Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

31.10.12; Maike Siebold

"Mehr als ein hohler Kürbis"

Autorin: Ein Blick auf den Kalender zeigt, heute ist der 31. Oktober. Was verbinden Sie mit dem Datum?

O-Ton: „Keine Ahnung“
O-Ton: „Zum 31.10. fällt mir spontan so gar nichts ein.“
O-Ton: „31. Oktober ist der Tag vor Allerheiligen.“
O-Ton: „Ist da nicht Halloween?“

Autorin: Also Halloween! Und warum feiern wir Halloween?

O-Ton: „Ich weiß nicht, warum es Halloween gibt…“
O-Ton: „Ist das nicht dieses Fest, wo früher diese Hexen da getanzt haben, auf dem Blocksberg und dadurch entstanden.“
O-Ton: „Ach so, das ist die Belästigung, die man da immer alljährlich erfahren muss.“
O-Ton: „Ich denke mal, dass ist wahrscheinlich so was Ähnliches wie Karneval bloß eben aus den Staaten importiert“.

Autorin: Doch der 31. Oktober ist auch Reformationstag – auch wenn das viele nicht mehr wissen.

O-Ton: „Ich kann dazu nicht mehr sagen als der Reformationstag, was mit Reformen zu tun hat.“
O-Ton: „Der Reformationstag ist das nicht, wo der Luther die Thesen an die Tür gehauen hat, an irgendeine Kirche.“

Autorin: Denn am 31. Oktober 1517 soll der Mönch Martin Luther 95 Thesen angeschlagen haben. An die Schloßkirche zu Wittenberg. Er bestritt, dass man sich mit Geld von seinen Sünden frei kaufen könne. Vielmehr werde man vor Gott durch seinen Glauben gerecht.

O-Ton: Martin Luther, der das Protestantische Kirchentum gegründet.

Autorin: Das stimmt. Der 31.10 war der Beginn der Reformation, der Gründung der protestantischen Kirche.

Was Halloween und der Reformationstag gemeinsam haben? Es ist der Kampf gegen alte Gespenster. Hier die angeblichen Gespenster der umherirrenden Verstorbenen, die kurz vor Allerheiligen ihr Unwesen treiben, dort die Gespenster einer alt und unbelehrbar gewordenen Kirche mit ihren Kirchenbeamten. Doch leider verdrängen die dicken Kürbisse und der Kommerz zunehmend den "Reformationstag". Auf der offiziellen Schulferienseite wird Halloween sogar schon unter den Feiertagen aufgelistet, auch wenn darauf hingewiesen wird, dass es kein gesetzlicher ist. Es ist quasi die Walpurgisnacht im Herbstgewand.

Um den alten, müden Reformationstag von den Toten aufzuwecken, wäre natürlich eine Führungsgestalt hilfreich – wie damals der Mönch und Theologieprofessor Martin Luther. Aber es will sich partout kein Luther mehr zeigen. Also müssen wir selbst ran und die radikale Botschaft der Reformation lebendig halten: Dass wir alle gleich sind, alle von Gott geliebt, ohne Vorleistung, einfach durch unseren Glauben.

Die Reformation war im Mittelalter so attraktiv, weil sie die Menschen in die Freiheit entließ, ihnen die Angst vor der Hölle nahm, ihr eigenes Urteilsvermögen schulte, die Bibel wieder einen Lebensbezug bekam und die steifen, ritualisierten Gottesdienste entstaubte. Sich daran zu erinnern ist sinnvoll!! Hören wir endlich auf, die Bibel und ihre Auslegung den sogenannten Fachleuten zu überlassen (wie viel Mühe hat es Luther gekostet, sie gerade ihnen zu entreißen), Mühen wir uns gemeinsam um die Bibel, denn Gott kommt durch sie auf einmalige Weise zu Wort. Und das brauchen wir heute. Nicht die Sicherung der Kirchengebäude darf weiter im Vordergrund stehen. Was nötig ist sind radikale Vorbilder, attraktive, gastfreundliche Gemeinden, interessante Angebote und faszinierende Predigten. Die Reformation hat zum Glück kein Verfallsdatum, sie hat eine ewige Fortsetzung mit ihrem Kernsatz gewissermaßen eingebaut: „Die Kirche ist immer neu zu reformieren.“

Ein Mönch namens Martin Luther hat den Hebel gefunden, die alte Welt aus den Angeln zu heben. Dieser Hebel funktioniert noch immer, auch wenn er eingerostet ist. Versuchen wir ihn umzulegen.

 

Audiobeitrag "Mehr als ein hohler Kürbis"


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