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Verführung pur
Mrs. Robinson verführt Benjamin und die Krämerin Schneewittchen zum Apfel. Bella verführt Edward zum Leben und Stephenie Meyer zum Lesen.
Das plüschige Sofa verführt zum Ausruhen und die Pfütze zum Reinspringen. Manche lassen sich von der Macht verführen, andere zum Bad in der Menge. Schokolade verführt zum Essen und Graupensuppe bisweilen zu dessen Verweigerung. Christian Brückners Stimme verführt zum langen Zuhören, tolle Gerüche verlocken zum Näherrücken und Schnäppchen verführen zu größeren Einkäufen.
Verführungen sind so alt wie die Menschheit. Schon Adam und Eva konnten davon ein Lied singen. Von Anfang an war der Wurm in der Sache, nach der biblischen Erzählung ein großer Wurm, die Schlange. Es hätte alles so schön sein können, aber wir kommen uns immer wieder selbst dazwischen. Die Schlange flüstert uns allerdings damals wie heute keine neuen Gedanken zu, sondern nur das, was uns selbst schon lange wurmt, was tief in unserem Inneren rumort. Wenn wir die Stimme laut werden lassen, dann verführt sie uns, neue Dinge zu tun.
Verführungen können sooo schön sein, aber im christlichen Zusammenhang werden sie überaus kritisch betrachtet, weil sie in Verbindung mit der Versuchung gebracht werden und Versuchungen sind bekanntlich der Anreiz, eine Sünde zu begehen, oder anders ausgedrückt: uns von Gott zu entfernen. Die Bitte um Bewahrung vor solchen Versuchungen ist deswegen ein zentraler Bestandteil des Vaterunsers.
Aber wie sagt der schlagkräftige und schlitzohrige Priester aus Don Camillo und Peppone so treffend? Manch einer, der vor der Versuchung flieht, hofft doch heimlich, dass sie ihn einholt. Wir sehnen uns nach Verführungen, diesem faszinierenden Zusammenspiel zwischen Vertrautheit und Fremdheit. Es sind Momente aufblitzender Seligkeit. Die Realität hat man jeden Tag genug um sich. Sie besteht aus Routine, zeitweise aus Langeweile und oft aus Schwierigkeiten. Aber Verführungen tauchen den Tag in ein besonderes Licht. Heben ihn ab vom restlichen Grau.
Bei schönen Anreizen werden es Tage mit Goldrahmen und die gefährlichen Verführungen erblassen, wenn wir sie Gottes Lichtkegel aussetzen. Verführen bedeutet im allgemeinen Sprachgebrauch, jemanden mit Überzeugungskraft und Begeisterung zu etwas zu bewegen, was er sonst vielleicht nicht getan hätte. Verführen wir uns selbst! Nutzen wir die Kraft der Verführung für uns als Motor für Dinge, die wir ändern wollen. Gott schickt uns keine Versuchungen, sondern Angebote. Er ist nicht der Urheber der Einschränkungen sondern der Freiheit.
Testen wir die Freiheit. Das unbezahlbare Wissen Israels und der Christen ist, dass Gott mit uns geht, egal wohin. Aus diesem Vertrauen heraus wünsche ich ihnen Ausschweifungen: Lassen Sie sich verführen von fremden Ländern, neuen Aufgaben, unbekannten Menschen, von einem Ausstieg auf Zeit, spannenden Büchern, heißen Getränken frischen Früchten und von Gott, zu einem geistreichen Leben!
Verführung pur
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