Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

30.10.12; Sebastian Richter

116 111

Micha ist geschockt. „Es ist so eklig.“, sagt er. Er sitzt in der Umkleide. Noch in Badehose und klitschnass. Ich bin schon dabei, mir die Socken anzuziehen.

Oh Gott, wie blass er ist...

Wir waren bis eben schwimmen. Irgendwann geht Micha in den Whirlpool. Kein Bock mehr auf Rutschen und Wellen und so.

Nach ein paar Minuten setzt sich so'n Typ dazu. Ganz plötzlich spürt Micha eine Hand zwischen seinen Beinen. Pervers geschickt hat der Kerl sie von oben in den Bund seiner Badehose gesteckt. Einfach so.

"Und dann war seine Hand an meinem Penis." Micha schluckt. Es waren nur ein paar Sekunden. Aber ein paar zu viel. Der Mann steigt danach einfach aus dem Becken. Dreht sich nicht um. Micha schweigt. Ich bin auch geschockt. Wir packen unsere Sachen und gehen zum Bademeister. Ohne genau zu wissen, wie wir ihm das erzählen sollen.

Micha kann nicht viel sagen. Das alles ist ihm total peinlich. Also rede ich. Der Bademeister ist super. Er ruft die Polizei. Eine Videokamera hängt in der Nähe. Die wird nun ausgewertet. Der Polizist sagt, es ist gut, dass wir das erzählt haben. Er hofft, dass sie den Typen erkennen können.

Er drückt uns einen Flyer in die Hand. Mit einer Telefonnummer: 116 111. Die Nummer gegen Kummer vom Kinder- und Jugendtelefon. Er meint, dort könnte man auch anrufen, wenn man einfach mal jemanden zum quatschen braucht. Das alles ist anonym und kostenlos. Gerade, wenn man es niemandem sonst erzählen kann. Oder will.

Ich gehe mit Micha nach Hause. Es ist wichtig, ihn jetzt nicht allein zu lassen.

Mehr Infos: www.nummergegenkummer.de

Sprecher: Daniel Schneider

 

Audiobeitrag 116 111


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