, die etwas an-deres zeigt. Jedem zweiten Kind, das in einer armen Familie aufwächst, droht selbst die Armut. Aus dem Fahrstuhl nach unten schafft nur jeder zweite Jugendliche den Ausstieg. Da kann man sich abmühen, wie man will: Ein eigenes Zimmer, Bücher, Bioessen kaum etwas davon ist erreichbar. Ein neues Handy, mal ins Kindertheater oder ein Urlaub an der Nordsee geht schon gar nicht. Jedes zweite Kind wird von der Armut in der Familie so bestimmt, dass es nur weiter nach unten geht. Für das eigene Wohlergehen, für Arbeit und Auskommen gibt es ein zu spät.
Immerhin, da ist auch noch die zweite Hälfte. 43% haben den Ausstieg doch geschafft. Was ist da eigentlich gut gelaufen? Die Studie zeigt: Ein Schlüssel liegt in der Familie, ein anderer in der Gesellschaft. Wenn Kinder zuhause trotz Armut ein gutes familiäres Klima erleben, wenn es gemeinsame Aktivitäten gibt, dann werden Kinder nicht sozial schwach, sondern sozial stark. Sie übernehmen Aufgaben, sie helfen mit, sie werden früher erwachsen. Doch das reicht nicht aus. Auch die Gesellschaft ist gefordert. Bildung und Erziehung sind der zweite Schlüssel zum Erfolg. Da, wo der Kontakt zur KiTa gut war, wo die Famili-enberatung die Eltern erreicht und einbezogen hat, wo Kinder im Jugendzentrum ein zweites Zuhause fanden, auch da ist der Ausstieg gelungen. Dann wurden arme Kinder stark.
Es ist ja verrückt: Wer in Deutschland an der Fleischtheke im Supermarkt eine Scheibe Wurst verkaufen will, muss eine dreijährige Ausbildung absolvieren. Aber jeder kann Kinder haben und erziehen. Auch die, die der Aufgabe nicht oder noch nicht gewachsen sind.
Dann ist neben den Eltern auch die Gesellschaft gefordert. Sie muss Kinder schon früh bilden, fördern, motivieren. Sonst ist es irgendwann zu spät.
Auch die Bibel hat eine Vorliebe für die Armen und für die Kinder. In den Geboten des Alten Testaments gibt es gute Regeln dafür, dass arme Familien nicht arm bleiben dürfen, sondern immer wieder Zugang finden müssen zu Land, Arbeit und Auskommen. So wünscht Gott sich die Welt: nicht alles gleich, aber immer wieder gerecht. Mich hat die Studie der AWO noch mal wachgerüttelt. Auch unsere Kirchen sollten sich stark machen für die Kinder. Mit den eigenen KiTas und Jugendzentren, in ihren Schulen und Beratungsstellen, aber auch in dem, was sie politisch fordern. Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben. Diese innere Haltung ist gut, aber sie löst nicht alles. Auch die äußeren Bedingungen müssen stimmen. Die Hilfen bei der Erziehung, der Zugang zu Bildung. Das geht nicht später, das geht nur jetzt. Damit Kinder aus armen Familien stark werden können.
Kindheit - gleiche Chance für alle?!
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